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STEYR. Jürgen Hutsteiner schildert in einem Leserbrief, warum man den Familienurlaub in Italien abgebrochen hat.

 (Foto: Hutsteiner)
(Foto: Hutsteiner)

Letzte Woche fuhr ich mit meiner Familie nach Lignano in den Urlaub, um nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder einmal ein paar erholsame Tage unbeschwert zu genießen. Kaum angekommen hörten wir, dass zum Glück ein Brand in Bibione unter Kontrolle war. Am Morgen des vierten Tages unseres Aufenthalts weckte mich mitten in der Nacht ein unangenehmer Feuergeruch aus dem Schlaf. Nach etwas Recherche im Internet erfuhren wir, dass es in Caorle brennt. An diesem Tag überlegten wir kurz, ob wir unser Kinder der Gefahr einer Rauchgasvergiftung aussetzen wollten. Wir entschieden uns zur Abreise am nächsten Morgen. An diesem Morgen wollten wir noch gemütlich frühstücken und dann den Nachhauseweg antreten. Doch als wir in der Früh aufwachten, lag ganz Lignano unter einer Rauchglocke.

Wir entschieden uns, sofort abzureisen. Beim Weg nach Hause sahen wir dann sogar in unmittelbarer Nähe einen Waldrand, der gerade von einem Hubschrauber gelöscht wurde. Dieser Anblick hinterließ eine noch größere Bedrücktheit in mir. Endlich wurde mir klar, wie privilegiert unsere Situation war. Wir konnten einfach unsere Sachen packen und abhauen. Was ist aber mit den Menschen, die hier leben? Die müssen jetzt wahrscheinlich wochenlang mit der schlechten Luft und der Angst leben, dass ihr Besitz oder gar ihr Leben Opfer des Feuers werden könnten. Daran will ich gar nicht denken.

Zu Hause angekommen, bin ich dankbar, dass es zum Glück die letzten Wochen öfter geregnet hat und es heuer wahrscheinlich nicht mehr gefährlich wird, dass sowas auch bei uns zu Hause passiert. Mein Wissen über die Klimakrise sagt mir aber, dass das Szenarien sind, die in wenigen Jahren auch uns treffen könnten. Das hinterlässt in mir großes Unbehagen und entfacht neuerlich das Feuer in mir, weiter für viel mehr Klimaschutz zu kämpfen und ich hoffe, dass sich viele anschließen, um mehr zu tun, als es ihre Komfortzone erlaubt.

von Jürgen Hutsteiner, Steyr


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Paul E.
Paul E.
25.07.2022 15:41

Klimaschutz mit Hausverstand

„Klimaschutz mit Hausverstand“ – „Übersetzung: Wir machen nix – außer populistischen Scheinlösungen“ (Hans Rauscher, DerStandard, 21.07.2022) Familie Hutsteiner musste ihren Familienurlaub in Italien wegen brennender Wälder, mit Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder und großer Bedrücktheit abbrechen. Uns ging es irgendwie ähnlich, allerdings in Österreich. Wir wollten „nur“ auf Kurzurlaub nach Kärnten, mussten aber bereits die Anfahrt unserer Reise wegen Zivilalarms - katastrophal über die Ufer getretene „kleine“ Bäche, mit Vermurungen von Landesstraßen und ganzen Ortsteilen, umgestürzten Bäumen, Starkregen und Hagelschlag - nach einer Irrfahrt von über 2 Stunden und 15 Km vor dem eigentlichen Ziel, gegen Mitternacht in einem fremden Hotel unterbrechen. Beide Erlebnisse zeigen die weit fortgeschrittene Klimakatastrophe – nicht nur im Süden Europas, sondern bereits direkt in unserer Heimat Österreich. Auch wir wurden in den nächsten beiden Tagen immer wieder mit Sorge aufgeschreckt, durch Gewitterwolken und Sirenenwarnungen, sogar die mittägliche Sirenenprobe am Samstagmittag ließ uns einen besorgten Blick zum Himmel richten – es waren keine schönen Gefühle. Unsere Politiker hingegen propagieren nach wie vor „Klimaschutz mit Hausverstand“ und machen - NICHTS. Allen voran die ÖVP mit ihrem Landeshauptmann von OÖ, Thomas Stelzer. Und das ist das eigentlich Bedrückende. Die von uns gewählten Politiker wollen offenbar ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und mit Weitblick gestalten, sondern nur mehr verwalten – damit alles beim Alten bleibt. Was für ein Land – Was für Politiker :-(


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