Gedenken an die NS-Opfer im Ennstal
GROSSRAMING. Das Katholische Bildungswerk pflegt seit 2020 die „Gedenkkultur“ im Ort mit einem jährlichen Programm. Es schließt eine Lücke des Erinnerns zwischen Weyer und Steyr.

Die „Gedenkkultur“ der beiden Vorjahre war den Opfern der NS-Diktatur gewidmet. Bis zu 1.000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter aus Spanien, Jugoslawien, Tschechien, Ungarn, Deutschland und viele Juden wurden beim Kraftwerksbau, bei den großen Straßen-und Brückenbauten in Großraming und beim Todesmarsch durchs Ennstal erschlagen, erschossen oder durch Schwerarbeit und Hunger ermordet und in die Enns geworfen.
2023 wird auf die Helden dieser Zeit geschaut: Frauen und Männer, die unter Einsatz ihres Lebens Widerstand leisteten. Nur wenige hatten so großen Mut wie etwa Franz Jägerstätter, der den Kriegsdienst als Christ verweigerte und dafür hingerichtet wurde. Oder die Bauernfamilie Langthaler aus Gusen bei Mauthausen, die bei der sogenannten Hasenjagd, bei der ausgebrochene russische KZ-Häftlinge gehetzt und erschossen wurden, nicht mitmachte, sondern christlichem Selbstverständnis einige Häftlinge versteckte. Ähnliches wird von einer Bauernfamilie in Weyer berichtet, die todgeweihte Juden beim Todesmarsch 1945 in ihr Haus aufnahm und rettete. Ines Bernt-Koppensteiner schreibt in ihrem Buch ,,nirgendwohin“ von Frauen und Kindern im Ennstal, die den ausgehungerten Juden beim Todesmarsch Essen zuwarfen. Auch das war verboten und mit Verhaftung und Tod bedroht.
Programm 2023
Nach der Lesung von Erich Hackl am Freitag, 5. Mai, um 19.30 Uhr in der Landesmusikschule gibt es heuer noch zwei Termine der Gedenkkultur Großraming: Am 15. Oktober eröffnet die Ausstellung „Menschenbilder“ im Nationalpark-Besucherzentrum, am 10. November wird in der Landesmusikschule Großraming der Film „Irene Harand - ihr Kampf gegen Hitler“ gezeigt. Zu Gast ist Regisseur Andreas Gruber.


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