Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

STEYR. Annemarie Neudorfer (73) engagiert sich seit 25 Jahren im Mobilen Hospizteam der Caritas in Steyr und Steyr-Land.

Annemarie Neudorfer (rechts) mit Ottilie Steiner (Foto: Caritas)
  1 / 2   Annemarie Neudorfer (rechts) mit Ottilie Steiner (Foto: Caritas)

„Da sein, Abwechslung und Freude in den Alltag bringen, beim Leben begleiten – das sind unsere Aufgaben“, erklärt die lebenslustige Frau. Dabei werde sie mindestens genauso beschenkt wie die Menschen, die sie besucht. Menschen wie Ottilie Steiner (87) aus Gleink.

Prägendes Erlebnis 

1999 musste sich Annemarie Neudorfer drei Schädeloperationen unterziehen. Danach lag sie unbeweglich im Krankenhausbett und bemerkte, dass ihre Zimmernachbarin im Sterben lag. Sie klingelte nach dem Personal, das sie selbst daraufhin mit ihrem Bett aus dem Zimmer schob.

„Da dachte ich mir: ‚Das kann doch nicht sein, dass jemand alleine sterben muss. Wenn ich wieder gesund werde, dann werde ich mich hier engagieren.‘“

Ein Jahr später absolvierte sie neben ihrem Beruf als radiologische Assistentin den Grundkurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung der Caritas in Linz. „Das hat mir persönlich sehr viel gegeben“, erinnert sich die heute 73-Jährige.

Gleich nach dem Kurs begann sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Mobilen Hospizteam der Caritas in Steyr und Steyr-Land. Auch nach einem Vierteljahrhundert erfüllt sie ihr Engagement mit Begeisterung: „Die Freude kehrt dabei ins eigene Herz zurück.“

„Am Montag geht es mir immer gut“

Jeden Montag freut sich Neudorfer auf den rund zweistündigen Besuch bei Ottilie Steiner. Wenn das Wetter passt, gehen die beiden gemeinsam eine Runde spazieren, denn die 87-Jährige verlässt wegen ihrem Schwindel und der Sturzgefahr nicht mehr alleine das Haus.

Wenn das Wetter nicht zum Spaziergang einlädt, spielen sie Karten, trinken Kaffee und reden. „An einem Montag geht es mir immer gut, weil ich immer diesen fixen Besuch habe“, sagt Ottilie Steiner.

Der Schmäh läuft zwischen den beiden: „Die Hitze der vergangenen Wochen war schlimm – da sind wir nicht spazieren gewesen – da wären wir gestorben“, bemerkt Annemarie Neudorfer. Ottilie Steiner ergänzt augenzwinkernd: „Da würden wir heute nicht mehr hier sitzen.“ Und beide lachen.

Symptome lindern

Dass Ottilie Steiners Tochter das Mobile Hospiz Palliative Care der Caritas um Unterstützung bat, hat einen ernsten Hintergrund.

Nach einer Krebsdiagnose musste Ottilie Steiner vier Chemotherapiezyklen über sich ergehen lassen. Die letzten beiden setzten ihr besonders zu. Deshalb kam Caritas-Mitarbeiterin Jovita Hall vom Mobilen Palliativteam hinzu, um Ottilie Steiner und ihre Familie zu unterstützen und Symptome zu lindern.

„Sie hat mir wirklich geholfen – auch psychisch. Ich erinnere mich noch heute, dass sie sagte: ‚Niemand weiß, wohin die Reise geht.‘ Sie ermutigte meine Kinder und mich, darüber zu reden. Diese Frau hat mir so viel gegeben, das kann ich nicht in Worte fassen.“

Nach den Chemozyklen stabilisierten sich glücklicherweise die Werte. Doch Ottilie Steiner erlitt bei einem Sturz einen schweren Bruch und war daraufhin auf einen Rollator angewiesen.

„Ein Geschenk“

„Jeden Tag bin ich den Gang im Haus auf und ab gegangen – und habe dann immer versucht, ein paar Schritte ohne Rollator zu gehen“, erinnert sich die 87-Jährige. Mit Erfolg.

