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Zwischen Schwebebalken und Bodybuilding: Bad Haller Sportlehrerin im Gespräch

Online Redaktion, 28.05.2026 11:58

BAD HALL. Im Fach KreativKarussell interviewten die Schüler der 3. Klassen der MS Bad Hall die sportbegeisterte Lehrerin Julia Lackinger. Die zweifache Mutter hatte schon als kleines Kind eine große Leidenschaft fürs Turnen. Heute unterrichtet sie an der MS Bad Hall und ist Nachwuchstrainerin im hiesigen Turnverein.

Schüler interviewten ihre Lehrerin Julia Lackinger (rechts). (Foto: MS Bad Hall)
Schüler interviewten ihre Lehrerin Julia Lackinger (rechts). (Foto: MS Bad Hall)

Wie alt waren Sie, als Sie mit dem Turnen begonnen haben?

Julia Lackinger: Meine Mama hat mich schon früh zum Eltern-Kind-Turnen mitgenommen.  Das heißt, ich habe an meine ersten Turnhallen-Erfahrungen überhaupt keine Erinnerung, weil ich so klein war. Seitdem bin ich also im Turnverein. Dann ist es weitergegangen mit dem Kleinkinderturnen. Später bin ich in die Leistungsriege gekommen und mit 14 habe ich meine erste Turnriege übernommen.

Was gefällt Ihnen besonders an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? 

Julia Lackinger: Dass es jeden Tag eine neue Herausforderung ist. Jedes Kind, jeder Jugendliche ist verschieden, jeder bringt seine eigenen Talente mit, jeder ist ein bisschen anders und hat natürlich auch seine Persönlichkeit. Und ich lerne die Kinder gerade in der Turnhalle oft sehr gut kennen. Wenn wir dann fortfahren auf Trainingslager oder Turnfeste, dann lernen sie auch mich privat kennen. So entstehen tolle Beziehungen, die auch wirklich lange halten. 

Was ist für Sie das Tolle am Turnen? 

Julia Lackinger: Die Vielseitigkeit. Langweilig wird es jedenfalls nicht, weil wir bei den Mädchen im Kunstturnen vier Wettkampfgeräte haben, im Turn10 sogar fünf. Und es sind halt so viele verschiedene Komponenten gefordert. Du musst hängen, schwingen, rollen, stützen können. Sowohl Kraft als auch Beweglichkeit sind gefordert. Auf einem gewissen Niveau im Turnen braucht es auch Konzentration im Training. Es fasziniert mich, was schon bei Fünfjährigen weitergeht und was die schaffen können.

Was gehört zum Turnen dazu und welche Disziplinen machen Sie? 

Julia Lackinger: Hauptsächlich trainiere ich Mädels. Sie turnen im Kunstturnprogramm am Stufenbarren, Balken, Boden und Sprung. Dort machen sie verschiedene Elemente. Im Turn10 werden noch zusätzlich Sprünge am Minitrampolin im Wettkampf gezeigt.

Besonders beeindruckend finde ich den Schwebebalken. Der ist zehn Zentimeter breit und je nach Altersstufe auf 1,10 m oder 1,25 m Höhe. Teilweise werden darauf auch Salti geturnt oder Drehungen und natürlich Sprünge wie Spagatsprünge.

Wie alt sind denn die Turner, die Sie trainieren?

Julia Lackinger: In meinen Riegen starten die Mädchen meist mit 4 bis 6 Jahren. Im Turnverein starten unsrer Jüngsten im Eltern-Kind-Turnen, wo sie noch begleitet werden. Sobald sie laufen können, huschen sie bei uns in der Halle mit ihren Eltern oder den Großeltern herum. Dann geht es weiter mit dem Kleinkinderturnen bis hin zu den Senioren. Unsere älteste Turnerin ist über 90 Jahre alt. Turnen ist ein Sport für alle Generationen!

Wie kam es dazu, dass Sie Sportlehrerin wurden? 

