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STEYR. Ein spektakulärer Unfall auf der Ennsleite hat die Diskussion um verpflichtende Gesundheitschecks für Senioren neu entfacht. Für ÖAMTC-Stützpunktleiter Leopold Pfleger werden ältere Verkehrsteilnehmer völlig zu Unrecht angeprangert.

  1 / 3   Ein 85-jähriger Pensionist krachte letzte Woche in Steyr mit seinem Mercedes rückwärts in das Büro der Wohnbau 2000 und richtete hohen Sachschaden an. Foto: FF Steyr

Über 20 Kommentare gab es auf der Tips-Facebook-Seite zum Unfall, den ein 85-jähriger Pensionist verursachte. Viele Wortmeldungen drehten sich um das Thema einer verpflichtenden Überprüfung der Fahrtüchtigkeit von älteren Autofahrern. Eine (nicht repräsentative) Tips-Umfrage mit 124 Teilnehmern zeigt ein deutliches Bild. 90 Prozent sind für einen Gesundheitscheck. Der hohe Wert liegt wohl auch daran, dass auf den sozialen Netzwerken vorwiegend junge Menschen unterwegs sind – dort fand die Umfrage statt.

Körperliche Defizite

Für den Mobilitätsclub ÖAMTC kommt eine derartige Überprüfung nicht infrage. „Viele ältere Personen verfügen über mehr Lenkerfahrung als jüngere. Außerdem sind sie besonnen unterwegs, haben kaum Vergehen hinsichtlich des Alkoholmissbrauchs oder Schnellfahrens und sie meiden in der Regel Nachtfahrten“, sagt der Steyrer Stützpunktleiter Leopold Pfleger. Dass mit zunehmendem Alter Veränderungsprozesse stattfinden (Seh- und Hörbeeinträchtigungen, Aufmerksamkeitsdefizite, motorische Einschränkungen), ist nicht von der Hand zu weisen.

80+ mit hohem Risiko

Laut Prognosen wird es alleine in der Stadt Steyr demnächst über 3.000 Personen geben, die 80 Jahre oder älter sind – und viele davon sind noch mit dem Auto unterwegs. „Die betagten Fahrer weisen ebenso wie die ganz jungen eine sehr hohe Unfallrate auf“, sagt Armin Kaltenecker vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Modelle zur effektiven Verlängerung der Fahreignung in der Praxis sollten deshalb verstärkt angeboten werden.

Sich selbst hinterfragen

Obwohl in mehreren Ländern verpflichtende Gesundheitstests ab einem gewissen Alter durchgeführt werden, ist der Nutzen dieser zweifelhaft. „Wir sind der Meinung, dass für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr nicht das Lebensalter oder ein Testergebnis zu einem bestimmten Zeitpunkt entscheidend ist, sondern der aktuelle Gesundheitszustand vor Fahrtantritt sowie die Fähigkeit, Risiken im Straßenverkehr richtig einzuschätzen. Ein kritischer Umgang mit der eigenen Leistungsfähigkeit, möglicherweise auch die Einholung eines Ratschlags von Angehörigen, Ärzten oder Fahrprofis sind die Grundlagen für eine sichere Mobilität“, betont ÖAMTC-Experte Leopold Pfleger.

Europa-Vergleich

Neben Österreich gibt es auch in Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Schweden und Spanien keine verpflichtenden Gesundheitschecks für Senioren.

Ab Führerscheinerwerb

Italien (Intervall: 10 Jahre; ab 50: 5 Jahre; ab 70: 3 Jahre; ab 80: 2 Jahre)

Lettland (10 Jahre; ab 60: 3 Jahre)

Ungarn (10 Jahre; ab 40: 5 Jahre; ab 60: 3 Jahre; ab 70: 2 Jahre)

Ab 50 Jahren

Portugal (Intervall: 10 Jahre; ab 60: 5 Jahre; ab 70: 2 Jahre)

Ab 60 Jahren

Luxemburg (Intervall: 10 Jahre; ab 70: 3 Jahre; ab 79: jährlich)

Tschechien (5 Jahre; ab 65: 3 Jahre; ab 68: 2 Jahre)

Ab 65 Jahren

Griechenland (Intervall: 3 Jahre)

Slowakei (2 Jahre)

Ab 70 Jahren

Dänemark (Intervall: 4 Jahre; ab 74: 2 Jahre; ab 80: jährlich)

Finnland (5 Jahre; Sehtest ab 45)

Großbritannien (3 Jahre)

Malta (3 Jahre)

Niederlande (5 Jahre)

Norwegen (5 Jahre; ab 75 immer kürzere Intervalle mit zunehmendem Alter)

Schweiz (2 Jahre)

Slowenien (5 Jahre)

Zypern (3 Jahre)

Ab 80 Jahren

Kroatien (individuelle Intervalle)

Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit


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