Im Haus kann sie das meiste wieder selbst erledigen. Unterstützung bekommt sie von ihren drei Kindern. „Dass ich auch noch die Hochzeiten meiner Enkel sowie das Aufwachsen meiner Urenkerl erleben darf, ist ein Geschenk“, sagt Ottilie Steiner.

Seit dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren spendet ihr dieser Gedanke Trost. Trotz der regelmäßigen Besuche von ihrer Familie fühlt sie sich seither einsam. „Wir waren ja immer beisammen. Die Trauer, so einen wichtigen Menschen verloren zu haben, ist groß. Aber nun ist er mein Schutzengerl. Das gibt mir Zuversicht.“

Der Tod gehört zum Leben

Ottilie Steiner und Annemarie Neudorfer sind sich einig: Der Tod gehört zum Leben. Deshalb möchte auch die ehrenamtliche Hospizbegleiterin ihr Engagement nicht missen: „Viele sagen: ‚Das würden sie nicht können.‘ Aber wenn man Menschen liebt, ihnen offen begegnet, dann ist diese Aufgabe eine echte Bereicherung. Mit Ottilie verbindet mich mittlerweile eine Freundschaft.“

Doch nicht nur die Hospizbegleitung selbst schätzt Annemarie Neudorfer. Die Gemeinschaft der Ehrenamtlichen und die regelmäßigen Treffen sind für die Steyrerin ein wichtiger Rückhalt: „Es ist alles so herzlich und bereichernd.“

 

Information:

Wer Unterstützung durch das Mobile Hospiz- oder Palliativteam benötigt, oder wer sich im ehrenamtlichen Hospizteam engagieren möchte, kann sich unter Tel. 0676 87762488 melden.

Im Grundkurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung werden Interessierte umfassend auf ihre Aufgabe in der Hospizbegleitung vorbereitet. Die Anmeldung für den nächsten Kurs mit Beginn im Oktober ist bis 17. September möglich.

Nähere Informationen unter www.hospiz-caritas.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Keine Entwarnung beim Trinkwasser in Steyr

Keine Entwarnung beim Trinkwasser in Steyr

STEYR. Seit Mittwoch gilt für 704 Personen in Steyr und 27 in St. Ulrich ein Abkochgebot. 

Tips - total regionalRobert Hofer
Dezibel in Sierning startet neues Kapitel

Dezibel in Sierning startet neues Kapitel

SIERNING. Das Jugendzentrum Dezibel in Sierning bekommt eine neue Trägerschaft.

Tips - total regionalRobert Hofer
Trinkwasserexperten übten in Ternberg für den Ernstfall

Trinkwasserexperten übten in Ternberg für den Ernstfall

TERNBERG. Die Wasserspezialisten des Österreichischen Roten Kreuzes sind gefragte Experten auf dem Gebiet der Trinkwasseraufbereitung. Bei einer ...

Tips - total regionalRobert Hofer
Trio aus der Region Steyr war 200 Mal Blutspenden

Trio aus der Region Steyr war 200 Mal Blutspenden

REGION STEYR. Blut ist für eine umfassende medizinische Versorgung unabdingbar. In Linz wurden Menschen geehrt, die seit Jahren regelmäßig ...

Tips - total regionalRobert Hofer
Riegler und Huber sind Regionalsprecher in der Pyhrn-Eisenwurzen

Riegler und Huber sind Regionalsprecher in der Pyhrn-Eisenwurzen

REGION STEYR-KIRCHDORF. Karin Riegler und Herbert Huber sind die neu gewählten Regionalsprecher bei der Lebenshilfe. Sie vertreten damit mehr ...

Tips - total regionalRobert Hofer
Vom Lehrling zum ÖAMTC-Stützpunktleiter in Steyr

Vom Lehrling zum ÖAMTC-Stützpunktleiter in Steyr

STEYR. Am ÖAMTC-Stützpunkt in Gleink sind 26 Menschen beschäftigt, Chef ist der erst 25-jährige Andreas Strasser.

Tips - total regionalRobert Hofer
Weitere Beiträge