Röda-Doku im Star Movie: Jedem Dorf sein Underground

Hits: 2436
Angelika Hollnbuchner Tips Redaktion Angelika Hollnbuchner, 22.05.2018 18:56 Uhr

STEYR. Der gebürtige Steyrer und in Wien lebende Regisseur Jakob M. Kubizek (TV-Serie „Ochs im Glas“) erzählt mit einem neuen Film, wie das Kulturhaus Röda entstand. Eine Geschichte voller Musik, rebellischem Tatendrang und Zusammen-schaffen-wir-das-Mentalität.

Die Doku „Jedem Dorf sein Underground“ nimmt ihren Anfang anlässlich 20 Jahre Kulturverein Röda. Der Steyrer Filmemacher Jakob Kubizek erzählt von der Kraft, die von einer Handvoll Schülerbands ausgeht, weil sie ihr Schicksal in die Hand nimmt: Die Steyrer Jugendlichen holen sich in einer Zeit, in der das Internet in den Kinderschuhen steckt und Smartphones noch nicht erfunden sind, auf ihre Art die Welt nachhause. „Es ist, kurz gesagt, ein Film über einen Haufen jugendlicher Freaks, die sich mit einer ordentlichen Portion Eigeninitiative und Engagement in der Provinz der neunziger Jahre ihr eigenes Paradies schaffen“, sagt Kubizek.

Tips: Wie kam die Idee zum Film?

Kubizek: „Es war sozusagen ein Anruf aus der Vergangenheit. Gerald Lutz hat mich darauf hingewiesen, dass das alles jetzt 20 Jahre her ist und mich gefragt, ob ich nicht einen Film über diese Geschichte machen will. Persönlich hat es sich richtig angefühlt, eine Klammer um die eigene Jugend zu schließen und der Szene von früher was zurückzugeben.“

Kubizek, selbst Teil der damaligen Bewegung, versetzt den Zuschauer in eine Sphäre, die so manchem aus der eigenen Jugend in Erinnerung sein dürfte: Es ist das Leben in Dorf oder Kleinstadt, das dem jugendlichen Gestaltungsdrang vor allem eins bietet: vorgeformte Räume und Systeme, klare Strukturen. Ausdruck ihres kreativen Lebensgefühls ist für viele Jugendliche der Achtziger und Neunziger die Musik: Hip-Hop, Punkrock, Grunge & Co. Sich formierende Bands bedürfen eines Ortes, wo ihre Botschaften Gehör finden: Das Projekt Röda nimmt hier seinen Anfang – aus einer ehemaligen Schnitzerei wird 1997 ein Zentrum für junge Kunst und Kultur.

Tips: Worauf haben Sie gestalterisch beim Film Wert gelegt?

Kubizek: „Ich wollte die Orte, die Menschen und die Musik von damals spürbar machen. Man soll die Tanzböden knirschen hören, den abgestandenen Rauch in den Möbeln riechen und den Schweiß aus den langen Haaren der Headbanger ins Gesicht bekommen. Es war eine sehr unmittelbare Zeit, ohne Ablenkung durch Social Media und den ganzen Kram. Das habe ich versucht zu zeigen und mich dafür durch hunderte Stunden Archivmaterial gewühlt.“

Schriftstellerin Doris Knecht sagt über den Film: „Es ist die Geschichte von so vielen, die ihre Jugend in der Provinz erlebten. Fast überall gab es, wie in Kubizeks Steyr seiner Jugend: nix. Fast überall wurde man mit dem Gefühl groß, in einer Falle zu leben, die sich erst mit der Volljährigkeit in Selbstbestimmung und Freiheit öffnen würde.“ Für die aus Vorarlberg stammende Wiener Autorin ist der Film vor allem ein „Porträt des Erwachsenwerdens, vom Zusammenhalten, von Gegenwinden und vom Durchhaltevermögen, und wie man als junger Mensch seine Stimme entdeckt“. Eine Geschichte, wie sie sie der Smartphone-Generation wieder häufiger wünschen würde.

