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STEYR. Die Luftfahrtindustrie setzt auf Leichtbau zur Gewichtseinsparung. Das verspricht höhere Reichweiten, geringeren Treibstoffverbrauch und weniger CO2-Ausstoß. Der Airbus A320 wird bereits zu einem Großteil aus Carbon gefertigt. 

Profactor entwickelt Inspektionssysteme für Kohlenstoff-Faserverbundbauteilen, die beim Flugzeug A 320 zum Einsatz kommen. Foto: Profactor

Der Einsatz dieser Leichtbauteile hat einen Haken: Die Produktion erfordert höchste Präzision und ist damit teuer. Kleinste Fehler können zum Beispiel dazu führen, dass Teile von Tragflächen im Wert von mehreren hunderttausend Euro als Ausschuss behandelt werden müssen. Hier setzt das EU-Projekt ZAero (Zero-defect manufacturing of composite parts in the aerospace industry) an. Ein automatisches Kontrollsystem soll in Echtzeit vor Fehlern im Produktionsprozess warnen. „Ziel des Projekts ist es, die Effizienz um 30 bis 50 Prozent zu steigern und höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten“, sagt Projektleiter Christian Eitzinger vom Steyrer Unternehmen Profactor.

Sieben Partner aus Industrie und Forschung

Profactor koordiniert in dem EU-Projekt sieben Partner aus Industrie und Forschung. Der Hintergrund: Mittlerweile werden sogar die Tragflächen von Flugzeugen vorwiegend aus Carbon gefertigt. Diese Bauteile werden in komplexen Ablege- und Aushärteprozessen hergestellt. Dabei mussten bislang viele Stunden in eine manuelle Kontrolle der Komponenten investiert werden. Die während des Produktionsprozess durchgeführte Inspektion verursacht stundenlange Produktionsausfallzeiten und bringt dennoch keine durchgängige Qualitätsgarantie. Im Projekt ZAero entwickelt Porfactor Methoden für ein automatisches Inline-Inspektionssystem. „Ein kontinuierliches Monitoring detektiert Fehler bereits beim Entstehen und ermöglicht damit rechtzeitige Korrekturen“, erklärt Eitzinger.

Sensoren verfolgen Aushärteprozess

Profactor entwickelt Sensoren, die in der Produktion den Ablegeprozess kontinuierlich mitverfolgen. Beim Aushärteprozess werden Sensoren direkt im Bauteil angebracht. Sie überwachen den mehrere Stunden dauernden Vorgang. „Bisher war kaum feststellbar, wie weit der Prozess des Aushärtens vorangeschritten ist,“ sagt Eitzinger. „Im schlimmsten Fall war die Qualität des Bauteils nicht ausreichend und diese mangelhaften Elemente können nicht mehr repariert werden.“ Simulationsmodelle unterstützen die Werker in der Produktion. Sie können damit den Soll-Zustand mit dem Zustand der produzierten Teile vergleichen und feststellen, ob der Bauteil für den Einsatz geeignet ist oder Korrekturmaßnahmen gesetzt werden müssen.

2020 Einsatz in der Produktion

Das Projekt läuft drei Jahre lang. Ab 2020 sollen die bis dahin entwickelten Technologien bei Airbus in den Produktionsprozess implementiert werden. Derzeit produziert das Unternehmen monatlich rund 60 Flugzeuge des Typs A320. „Wir forschen bereits seit Jahren intensiv zum Thema Leichtbau, vor allem was die automatische Qualitätskontrolle betrifft“, sagt Andreas Pichler, der technische Geschäftsführer von Profactor. „Diese Erfahrung kommt uns jetzt zugute. Die Industrie vertraut auf unsere Expertise.“

Internationalisierung im Fokus

Auch der für Forschung zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer (ÖVP) freut sich über den Erfolg des Steyrer Unternehmens. „Profactor ist nicht nur maßgeblich in die Entwicklung der neuen Technologien eingebunden, sondern koordiniert zudem das Projekt auf internationaler Ebene. Dank des steigenden internationalen Engagements oberösterreichischer Forschungseinrichtungen verzeichnet OÖ zunehmend Erfolge im Europäischen Programm für Forschung und Innovation – Horizon 2020. Seit Beginn des aktuellen EU-Programms konnte Oberösterreich 47,9 Mio Euro EU-Fördergelder ins Land holen.“ (Stand 09/2016).


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