Julia Lackinger: Das war für mich ein großes Glück! 2017 habe ich meine Instruktorausbildung für Kunstturnen an der Bundessportakademie Linz abgeschlossen. Man spricht auch von der B-Trainer-Lizenz im Turnen. Somit war ich berechtigt, in einer Mittelschule Sport zu unterrichten. Aber zunächst habe ich hier ja als Schulassistentin gearbeitet, bis es nur mehr wenige Stunden dafür gab.

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen, um als Trainerin und Sportlehrerin zu arbeiten?

Julia Lackinger: Du musst gerne und gut mit Kindern üben können. Es darf dich nicht stressen, wenn es mal ein bisschen lauter ist in der Turnhalle. Du solltest ein Turnjahr planen können, also brauchst du planerische Fähigkeiten und organisatorisches Geschick. Du überlegst dir, genauso wie der Mathelehrer, im Vorfeld, was du im Unterricht bzw. Training machst.

Wir Trainer müssen zudem regelmäßige Fortbildungen besuchen, damit wir die Berechtigung, Kinder zu betreuen, nicht verlieren. Natürlich schadet es nicht, ein gewisses Verständnis für Turngeräte und -elemente mitzubringen. Das heißt, ein Auge dafür zu haben, wie ein Rad ausschauen sollte, zum Beispiel.

Erzählen sie uns bitte von Ihrer Bodybuilder-Karriere.

Julia Lackinger: 2019 habe mit meinem Mann begonnen, Krafttraining zu machen, regelmäßig zu trainieren.  Durch Zufall bin ich schließlich zum Wettkampf Bodybuilding gekommen. Und so begann ich mit der Wettkampfvorbereitung, die bei mir etwa 20 Wochen dauerte. Und Wettkampfvorbereitung heißt auch, nach strengem Diätplan zu essen, ausreichend zu schlafen und natürlich zu trainieren. Alles wurde organisiert, vorbereitet und abgewogen. Ich würde schon ganz gerne Krafttraining wieder in den Fokus rücken, aber aktuell komme ich leider nicht dazu.

Wie ging es weiter mit Ihrer Bodybuilder-Karriere?

Julia Lackinger: Im ersten Jahr lief alles sehr gut aber in unserer zweiten Wettkampfsaison kam die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen. Aber zum Glück durften wir mit einer Spitzensportfreigabe dennoch trainieren und reisen und so kam ich wieder bis zur Europameisterschaft der NABBA und ich konnte mir sogar den Titel auch im zweiten Jahr wiederholen. Ich war auch beim Mr. und Miss Universe-Wettkampf in England, der einer der ältesten Bodybuilding Wettkämpfe ist.

Welche Aufgaben übernehmen Sie noch im Turnverein?

Julia Lackinger: Seit nunmehr drei Jahren bin ich Turnwartin des ÖTB Turnvereins Bad Hall. Dabei arbeite ich im Team mit allen Vorturnern und Vereinsverantwortlichen. Ich organisiere Trainingslager und Trainingstage, erstelle mit Hilfe der Vorturner den Turnstundenplan und leite das jährliche Schauturnen.

Im Turn10 und im Kunstturnen bin ich Wertungsrichterin. Aber auch weniger sportliche Dinge fallen in meinen Aufgabenbereich, wie das Bitten um Kuchenspenden für Buffets bei diversen Vereinsveranstaltungen. Die Organisation liegt bei mir, aber ich bin dankbar dafür, dass wir so viele fleißige Mitglieder haben, die uns unterstützen.

Wie schaut es generell und speziell in Bad Hall mit dem Nachwuchs im Turnen aus? Liegt Ihrer Einschätzung nach dieser Sport im Trend?

Julia Lackinger: Ja, und ich habe das Gefühl, dass es niemals richtig abgerissen ist in den letzten 23 Jahren, seit ich als Vorturnerin aktiv bin. Die Nachfrage ist groß und die Wartelisten lang. Spätestens im Oktober sind bei uns alle Kurse fürs kommende Schuljahr ausgebucht, sodass wir oft Kinder ablehnen müssen, was mich sehr traurig macht. Ich möchte ja jedem die Möglichkeit geben, mit diesem wunderbaren Sport anzufangen.


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