Mangelnde Sozialkontakte setzen der Generation 60+ zu
STEYR/STEYR-LAND. Mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten in Steyr und Steyr-Land ist über 60 Jahre alt. „Der Generation 60+ muss jene Aufmerksamkeit geschenkt werden, die sie verdient“, sagt Seniorenbund-Landesobmann Josef Pühringer.

„Es ist wichtig, dass die Senioren mitbestimmen“, betont Alt-Landeshauptmann Pühringer beim Pressegespräch am Donnerstag im Landgasthof Mayr in St. Ulrich. Deshalb habe man vor der Gemeinderatswahl im Herbst 2021 gefordert, Seniorenvertreter auf den Gemeinderats-listen auf wählbaren Stellen zu platzieren. Gelungen ist dies nur mit Abstrichen. Oberösterreichweit stellt der Seniorenbund 261 Gemeinderäte, dies bedeutet einen Anteil von 5,8 Prozent unter den ÖVP-Gemeinderäten.
Kein Gemeinderat in Steyr
In Steyr errang die ÖVP sechs Mandate, Seniorenbund-Kandidat Wolfgang Hack stand aber nur auf Listenplatz 7 und kam daher nicht zum Zug. In Steyr-Land schafften es in den 20 Gemeinden 16-Seniorenbund-Mitglieder in die Ortsparlamente – der Anteil unter den 240 ÖVP-Mandataren beträgt 6,7 Prozent. „Unsere Forderung wurde nicht lückenlos erreicht, dennoch ist das Gewicht des Seniorenbundes in den oberösterreichischen Gemeinden stark gestiegen“, sagt Pühringer. „Die Seniorenthemen wie Pflege, Altersarmut oder Alterseinsamkeit müssen den Weg von der Agenda zur Umsetzung finden“, so der 72-Jährige. „Natürlich vertreten auch Jüngere die Anliegen und Interessen der älteren Bevölkerung sehr gut, aber der Blickwinkel auf ein zu lösendes Problem ist von einem Junggemeinderat anders, als von einem Seniorenvertreter.“
Weniger Mitglieder
Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie konnte der Seniorenbund die Mitgliederzahlen stetig steigern, der Höchststand in Oberösterreich betrug 77.000 – aktuell hält man bei rund 75.000 Mitgliedern. Hauptgrund für den Rückgang sind die deutlich höheren Sterbefälle in den letzten beiden Jahren. Außerdem war es in letzter Zeit deutlich schwieriger, neue Mitglieder zu gewinnen. Hausbesuche waren nicht in der gewohnten Form möglich. Dennoch habe man sich bemüht, so nahe wie möglich bei den Menschen zu sein. „Bis zur Haustüre zu gehen ist besser, als gar nicht zu kommen“, sagt St. Ulrichs Altbürgermeister Johann Aigner, der seit vielen Jahren als Seniorenbund-Obmann in Steyr-Land fungiert und dort die 21 Ortsgruppen koordiniert. 187 neue Mitglieder konnten in Steyr-Land im Jahr 2021 begrüßt werden, in Weyer war der Zuwachs mit 31 neuen Mitgliedern am größten.
Pflege hat Priorität
Als wichtigstes Thema in der Seniorenvertretung sieht Aigner die Sicherung des Pflegesystems. „Eine Verbesserung des Personalschlüssels in Alten- und Pflegeheimen sowie mehr Unterstützung für pflegende Angehörige sind zwingend notwendig, um den Senioren im Falle einer Pflegebedürftigkeit eine angemessene Betreuung zu ermöglichen – und das über Bezirksgrenzen hinweg“, stellt der SB-Obmann von Steyr-Land klar. „Obwohl Mängel schon vor Corona sichtbar waren, wurde diese durch die Pandemie noch weiter verstärkt.“ Auf Bundesebene müsse man der Pflege laut Aigner mehr Bedeutung beimessen. Er fordert von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) eine rasche Umsetzung der Pflegereform.
Neue Angebote
Die Seniorenbund-Ortsgruppe Steyr konnte im Vorjahr 25 neue Mitglieder gewinnen. „Wir sind froh, dass wir trotz Corona im Kleinen agieren können“, sagt Obfrau Ursula Voglsam. Dennoch sei der anhaltende Mangel an Sozialen Kontakten das bestimmende Thema bei der Generation 60+. Für heuer plant man wieder verstärkt mit Veranstaltungen und Reisen, zudem setzt man auf neue Angebote. So gibt es in der Seniorenbund-Geschäftsstelle in Steyr (Redtenbachergasse 4) jeden Montag von 9 bis 11 Uhr ein Plaudercafé. „Man kann Sorgen und Nöte herantragen. Es geht dabei um Themen wie Pflege, Zuschüsse oder auch die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen“, erklärt Voglsam. Jeden Mittwoch wird zusätzlich von 9 bis 11 Uhr ein Internetcafé angeboten.
Kontakt Seniorenbund Steyr: Tel. 07252/53645


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