Leserbrief: Tierschutz ist keine Spendenaktion
STEYR. „Berichte über die finanzielle Not der Tierrettungen in Oberösterreich zeigen ein Problem, das längst bekannt ist und trotzdem Jahr für Jahr ignoriert wird: Das Land lagert eine gesetzliche Aufgabe an Ehrenamtliche aus und lässt sie mit der Rechnung allein“, schreibt Kevin Herzig aus Steyr in seinem Leserbrief.

Wenn die Landesunterstützung bei rund fünf Prozent der Kosten liegt, dann finanziert nicht das Land den Tierschutz, sondern die Bevölkerung, und zwar über Spenden. Gerade jetzt ist das doppelt unredlich. Die Menschen werden derzeit an allen Ecken und Enden ausgenommen und gerupft wie selten zuvor: Mieten, Energie, Lebensmittel, Gebühren. Dass Spenden zurückgehen, ist keine Überraschung, sondern die logische Folge. Die Versorgung aufgefundener und abgenommener Tiere darf nicht davon abhängen, ob die Leute am Monatsende noch etwas übrig haben.
Das Tierschutzgesetz ist eindeutig: Die Behörde hat dafür zu sorgen, dass solche Tiere ordnungsgemäß untergebracht werden, und die Leistungen samt Entgelt sind vertraglich zu regeln. Das ist eine staatliche Pflicht, kein Almosen.
Was passiert, wenn das Geld fehlt, sieht man in Steyr. Dort existiert seit über einem Jahr kein Tierrettungsverein mehr. Trotzdem werden Bürger von der Behörde an eine private Handynummer verwiesen, an eine Einzelperson ohne Vereinsstruktur und ohne erkennbaren Verwahrungsvertrag. Wer haftet, wer kontrolliert, was mit den Daten der Meldenden passiert, bleibt offen. Solche Notlösungen sind kein Versagen Einzelner, sondern das Ergebnis eines Systems, das sich den Tierschutz nicht leisten will.
Ich fordere das Land Oberösterreich auf, die Fundtierversorgung und die Tierrettungen endlich kostendeckend zu finanzieren, mit klaren Verträgen, rascher Auszahlung und echter Verantwortung. Wie eine Gesellschaft mit den Schwächsten umgeht, zeigt sich auch daran, wie sie mit ihren Tieren umgeht.
von Kevin Herzig, Steyr
Meinungen in Leserbriefen müssen sich nicht mit denen der Redaktion decken.
Leserbriefe an: redaktion-steyr@tips.at








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