Leihomas gesucht: „Aufgabe bereitet echte Freude“
REGION STEYR. 16 Leihomas kümmern sich derzeit in den Bezirken Steyr-Stadt und Land um Kinder, deren Eltern stundenweise Entlastung benötigen. Für Christine Kaltenbrunner (67) eine Erfahrung, die Sinn und Lebensfreude in ihren Alltag zurückgebracht hat.

Seit vier Jahren packt Christine Kaltenbrunner regelmäßig ihre Tasche zusammen, um eine ihrer derzeit drei Familien im Raum Steyr zu besuchen. Eine Aufgabe, die – seit die eigenen sechs Enkel erwachsen sind – frischen Wind in ihr Leben bringt. Als Pensionistin fiel der Steyrerin früh die Decke auf den Kopf. Sie war lange daran gewöhnt, eine lebhafte Kinderschar um sich zu haben. Danach stand die Pflege einer Angehörigen im Vordergrund. Nachdem das alles wegfiel, brachte der Omadienst wieder Lebenslust in Kaltenbrunners Tage. “Jede Woche kümmere ich mich für ein paar Stunden um Kinder von sehr unterschiedlichen Familien. Es macht riesigen Spaß.“
Flexibel und humorvoll
Von der Alleinerzieherin über beruflich stark ausgelastete Eltern bis hin zu Familien, die am neuen Wohnort niemanden kennen oder deren Großeltern noch im Berufsleben stehen, gehören zur Zielgruppe des Omadienstes – eine Einrichtung des Katholischen Familienverbands. Leihomas spielen mit den Kindern, lesen vor, verbringen mit ihnen Zeit in der Natur, am Spielplatz, im Garten. „Es tut gut, gebraucht zu werden“, sagt Kaltenbrunner, die zufällig von dieser Form der Tätigkeit erfuhr. Vorbereitung braucht sie für ihre Aufgabe nicht. „Ich frage die Kinder, worauf sie Lust haben. Die Eltern rufen nur am Vortag kurz an, um die Übernahme zu erleichtern“, erzählt sie. Mit Anpassungsfähigkeit und einem fröhlichen Gemüt sei es ihr bisher immer gelungen, von den Kindern schnell angenommen zu werden. So seien innige Beziehungen und eine oft Jahre währende Verbundenheit entstanden.
Große Nachfrage im Bezirk
Auch im Bezirk Steyr ist der Omadienst sehr gefragt. „Leider können wir immer wieder Anfragen nicht abdecken“, sagt Koordinatorin Evi Kapplmüller. Der Verein ist deshalb auf der Suche nach neuen Leihomas im Alter von 50 plus, gerne aber auch jünger. Mitzubringen sind: „Die Liebe zu Kindern, eine gewisse Mobilität und ein bis zwei Halbtage pro Woche“, so Kapplmüller. „Wichtig ist die gegenseitige Sympathie. Und ich kann jederzeit sagen, wenn ich etwas nicht möchte“, ergänzt Kaltenbrunner. Dazu gehöre etwa, auch einmal eine spontan angefragte Betreuung abzulehnen. „Am Anfang war ich auch unsicher, ob ich z.B. mit den Kleinen ins Schwimmbad gehen soll. Kinder ähneln einander ja mit nassen Haaren schnell einmal. Da habe ich gesagt: Das traue ich mich nicht“, so Kaltenbrunner, die mittlerweile gerne mit ihren Schützlingen das Bad besucht.
Ehrlichkeit und Vertrauen
Diese Offenheit sei sehr wichtig, betont Evi Kapplmüller: „Ehrlichkeit und Vertrauen sind Bedingungen für einen gelingenden Omadienst.“ Schon beim ersten Gespräch mit dem Verein wird vieles abgeklärt. Die Leihoma erfährt etwa von ihrer Verschwiegenheitspflicht, dass sie bei ihrem Einsatz haft- und unfallversichert ist und 6 bis 10 Euro pro Stunde erhält. Aber auch, dass die Aufgabe für sie keine Last werden soll. „Eine Leihoma muss keine Betreuung um 6 Uhr morgens übernehmen, wenn ihr das nicht entspricht“, so Kapplmüller.
Zeit gehört den Kindern
Generell sei es aber wichtig, die aktive Beschäftigung mit Kindern als Bereicherung zu sehen: „Es sollte nicht Thema sein, die Zeit mit Fernsehen zu verbringen“, lacht Kapplmüller. Ob mit den Kindern gekocht wird, liege im Ermessen der Leihoma, Putzen gehöre explizit nicht zu ihren Aufgaben. Die Zeit der „Oma zum Ausleihen“ gehört den Kindern.
Nach dem Erstgespräch, einem eintägigen Basisseminar und einem Kindernotfallkurs kann es losgehen. Interessierte kontaktieren: Tel. 0676 / 8776 3432. Details auch auf www.omadienst.info


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