Kubizeks Arbeit zeigt in aufwändig zusammengetragenen Bildern, dass junger Übermut Früchte tragen kann und nicht zwangsläufig in Resignation mündet. „Als Jugendlicher war Steyr der Nabel der Welt für mich. Es bot alles, was ich mir nur wünschen konnte, es war auch irgendwie gut, dass das so wenig war“, so der 39-jährige Regisseur. Im Film lässt er die damaligen Mitstreiter der Bewegung rund um das Kulturhaus zu Wort kommen – nicht wenige von ihnen haben wie Kubizek in der Kunst ihren Weg gemacht.

Tips: Inwiefern könnte ein Film wie dieser auf die jetzige und künftige Jugendkultur Einfluss nehmen?

Kubizek: „Es ist gestern wie heute wie morgen wichtig, eigeninitiativ zu sein. Niemand sollte darauf warten, dass es schon irgendwer für einen richten wird. Wenn man an etwas glaubt, sollte man dafür aufstehen – ohne Angst zu scheitern. Das Scheitern ist überhaupt das Wichtigste. Wir alle haben ja soviel Angst, uns zu blamieren und machen uns viel zu viel Sorgen darüber, was die anderen denken könnten. „Tu es, dann passiert“s auch“ wie es Mike Glück so schön auf den Punkt bringt. Die oö. Landesregierung plant ja auch alle möglichen Kürzungen im ohnehin schmalen Kulturbudget, da bekommen Geschichten wie diese wieder einen ganz besonderen Stellenwert.

PREMIERE

Vor wenigen Wochen lief „Jedem Dorf sein Underground“ vielbeachtet beim Crossing Europe Filmfestival in Linz. Regisseur Kubizek präsentiert seine Filmdoku am Freitag, 1. Juni, um 19 Uhr persönlich im Star Movie Steyr.

ZUR PERSON

Jakob Kubizek (39), verheiratet 3 Kinder, Lebensmittelpunkt: „Westautobahn“ (Wien–Steyr), studierte MultiMediaArt in Salzburg und gründete mit Freunden die Wiener Jenseide Filmproduktion (unzählige Musikvideos, Film „Das Nowhere Train Tagebuch“, TV-Serie „Ochs im Glas“ (Romy-Preisträger 2016) etc.)

Kommentar verfassen



GPS aus Traktoren gestohlen - Polizei bittet um Hinweise

SIERNING. In der Marktgemeinde haben bisher unbekannte Täter hochwertige GPS-Systeme entwendet. 

Umjubelte Premiere

BAD HALL. Nicht enden wollend war der Jubel im ausverkauften Stadttheater bei Franz Lehars Operette „Die lustige Witwe“.

20-Jähriger stürzte in Ternberg acht Meter tief über eine Böschung

TERNBERG. Am Sonntagnachmittag ist in Ternberg ein 20-Jähriger rund acht Meter tief über eine Böschung gestürzt. Er verletzte sich schwer, der Rettungshubschrauber flog ihn ins Kepler ...

Kellnerin wies auf sein Lokalverbot hin: Gast zückte Gaspistole

WELS. Ein Mann (34) spazierte trotz Lokalverbotes in der Nacht auf Samstag in ein Lokal in der Welser Innenstadt. Als ihn die Kellnerin auf sein Lokalverbot aufmerksam machte, zog er eine Gaspistole und ...

Unbekannter stahl einem Mann (75) in Steyr die Geldbörse

STEYR. Ein Unbekannter hat in der Nacht auf Samstag einem Mann (75) in Steyr die Geldbörse gestohlen.

Trauer um Priester Franz Rehrl

GARSTEN. Der Seelsorger und Religionsprofessor Franz Rehrl ist am 30. Juni im 80. Lebensjahr im Bezirksalten- und Pflegeheim verstorben.

Grünland: 3.000 Euro für Frauenhaus

STEYR. Das alljährlich parallel zum Stadtfest stattfindende Festival im Schlosspark hat eine Rekord-Spende für das Frauenhaus sammeln können.

Durchs Traunviertel per E-Bike

OBERÖSTERREICH. Eine gute Möglichkeit, das Traunviertel zu erkunden, ist eine Reise mit dem Fahrrad. Die Traunviertel Tour, zusammengestellt von der Radregion Traunviertel, besteht aus sieben Tagesetappen. ...