Leserbrief: Westspange frisst Landschaft
STEYR. Ab 2026 könnte laut Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) die 4,1 Kilometer lange Steyrer Westspange tatsächlich gebaut werden. Landschaftsplaner Markus Kumpfmüller warnt in seinem Leserbrief vor einer „vollständigen Zerstörung“ der Landschaft.

Die Politiker von Stadt und Land meinen es gut mit uns. Sie wollen uns eine ordentliche Traniststrecke am Nordrand der Stadt schenken – rund einen halben Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Für die richtig großen Brummer, die den Fortschritt vom Norden in den Süden Europas bringen und umgekehrt. Das ist sicher gut gemeint von ihnen. Aber die Sache hat einen Haken. Dieser Haken heißt Landschaftsverbrauch.
Mit dieser Straße würde der Landschaftsraum zwischen dem jetzigen Siedlungsraum und der nördlichen Stadtgrenze in einem Ausmaß verändert, der einer vollständigen Zerstörung gleichkommt. Diese Zerstörung wäre nachhaltig: Sie wird auch für spätere Generationen kaum mehr rückgängig zu machen sein. Denn die Errichtung der Trasse würde eine Reihe weiterer Landschaftsveränderungen nach sich ziehen, über die niemand von den Befürwortern spricht:
Die Bewohner der angrenzenden Siedlungen verlieren ihre Naherholungsgebiete, wo sie jetzt spazieren und joggen gehen, wo Jugendliche ihre ersten Streifzüge machen. Werden sie dann mit ihren Autos und Mopeds nach Molln, in die Steyrer Au oder auf den Damberg fahren und damit neuen Verkehr produzieren?
Das Landschaftsbild wird massiv verändert. Der Blick von der Stadteinfahrt über die Stadt auf die Laurenzikapelle, den Damberg und in die Kalkalpen würde verstellt von einem breiten Band aus Verkehrsflächen und Gewerbeobjekten – überdimensionale Schuhschachteln mit Kunststofffassaden am Tag und Leuchtreklamen in der Nacht.
Der Landwirtschaft würde allein durch die Errichtung der Transittrasse eine Fläche von etwa 20 Hektar entzogen. Ein bisschen mehr als die Waldfläche, die vor einigen Wochen in Ohlsdorf gerodet wurde. Eine Fläche, auf der 14 Millionen Kilo Weizen nicht mehr produziert werden können. Eine Fläche, in die der Steyrer Schlosspark locker drei Mal hineinpassen würde.
An die machthabenden Volksvertreter von Steyr: Wollen Sie das wirklich ihren Kindern und Kindeskindern gegenüber verantworten?
An die Bewohner der Löwengutsiedlung, der Gründbergsiedlung, von Gleink: Wollen Sie wirklich kampflos zusehen, wie ihre Grundstücke entwertet werden?
von Markus Kumpfmüller, Landschaftsplaner, Steyr


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