Leserbrief: Kanzler Nehammer spricht über Normale
STEYR. Landwirt Jürgen Hutsteiner ist über die Aussagen des ÖVP-Bundeskanzlers irritiert.

Kanzler Karl Nehammer spricht über Normale und nennt Klimakleber in einem Atemzug mit Rechtsradikalen. Das irritiert mich doch einigermaßen. Ich finde die Aktionen der Letzten Generation zwar auch nicht toll, aber deren Anliegen eigentlich als viel zu wenig radikal.
Ich bin Bauer und spüre, dass sich auf unseren Feldern etwas Fürchterliches ankündigt. Die Frühjahrs- und Sommerdürren werden immer häufiger, was die Ernten schwinden lässt und die Wälder zerstören kann. Noch kann die österreichische Hagelversicherung die Schäden auf den Feldern finanziell ausgleichen, aber das wird auf Dauer die Prämien so teuer machen, dass man sich die Dürreversicherung nicht mehr leisten kann. Die Folge wird sein, dass wir auf unseren Feldern nichts mehr anbauen werden und die Lebensmittelproduktion aufgeben werden. Wahrscheinlich wäre der wirtschaftliche Schaden gar nicht so schlimm, weil die Landwirtschaft ja eh nicht so bedeutend ist. Das wird die Industrie schon ausgleichen.
Kriege um Nahrungsmittel
Oh, ich vergaß, die Klimaerwärmung ist ja ein weltweites Phänomen! Das heißt also, nicht nur in Österreich werden die Bauern weniger produzieren, auf einem Großteil unseres Planeten wird das Essen knapp. Es könnte also das neue Normal sein, dass es auf der ganzen Welt Kriege um Nahrungsmittel geben könnte. Ich will aber dieses neue Normal nicht. Ich möchte, dass wir Bauern ganz normale Ernten einfahren - und das auf der ganzen Welt.
Um dies zu erreichen, müssen wir aber radikal auf fossile Energien verzichten. Dazu braucht es eine Mobilitätswende, eine Wärmewende und eine Energiewende. Das fordere ich als Bauer von Herrn Nehammer und seiner Regierung! Ich werde mich dazu zwar nicht auf die Straße kleben, aber vielleicht können mir meine Standeskollegen helfen und andere Protestformen finden, damit es in Zukunft den Beruf des Bauern noch geben kann. Unsere Höfe zu sichern, ist nämlich in der DNA der Bauern gespeichert.
von Jürgen Hutsteiner, Bauer aus Steyr


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