Quartett aus Bad Hall ist zusammen 402 Jahre alt
BAD HALL. Im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall in Bad Hall leben vier Damen, die ihren 100. Geburtstag bereits gefeiert haben

Geboren 1925 und 1926, erlebten sie Krieg, Wiederaufbau und wirtschaftlichen Aufschwung. Ihre Geschichten erzählen vom Neuanfangen, Anpacken und Füreinander-Dasein. Was ihnen damals Halt gab, zählt auch heute: Familie und Zusammenhalt.
Als Margaretha Citroni und Maria Geiblinger 1925 zur Welt kamen, führte Österreich gerade den Schilling ein. Ein Jahr später wurden Emma Zachhuber und Josefa Bresenhuber geboren. Zwischen ihren ersten Lebenstagen und ihrem heutigen Alltag liegt ein Jahrhundert voller Umbrüche.
In ihren Erinnerungen wird daraus eine ganz persönliche Geschichte: von der Kindheit mit vielen Geschwistern, von vieler harter Arbeit, die ihnen aber auch Freude machte, und von Menschen, die ihnen bis heute nahestehen.
Eines von zehn Kindern
Im Zimmer von Margaretha Citroni erzählen viele Familienbilder davon, was ihr im Leben am wichtigsten ist. Die 101-Jährige wuchs mit neun Geschwistern in Dietach auf. Später lebte sie mit ihrem Mann und den zwei Töchtern im eigenen Haus in Neuzeug, kümmerte sich um die Familie und half mit, wo sie gebraucht wurde.
Nach einem Knochenbruch kam die dreifache Oma und vierfache Uroma mit 99 Jahren ins Caritas-Seniorenwohnhaus. „Ich lese sehr gerne Zeitung und bekomme viel Besuch von der Familie.“
Auch Josefa Bresenhuber, 100 Jahre alt und Mutter von drei Söhnen, wuchs in der Umgebung von Bad Hall auf. Familie und Zusammenhalt geben auch ihr Kraft.
Mit 18 aus der Heimat vertrieben
Bei Kriegsende 1945 waren die vier Frauen erst 19 oder 20 Jahre alt. Für Emma Zachhuber und Maria Geiblinger bedeutete das auch, dass sie ihre Heimat verlassen mussten.
Emma Zachhuber wuchs mit sechs Geschwistern in Marienburg bei Kronstadt in Rumänien auf. Zwei ihrer Schwestern leben noch heute. 1944 wurde sie mit ihrer Familie nach Österreich vertrieben – mit gerade einmal 18 Jahren.
Hier hatte sie großes Glück und konnte an ihre Leidenschaft anknüpfen mit Kindern zu arbeiten. „Ich machte die evangelische Ausbildung für den Kindergarten und konnte in meinem Beruf weiterarbeiten“, erzählt sie. In jungen Jahren war sie im Turnverein aktiv, 1960 heiratete sie. Vor ihrem Einzug ins Seniorenwohnhaus Schloss Hall lebte sie im eigenen Haus, unterstützt von Freunden und Bekannten. Besuche sind auch heute ihre größte Freude.
Aus dem Böhmerwald nach Steyr
Maria Geiblinger stammt aus dem Böhmerwald im heutigen Tschechien. Auch ihre Familie musste die Heimat verlassen und kam nach Steyr. Im Böhmerwald arbeitete sie auf einem Weingut und kümmerte sich um Weinreben, Kühe und Pferde. In Österreich arbeitete sie später bei einem Weinhändler. „Die Arbeit machte mir großen Spaß“, erinnert sich die heute 101-Jährige.
Die vierfache Mutter und mehrfache Großmutter lebte bis zu ihrem 98. Lebensjahr selbstständig im mit ihrem Mann gemeinsam aufgebauten Haus in Ramingdorf. Seit drei Jahren ist das Caritas-Seniorenwohnhaus ihr Zuhause.
Was durch ein Jahrhundert trägt
Als 1955 der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wurde, waren die vier Frauen um die 30 Jahre alt. Sie erlebten den Wiederaufbau und die Jahrzehnte des wirtschaftlichen Aufschwungs. Ihr eigenes Leben prägten Familie, Fleiß, Arbeit und Verantwortung für andere. Ihr Rezept für ein langes Leben klingt bescheiden: „Anständig und treu bleiben“ oder „viel arbeiten“.
Heute fühlen sie sich im Caritas-Seniorenwohnhaus Schloss Hall gut aufgehoben. Besonders freuen sie sich über Besuche von Angehörigen, Freunden und Bekannten. Ein Gespräch, Neuigkeiten aus der Familie, Zeit miteinander: Diese gemeinsamen Momente bedeuten ihnen auch nach mehr als hundert Lebensjahren viel.








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