"Zum regionalen Produkt greifen"
REGION STEYR. Ernährungsmythen wie „Milch macht krank“ oder „Milch macht dick“ setzen dem Ruf der Milch zu. Die Bäuerinnen in der Region klären bei Besuchen in allen Gemeinden, in Schulen und Kindergärten auf und bringen Kostproben mit.

Die Erwartung der Konsumenten für den billigsten Preis und die extremen Rabatte der Handelsketten bringen landwirtschaftliche Betriebe in Bedrängnis und fördern das stetige Wachsen oder Weichen der Bauernhöfe. Das kontinuierliche Wachsen wird den Landwirten häufig zum Vorwurf gemacht. „Ich möchte dazu den Handel in die Pflicht nehmen. Tagtäglich werben die Handelsketten mit naturnahen Botschaften und Bildern von blühenden Wiesen, auf der anderen Seite werden die Verkaufsflächen der Supermärkte und die Parkplätze immer größer“, sagt die Bezirksbäuerin zum Thema Bodenverbrauch.
Symbiose Landwirtschaft und Kulturlandschaft
Eine gepflegte Kulturlandschaft gibt es nur in Verbindung mit Landwirtschaft. Laut dem Bodeninformationsbericht des Landes OÖ werden 46 Prozent (ca. 550.000 Hektar) der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. 220.000 Hektar sind Grünland und weitere 40.000 Hektar Feldfutter. Durch die Bewirtschaftung des Grünlandes leisten die Milch- und Rinderbauern einen wertvollen Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft. Besonders im Berggebiet ist das mit enormen Anstrengungen verbunden, sichert aber wertvollen Erholungsraum für die gesamte Gesellschaft.
Klimafitte Milchwirtschaft
Die regionale Milchproduktion hat in puncto Klimafreundlichkeit einiges zu bieten. GVO-freie Fütterung ist bereits seit einigen Jahren verpflichtend und auf Eiweißfuttermittel aus Südamerika wird ebenfalls in der Milchproduktion verzichtet. Die Erzeugung heimischer Qualitätsmilch punktet nicht nur mit kurzen Transportwegen und hoher Klimaeffizienz, sondern verursacht pro Kilogramm Milch nur etwa ein Kilogramm CO2 (EU-Durchschnitt 1,4 Kilogramm CO2).
Gesunde Ernährung
„Es braucht keine teuren Ersatzprodukte, die oftmals aus billigen Rohstoffen hergestellt werden“, sagt Regina Aspalter. Zahlreiche Ernährungsmythen wie „Milch macht krank“ oder „Milch macht dick“ setzen dem Ruf der Milch zu. Milch und Milchprodukte enthalten viel Kalzium und sorgen für gesunde Knochen und Zähne. Das Milcheiweiß gilt als hochwertig für das Wachstum und den Muskelaufbau.
Faire Handelspraktiken
Die heimischen Bauern bemühen sich 365 Tage im Jahr um Tierwohl im Stall und Biodiversität auf ihren Wiesen und Feldern. „Diese Leistungen müssen abgegolten werden, sonst kann unsere Landwirtschaft in bekannter Form nicht weiterbestehen“, betont Aspalter. Im Sinne der Konsumenten arbeiten die heimischen Betriebe an einer stetigen Weiterentwicklung. Umweltmaßnahmen berücksichtigende Bewirtschaftungsformen und Tierwohl sind arbeitsintensiver und müssen sich in den Verkaufspreisen widerspiegeln. „Daher fordern wir für unsere Bauern neben einem klaren Bekenntnis zur österreichischen Land- und Milchwirtschaft auch faire Handelspraktiken der großen Player“, bringt es die Bezirksbäuerin auf den Punkt. „Im Kleinen haben wir bereits fruchtbare Kooperationen mit inhabergeführten Lebensmittelgeschäften, da gibt es Gespräche auf Augenhöhe“, so Aspalter. „Die Landwirtschaft kann nur bestehen, wenn Handel und Konsumenten uns weiterhin die Treue halten und zum regionalen Produkt greifen.“


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