Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

„Fräulein Vilma und ihr Josef“: Lebenswelten aus zwei Jahrhunderten als Buch

Angelika Hollnbuchner, 09.02.2022 09:00

STEYR. Josef Stockingers neues Buch bietet Geschichtsinteressierten eine Eintrittspforte in den Stammbaum und die Lebenswelten zweier Liebender der Nachkriegszeit. 

Neuerscheinung Historiker Josef Stockinger ist der jüngste Sohn von Vilma und Josef Stockinger. (Foto: Katharina Höfler)

Als Familienbuch geplant, keimte in Historiker Josef Stockinger zum 100. Geburtstag seiner Mutter Vilma bzw. dem 50. Todesjahr seines Vaters die Idee, beider Leben zu rekonstruieren. Und damit Einblick zu geben in die Gefühlswelt und die Alltagsbewältigung von Menschen ihrer Zeit. Der Titel „Fräulein Vilma und ihr Josef“ verarbeitet achtzehn Frontbriefe des Steyrers Josef Stockinger an seine Eltern, verfasst während des Zweiten Weltkrieges, zudem einen ausführlichen Briefwechsel von Josef mit seiner künftigen Ehefrau ab dem Kriegsende.

„Wir fanden die Briefkonvolute 2008, als meine Mutter ins Pflegeheim übersiedeln musste. Sie inspirierten mich dazu, mich mit meiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen“, erklärt Wissenschaftler Stockinger. Indem er bis ins 18. Jahrhundert auf Spurensuche seiner biografischen Wurzeln geht, rollt der Steyrer vor seinen Lesern das ungeschminkte Porträt einer Gesellschaft aus, die im Großen wie im Kleinen ihre schicksalhaften Kämpfe und Mühen auszutragen hatte.

Zeit, die prägt

Eine Miniatur von Steyr in der Zwischenkriegszeit und die Schilderung des „Kosmos von Groß-Wien“ in der Zeit der NS-Diktatur verbinden sich mit Berichten zur materiellen Not der Menschen, einer Nachkriegsromanze, der damaligen Literatur- und Musikwelt oder auch Fragen zu Weltanschauung und Religion. Der Rückblick aus humanistischer Weltsicht ist mit vielen Privatfotos, persönlichen Dokumenten und Aquarellen ausgeschmückt.

Reflektierte Herkunft

Die Entstehung der zwölf Kapitel dauerte vier Jahre. „Für mich ergab sich dabei die Möglichkeit, meine Eltern – insbesondere meinen Vater, den ich nur bis zu meinem 10. Lebensjahr kannte – besser kennenzulernen. Eine Fachärztin für Psychiatrie unterstützte mich dabei, für das Buch eine Charaktereinschätzung meines Vaters auf Grundlage der Briefe zu machen“, so Stockinger.

Geschichte im Blick

Der 1961 geborene Autor wirkte als promovierter Historiker und Politologe an der Konzeption und dem Aufbau der Landesausstellung 1987 in Steyr mit, anschließend leitete er das Forschungsprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur „Erwachsenenbildung in Oberösterreich“. Seit 1988 ist er in der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie in der beruflichen Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen tätig. Zudem ist er u. a. Herausgeber des Sammelbands „Zeit die prägt“ zur Steyrer Sozialgeschichte (2011) und Gründungsmitglied des Mauthausen Komitees Steyr.

Buchpräsentation: 25. März 19.30 Uhr, Museum Arbeitswelt in Steyr, Eintritt frei


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden