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Online Redaktion, 04.07.2026 11:56

BAD HALL/WALDNEUKIRCHEN. Monika Hartl leitet gemeinsam mit ihrem Bruder einen Familienbetrieb im Anlagen- und Stahlbau in Waldneukirchen. Den 3. Klassen der MS Bad Hall erzählte sie von ihrem Weg zur Geschäftsführung bei Hartl Metall. 

Monika Hartl mit Schülern der 3. Klasse der MS Bad Hall. (Foto: privat)
  1 / 2   Monika Hartl mit Schülern der 3. Klasse der MS Bad Hall. (Foto: privat)

Wie kam es dazu, dass Sie vor 15 Jahren den Betrieb Ihrer Eltern übernommen haben?

Monika Hartl: Es war nie geplant, dass ich einmal die Firma übernehme, da hatte der Zufall seine Finger mit im Spiel. Als es dann aber um die Übernahme ging, war es schon eine bewusste Entscheidung. Mein Bruder und ich hatten zuvor schon zusammengearbeitet, schließlich haben wir die Geschäftsführung übernommen. Dass ich schon immer ein Naheverhältnis zum Betrieb hatte, ist klar. Ich bin da quasi aufgewachsen und habe als Kind viel Zeit in der Firma verbracht.

Sie sind mit 13 Mitarbeitern gestartet, mittlerweile führen Sie 40. Hätten Sie damals geglaubt, so stark zu wachsen?

Monika Hartl: Mittlerweile sind wir sogar schon 50 Personen. Damals hätte ich nicht gedacht, dass wir einmal so viele Menschen beschäftigen können. Schon am alten Standort in Waldneukirchen haben wir auf 35 Mitarbeiter aufgestockt. Bald haben wir gemerkt, dort wird es uns zu klein. Es gab im Ortszentrum keine Möglichkeit zu erweitern. Durch den Neubau außerhalb des Ortes haben wir viel mehr Platz, so ist dieses natürliche Wachstum entstanden.

Was sind oder waren Ihre größten Projekte im Anlagen- und Stahlbau? Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Monika Hartl: Mir persönlich bleiben jene Projekte gerne in Erinnerung, für die das gesamte Team, egal ob Lehrling, Facharbeiter, Führungskraft oder Verwaltungsmitarbeiter, zusammenarbeitet. Da ist jeder mit Begeisterung dabei. Das werden dann wirklich tolle Projekte. Eines unserer Steckenpferde ist der Brückenbau. Keine Autobahnbrücken, aber Fuß- und Radfahrerbrücken beispielsweise. Ein wichtiges Projekt war die Brücke von Grünburg nach Steinbach über die Steyr mit einer Länge von 54 Metern.

In Steyr haben wir die Aussichtsplattform am Tabor gebaut, von wo aus man eine hervorragende Sicht über die Stadt hat. Beim Museum Arbeitswelt haben wir den Steg um das Gebäude verwirklicht, der quasi über dem Wasser schwebt. Die Montage mussten wir vom Floß aus abwickeln.

Es ist nicht immer nur der Auftragswert, der hinter so einem Projekt steht, sondern eigentlich die Geschichte rundherum, die einen Auftrag erst interessant macht.

Sie haben wahrscheinlich viel Stress in der Arbeit. Was machen Sie in ihrer Freizeit zum Ausgleich?

Monika Hartl: Sport in unterschiedlichen Formen. So spiele ich gerne Tennis oder gehe laufen, auch Krafttraining darf nicht fehlen. Unser neues Fitnessstudio im Ort bietet sich hierfür super an. Wenn ich Zeit finde, lese ich oder betätige mich kreativ, etwa mit Handlettering. Zwar bin ich im Malen gar nicht so begabt, doch es hat etwas sehr Meditatives, nur mit Papier und Stiften zu arbeiten.  

Wie teilen sich ihr Bruder und Sie die Arbeit auf?

Monika Hartl: Mein Bruder verantwortet den technischen und operativen Part. Er ist draußen beim Kunden, kalkuliert, führt Verkaufsverhandlungen und kümmert sich darum, dass wir Aufträge an Land ziehen. Die Technik ist seins, während ich für Finanzen und Personal, die Verwaltung, zuständig bin. Natürlich gibt es bestimmte Themen auf Geschäftsführungsebene, die wir gemeinsam bearbeiten. Gewisse Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Ich glaube, es ist schon wichtig, dass jeder seinen Bereich hat.

Haben Sie als leitende Frau in einem technischen Betrieb mit besonderen Herausforderungen zu tun? Erleben Sie auch Nachteile, weil Sie eine Frau sind?

Monika Hartl: Richtige Nachteile, muss ich sagen, habe ich bisher nicht erfahren. Es gibt eher Vorurteile oder Klischees, besonders von Außenstehenden. Gerade als ich frisch in die Firma kam, passierte es mir schon manchmal, dass man mich um den Kaffee schickte. Da war ich aber noch sehr jung und natürlich kann es für jemand Außenstehenden ungewöhnlich sein, wenn in einem Technikbüro eine junge Frau sitzt. Bei uns richten aber selbstverständlich auch männliche Mitarbeiter Kaffee her (schmunzelt).

Ich glaube, als Frau in der Technik darf man sich nicht verbergen. Es ist wichtig Mut zu zeigen, für seine Ansichten einzustehen und zu seinen Entscheidungen zu stehen, die sich schon von jenen der Männer unterscheiden können. Ich finde, diese Geschlechtervielfalt ist eine echte Bereicherung für jeden technischen Betrieb.

Was macht sie als Arbeitgeber attraktiv? Warum sollten junge Leute bei ihnen eine Lehrstelle beginnen? 

Monika Hartl: Ich denke, ein großer Vorteil ist, dass wir als Familienbetrieb noch relativ klein sind, sodass jeder jeden kennt. Vom ersten Tag der Ausbildung arbeitet man an realen Aufträgen. Wir haben keine klassische Lehrwerkstätte, in der Lehrlinge erstmal üben, bevor sie in die richtige Produktion kommen. Bei uns übernehmen junge Menschen sofort Verantwortung, anfangs natürlich eher für kleinere Werkstücke. Man hat gleich mal ein Kundenprodukt in der Hand.

Uns ist wichtig, unsere Mitarbeiter zu unterstützen, zum Beispiel, wenn sich jemand in der Berufsschule schwerer tut. Oder wenn du das Gefühl hast, in einem Bereich noch mehr Praxis zu benötigen, dann kann unser Lehrlingsausbildner darauf individuell eingehen. Wir bieten viele Entwicklungsmöglichkeiten, etwa wenn man sich auf einen Bereich spezialisieren möchte, dann kann man bei uns Zusatzausbildungen absolvieren.

Welche Entscheidung war als Geschäftsführerin besonders herausfordernd und was haben Sie daraus gelernt?

Monika Hartl: Die Frage, ob wir neu bauen sollen, hat uns jahrelang beschäftigt. Es ist doch eine riesige Investition. Auch personelle Entscheidungen können herausfordernd sein. Wenn es im Team Probleme gibt, muss man sich manchmal von Mitarbeitern trennen. Das sind für mich persönlich immer harte Entscheidungen, weil immer persönliche Schicksale dahinterstehen. Mein Learning daraus? Entscheidungen nicht zu treffen, ist eigentlich immer die schlechteste Option für ein Unternehmen. Man muss mutig sein und sich Dinge zutrauen. Das geht einfacher, wenn man ein Team hinter sich hat, das einen Rückhalt bietet.

Das Gespräch fand im Fach KreativKarussell mit dem Schwerpunkt Journalismus (Lehrerin Susanne Sonnleitner) statt.


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