Steyrer hilft in der Ukraine: „Dieser Krieg ist einfach furchtbar“
STEYR. Drei Mal im Jahr fährt Josef Scheiblehner in die Ukraine, um sich dort insbesondere für Kinder ohne familiäre Obhut zu engagieren. Der gewaltsame Einfall der Russen bereitet dem Steyrer freilich viele Sorgen.

„Dieser Krieg ist einfach furchtbar“, sagt Josef Scheiblehner kopfschüttelnd. Seit 20 Jahren betreut der in Großraming aufgewachsene Steyrer rund 100 Waisenkinder und ein Landkrankenhaus im 8.000-Einwohner-Ort Welykyj Beresnyj, 45 Kilometer nördlich der westukrainischen Stadt Uschhorod. Erst im Jänner war der 73-Jährige dort, um die alljährliche Weihnachtsfeier mit Päckchen für rund 200 Kinder – davon 50 schwerstbehinderte – nachzuholen. Niemand ahnte da noch, was dem Land gut einen Monat später bevorstehen würde.
„Es war Schicksal“
Beim Nachtdienst an Silvester 2001 reifte im früheren Garstner Justizwachebeamten der Wunsch, etwas für Menschen in ärmeren Ländern zu tun. Erst dachte er an Straßenkinder in Rumänien, eine Fernsehsendung brachte ihn auf die Ukraine. „Ich glaube, es war Schicksal“, blickt er heute zurück. Über die Caritas besichtigte der Steyrer im März 2002 erste Waisenhäuser. Im September brachte Scheiblehner, der seither von Freunden und seiner Frau tatkräftig unterstützt wird, mit zwei Bussen die ersten Warenspenden in die Westukraine.
Dass alles ankommt, wo es soll, stellt der Steyrer selbst sicher. Eine wichtige Vertrauensperson in Beresnyj hat er zudem in Schulleiterin und Dolmetscherin Mariana: „Sie spricht perfekt Deutsch und man könnte ihr eine Million anvertrauen – sie würde dafür sorgen, dass jeder Cent an die Ärmsten geht.“
Unbeschwerte Tage
Seit acht Jahren holt Scheiblehner auch jedes Jahr im Sommer 20 Kinder nach Österreich bzw. Steyr, um ihnen eine unbeschwerte Woche zu ermöglichen. Der Rotary Club übernahm zuletzt die Finanzierung. Ob es die politische Situation heuer erlaubt, steht in den Sternen. Überdies brachte Scheiblehner bereits Kinder für medizinische Hilfe nach Österreich. Ein Kind mit der Autoimmunerkrankung Lupus sei dank Therapie heute eine glückliche junge Erwachsene. Einem fast tauben Mädchen mit großer malerischer Begabung gaben Hörgeräte aus Linz die Lebensfreude zurück.
„Katastrophal“
Die Situation in den ukrainischen Krankenhäusern speziell am Land war laut Scheiblehner schon vor dem Krieg „katastrophal“. In jenem Spital, das der Steyrer betreut, tauschte Scheiblehner etwa bereits 50 völlig verrostete Matratzen auf der Kinderstation aus, sorgte dafür, dass es nicht mehr durchs Dach regnet und erneuerte den Krankenhaus-Ofen, als nicht mehr für die Patienten gekocht werden konnte.
Teurer Alltag
„Ein Primar im Krankenhaus verdient monatlich 340 Euro, ein Rentner bezieht etwa 80 Euro“, erzählt Scheiblehner, womit die Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Preise im Supermarkt seien zum Teil nur geringfügig niedriger als in Österreich, teures Schweinefleisch kommt selten auf den Teller. Mit dem Krieg steigen die Preise weiter.
„Besondere Gastfreundschaft“
Trotz all dem könne sich Scheiblehner kaum eine gastfreundlichere Bevölkerung vorstellen. „Ich habe meinen 70. Geburtstag in der Ukraine gefeiert. Die Leute brachten an die zehn Torten. So eine Feier hatte ich bis dahin noch nie erlebt“, erinnert sich Scheiblehner gerührt.
Tränen am Telefon
Momentan telefoniert der 73-Jährige jeden dritten Tag mit Beresnyj, besonders Medikamente werden dringend gebraucht. „Es flossen schon Tränen, die Angst ist da“, berichtet er. Im 200 Kilometer entfernten Lemberg spürt man bereits das dumpfe Grollen des Krieges, täglich strömen neue Flüchtlinge in die Stadt. Die meisten lassen sich die Belastung nicht anmerken. „Die Menschen würden so gerne in ihrer Heimat bleiben“, weiß der Steyrer.
Ehrenzeichen der Stadt
Derzeit versucht Scheiblehner vor allem, Geldspenden für die Ukraine zu sammeln. Erst kürzlich hat er das Ehrenzeichen der Stadt Steyr für sein großartiges Engagement erhalten. Für die Zukunft wünscht er sich jemanden, der seine Arbeit einmal mit ähnlich viel Herzblut fortführt. „Ich wuchs bei meinen Großeltern im Ennstal auf, sie haben mir eine wundervolle Kindheit bereitet. In der Ukraine möchte ich davon etwas an die Kinder weitergeben. Ich hoffe, dass das, was ich aufgebaut habe, weitergehen kann.“
Wer Josef Scheiblehners Einsatz mit Spenden unterstützen möchte, kontaktiert Tel. 0664/4147880


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