Ein Selfie mit dem Staatsoberhaupt
STEYR. 2009 wurde im Museum Arbeitswelt die Politikwerkstatt eröffnet, über 15.000 Jugendliche wurde seither bei Workshops in Steyr begleitet. Bundespräsident Alexander Van der Bellen feierte beim Jubiläum mit.

Das 1987 eröffnete Museum Arbeitswelt (MAW) stellt seit seiner Gründung die Beziehung der Menschen zu ihrer (Arbeits-)Welt in den Mittelpunkt. Es hat den Anspruch, mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Lernangeboten auf gesellschaftspolitische Entwicklungen zu reagieren. Die Eröffnung der Politikwerkstatt vor 15 Jahren als außerschulischer Lernort für Politische Bildung war die logische Konsequenz aus diesem Selbstverständnis des Museums.
Die Errichtung dieses Raums erfolgte unter dem Eindruck der Verabschiedung des Demokratiepakets 2007 im österreichischen Parlament, bei dem unter anderem die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre beschlossen wurde. Zur feierlichen Eröffnung am 15. April 2009 kam die damalige Präsidentin des Nationalrats Barbara Prammer und leitete ein Schüler-Parlament.
Auf den Tag genau 15 Jahre später kam Bundespräsident Alexander van der Bellen und sprach mit 27 Schüler aus allen höheren Schulen Steyrs. Der Fokus im Superwahljahr 2024 lag auf der Möglichkeit der demokratischen Mitgestaltung durch Wahlen.
Van der Bellen antworte auf die Fragen der Steyrer Erstwähler und betonte im Anschluss an die Veranstaltung die Bedeutung solcher Formate und Räume wie der Politikwerkstatt: „Eine Bedrohung unserer liberalen Demokratie ist die abnehmende Toleranz. Wir diskutieren kaum mehr miteinander, oft bestätigen wir uns nur in der eigenen Meinung und wenn jemand anderer Meinung ist, hören wir ihn oder sie kaum noch, weil er oder sie zu weit weg ist: Auf der anderen Seite des Grabens, der durch unsere Gesellschaft führt, schalldicht eingepackt, behütet in der Blase, in den sozialen Medien. Ein Ort, an dem überwiegend junge Menschen zusammentreffen, um über Demokratie zu diskutieren, ist deshalb sehr wichtig. Und so ein Ort ist die Politikwerkstatt“, so das Staatsoberhaupt, das auch für Selfies mit den Jugendlichen zur Verfügung stand.
Neugestaltung 2021
Mit einem zeitgemäßen Raumkonzept und neuen Inhalten werden die Möglichkeiten und Herausforderungen von modernen Demokratien im Zeitalter der digitalen und ökologischen Transformation behandelt. Unter dem Titel „Hier wird an der Demokratie gearbeitet“ wurde vom Museumsteam ein gänzlich neues Konzept entwickelt. Die didaktische Ausrichtung lautet seither: Demokratie ist nicht nur Staats- und Regierungsform, sondern vor allem auch Gesellschafts- und Lebensform.
Heute versteht sich die Politikwerkstatt als Kompetenzzentrum, wo Wissen und Informationen vermittelt werden, wo aber auch Platz ist, das erworbene Wissen handlungsorientiert zur Anwendung zu bringen.
Dabei folgt die Idee des Projekts dem Postulat des kürzlich verstorbenen Sozialwissenschaftlers Oskar Negt, wonach Demokratie die einzige staatlich verfasste Gesellschaftsform ist, die fortlaufend erlernt werden muss – von der Kindheit bis ins hohe Alter.
„Demokratie ist für uns nichts Selbstverständliches und wir werden auch in Zukunft mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an ihr arbeiten, damit sie gelebt, entwickelt und auch bewahrt werden kann“, sagt Stephan Rosinger, künstlerischer Leiter des MAW.
Aktuelles Angebot
Die Politikwerkstatt bietet Workshops für Schüler aller Schulstufen an. Im Jahr 2024 werden Spezialworkshops anlässlich der Wahlen zum Europäischen Parlament und zum Österreichischen Nationalrat unter dem Titel “Meine Stimme zählt” angeboten.
Die Angebote können auch mit einem Besuch des Stollen der Erinnerung oder der Ausstellung „Aufsässiges Land. Streik, Protest und Eigensinn“ kombiniert werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden