"Es ist nicht alles selbstverständlich"
STEYR. Bis vor zwei Jahren war Michael Sitter sportlich aktiv und als Kinder-Fußball-Trainer tätig. Dann erhielt er die Diagnose HSP. Die Nervenkrankheit hat das Leben des 52-Jährigen stark verändert, jammern ist aber nicht seine Sache.

Am Sportplatz des SK Amateure auf der Lauberleite findet am Samstag, 10. September, der ersten Hand-in-Hand-Cup in Steyr statt. Mit dem Erlös der Charity-Veranstaltung wird der Verein „Stopp HSP“ unterstützt. Rund 500 Fälle der Nervenkrankheit HSP sind in Österreich bekannt, in den meisten Fällen landen die Betroffenen im Rollstuhl. Michael Sitter bemerkte bei sich im Jahr 2020 körperliche Veränderungen. „Ich konnte aufeinmal nicht mehr laufen“, schildert der Steyrer, der bis dahin als begeisterter Kinder-Fußball-Trainer beim Atsv Stein und dem SK Amateure tätig war. Das geliebte Hobby musste er aufgeben, erst nach einem Ärzte-Marathon stand im August 2020 die Diagnose HSP fest. „Bei dieser Krankheit geht es steil bergab, das Gehen wird immer schwieriger“, erzählt Sitter. „Ich habe das Glück, dass ich im Krankenhaus Steyr mit Robert Timischl einen Neurologen habe, der mich in dieser Sache gut begleitet. Andere kämpfen oft zehn Jahre bis zur Diagnose, weil es so schwierig ist, die Krankheit zu erkennen.“
Haus umgebaut
Dank der Unterstützung seiner Familie hat Sitter den Schicksalsschlag gut verarbeitet, richtet den Blick nach vorne. „Ich bin ein Kämpfer, lasse mich nicht unterkriegen und muss jetzt das Beste daraus machen.“ Das Haus in Münichholz wurde von seinen Angehörigen behindertengerecht umgestaltet, während er sich einen Monat auf Reha befand. „Das Kochen ist meine Leidenschaft, das kann ich jetzt wieder machen. Sollte der Tag X mit dem Rollstuhl kommen, sind wir gewappnet.“ Seinen Beruf als Außendienstmitarbeiter kann Michael Sitter nicht mehr ausüben, er ist mittlerweile in Berufsunfähigkeitspension. „Es ist nicht alles selbstverständlich, viele schätzen nicht, wie gut es ihnen eigentlich geht und welch gutes Gesundheitssystem wir in Österreich haben“, sagt der Steyrer, der selbst etwas tun will und deshalb ein Charity-Fußball-Turnier auf die Beine gestellt hat. Die Planungen dafür begannen schon vor neun Monaten. Angetrieben hat ihn dabei ein Zitat von Hermann Hesse: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“
Rapid kommt
Gespielt wird auf Kleinfeld am Samstag ab 13 Uhr nach den Special-Olympics-Fußballregeln. Viele Bundesliga-Klubs, darunter Rapid, Austria und Sturm Graz, schicken ihre Special-Needs-Teams nach Steyr. Am Rasen werden sich rund 100 Kicker matchen, die mentale oder körperliche Beeinträchtigungen haben. Schon am Vormittag gibt es auf der Lauberleite Jugendturniere für U7, U8, U10 und U11. Hüpfburg, Fußball-Dart und Torschuss-Geschwindigkeitsmessung sorgen zusätzlich für Unterhaltung. „Wir sind schon gespannt wie der Zuspruch sein wird, wir hoffen auf viele Zuschauer“, sagt Sitter. Der Eintritt ist frei.
Teilnehmer Hand-in-Hand-Cup: Admira Wacker, Austria Wien, Blau-Weiß Linz, GAK, Krems-Wachau, Pötzleinsdorf, Rapid Wien, SKN St. Pölten, Sturm Graz, Vienna
Spendenkonto: IBAN: AT20 3411 4000 0042 4101; Kennwort: Hand-in-Hand-Cup


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