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STEYR. Die Landesausstellung „Arbeit Wohlstand Macht“ in Steyr neigt sich dem Ende zu. Eines ihrer Gesichter war Widerstandskämpfer Franz Draber.

Franz Draber in Gestapo-Haft (Foto: J. Stockinger)
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Das Plakat der noch bis 7. November geöffneten Landesschau zeigt neben Waffenfabrikant Josef Werndl und Katharina von Lamberg auch Franz Draber, als Vertreter des Steyrer Arbeiterstandes. Das Aufstehen der Kommunisten gegen die Nazis wurde lange Zeit verschwiegen, obwohl gerade ihr Blutzoll im Kampf gegen das Regime ein sehr hoher war. Die Historiker Waltraud Neuhauser-Pfeiffer und Erwin Dorn haben Franz Drabers Kinder, Enkel und Urenkel zu ihren Erinnerungen an ihren widerständigen Vorfahren befragt und sein Leben nachgezeichnet.

1913 in eine Arbeiterfamilie geboren, wuchs Draber am Schleifersteig auf. In den Steyr-Werken lernte er Werkzeugmacher, eine politische Heimat fand er ab dem 14. Lebensjahr in der sozialistischen Arbeiterjugend. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise blieb auch ihm Arbeitslosigkeit und Aussteuerung nicht erspart. 1934 beteiligte sich der junge Draber an den Februarkämpfen auf der Ennsleite. Nach der Niederlage der Schutzbündler entging er versteckt in einem Keller der Verhaftung. Enttäuscht vom Zaudern der führenden Sozialdemokraten im Februarkampf schloss er sich den Kommunisten an.

Als leidenschaftlicher Sportler baute Draber in den Steyr-Werken, wo er ab 1934 Magazineur war, den „Werksport“ mit auf. Mit anderen Genossen las er „Die Rote Fahne“, die über Massenverhaftungen und Hinrichtungen durch die Nationalsozialisten berichtete. Noch am Tag des Anschlusses 1938 verteilte Draber in der Nachtschicht Flugblätter, die vor den Nazis warnten. Die Gestapo war den Widerstandszellen in den Steyr-Werken früh auf der Spur. Im September 1942 holte sie auch Franz Draber, verhörte ihn unter Folter. Mehr als ein Jahr verbrachte der Steyrer in Einzelhaft.

Zum Tode verurteilt

1944 verurteilte man neben weiteren Genossen auch Draber und seine Freunde Josef Bloderer und Karl Punzer in München zum Tode. Verzweifelt versuchten sie auszubrechen, was harte Strafen nach sich zog. Die Wärter machten jedoch keine Meldung – man schätzte die handwerklichen Hilfsdienste der Steyrer Gefangenen.

Die Alliierten flogen ab 1944 immer heftigere Luftangriffe. Bomben zerstörten im November 1944 die Hauptwasserleitung des Gefängnisses. Die Steyrer Häftlinge mussten Wasser in großen Kanistern tragen - man wusch damit das Blut nach Hinrichtungen weg. Als sie erfuhren, dass am kommenden Morgen das letzte Mal das Wasser zu tragen sei, da dann die Wasserleitung wieder in Betrieb ginge, beschlossen die Zellengenossen zu fliehen. Es war ihre letzte Chance nach fast zweihundert Tagen in der Todeszelle.

Draber, Bloderer und Punzer liefen zum Haupttor hinaus und gelangten durch eine kleine unversperrte Tür in der Gefängnismauer ins Freie. Karl Punzer stürzte, wurde wieder gefasst und mit den Genossen Hans Palme, Hans Riepl und  Josef Ulram am 5. Dezember 1944 enthauptet. Josef Bloderer, versteckte sich - zugedeckt mit Kränzen - auf dem nahen Perlacher Friedhof in einem frischen Grab, bevor er sich zu Fuß bis ins Steyrtal durchschlug.

Franz Draber floh zu Fuß, verbrachte die Nächte im Wald und auf Wiesen. Mehrmals entging er brenzligen Situationen. Mit einem Arbeiterzug gelangte er nach Wels und zu Fuß nach Kremsmünster. Unter Aufbietung seiner letzten Kräfte erreichte er Bad Hall. Acht Tage und Nächte war er für die Strecke von München nach Bad Hall unterwegs gewesen.

Untertauchen bis Kriegsende

Franz Draber versteckte sich in der Furthmühle in Bad Hall bei einem weitschichtig Verwandten. Er erholte sich langsam, nahm Kontakt mit seinen Eltern in Steyr auf. Schließlich fuhr er mit einem gefälschten Bergwacht-Ausweis als „Franz Gruber“ mit dem Rad nach Hinterstoder, wo er als Schafthirte getarnt die restlichen Tage bis Kriegsende verbrachte. Erst viel später erfuhr er, dass er in allen Gemeinden steckbrieflich gesucht worden war.

Weiterleben nach dem Krieg

Im Juni 1945 zurück in Steyr arbeitete er am Aufbau der Gemeindeverwaltung Steyr-Ost mit. Enttäuscht war Draber unter anderem darüber, dass viele ehemaligen Nazis nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, sondern sogar gute Posten – auch am Magistrat Steyr - erhielten.

Draber heiratete und lebte mit seiner Familie in der Rooseveltstraße. Politisch blieb er den Kommunisten treu. Sein ganzer Einsatz galt den Opfern des Nationalsozialismus, als langjähriger Landesobmann-Stellvertreter im KZ-Verband widmete er sich dem Andenken an die Verfolgten und Ermordeten des NS-Regimes. Er pflegte das KZ-Denkmal in der Haagerstraße und fuhr jedes Jahr zur internationalen Befreiungsfeier im Mai nach Mauthausen. Als Zeitzeuge erzählte er seine Geschichte in Schulen und bei Vorträgen. Schließlich wurden ihm auch offiziell Ehrungen zuteil.

Pünktlich am Jahrestag der Flucht, jeweils am 30. November, telefonierte er mit Sepp Bloderer, seinem Fluchtgefährten, mit dem er so knapp dem Tod entronnen war.

Franz Draber starb am 28. August 1996 im 84. Lebensjahr. 2010 wurde eine Straße in Steyr nach ihm benannt.

Was bleibt?

Seine Nachkommen – Kinder, Enkel- und Urenkelkinder – vermuten, dass Franz Draber die Ehre, als Arbeitervertreter auf dem Plakat der oberösterreichischen Landesausstellung aufzuscheinen, wahrscheinlich gar nicht recht gewesen wäre. Es sei für ihn eine selbstverständliche Menschenpflicht, gegen Unrecht aufzustehen und anderen zu helfen. Dass er dabei sein Leben auf das Spiel setzte, war ihm bewusst.

Seinen Nachkommen erzählte er nicht viel von seinem bewegten Leben. Heute sind sie stolz auf ihn und hoffen, dass sein geistiges Erbe auch bei ihnen eines Tages wirksam wird, wenn es darum geht, Menschlichkeit zu beweisen und mit Mut für seine Überzeugungen auch bei Gegenwind einzustehen.


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