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TOLLET. Die „Almis“ sind zurück. Mit diesem Teamnamen wagten Nicole, Cecile, Martin und Marcel vom Jokerhof in Tollet das ultimative Experiment und verbrachten drei Wochen auf einer Alm in Osttirol - ohne Handy, Fernsehen, Social Media und Co. So ist es ihnen ergangen.

  1 / 13   Die Almpächter Martin Traunmüller und Sonja Zauner mit den vier „Almis“ Marcel, Martin, Nicole und Cecile. Fotos: privat

Drei Wochen ohne Handy und fernab der Zivilisation auf 1.900 Metern Höhe in einer Almhütte: Vier Jugendliche und Betreuerin Anna Prähofer tauschten den Trubel des Alltags gegen Ruhe und pure Naturidylle. Die Jugendlichen geben zu: am Anfang sei es nicht so leicht gewesen, auf das Handy zu verzichten aber nach einer Woche war es kein Thema mehr. Es war einfach toll, sind sie sich einig.

1,5 Stunden bis ins Tal

Um von der Alm ins Tal zu gelangen, waren ein einstündiger Fußmarsch und eine halbstündige Autofahrt notwendig. Mitten in der Natur auf dem Berg lernten die Jugendlichen fürs Leben. Man kochte gemeinsam, es wurden Wanderer bewirtet, Zäune repariert und die Tiere auf der Alm betreut. „Ich habe zum Beispiel einmal die Schweinchen mit Joghurt eingeschmiert, weil sie einen Sonnenbrand hatten“, erzählt Nicole schmunzelnd.

Enger Raum als Herausforderung

„Eine besondere Herausforderung war, auf engem Raum in einem Matratzenlager zusammen zu liegen“, erzählt Cecile. „Natürlich ist es so schneller zu Problemen gekommen, aber diese wurde von den Jugendlichen auch wieder schnell gelöst, das haben sie gut gemacht“, sagt Begleitperson Anna Prähofer. Um sich abzureagieren, fanden die Jugendlichen ihre ganz eigenen Methoden. „Ich bin manchmal zum Bach gegangen, wenn ich Wut im Bauch hatte oder wenn es stressig war. Danach ging es gleich besser“, erzählt Marcel.

Großes Vertrauen

Die äußere Steiner Alm im Osttiroler Matrei, wo die Jugendliche die drei Wochen verbrachten, wird von zwei ehemaligen Jokerhof Mitarbeitern geführt. Sonja Zauner und Martin Traunmüller freuten sich auf das Projekt und brachten den Jugendlichen von Anfang an großes Vertrauen entgegen. Marcel durfte beispielsweise die Materialseilbahn selbstständig steuern. Das Traktorfahren war für die beiden Burschen Martin und Marcel das Beste, erzählen sie.

Natur hat gewirkt

„Für mich war es auch eine Herausforderung, aber es war so schön zu sehen, wie die Natur auf die Jugendlichen gewirkt hat. Mit dem Schmelzwasser sind auch ganz viel Wut und Ärger ins Tal geflossen. Tag für Tag haben sich die Jugendlichen mehr darauf einlassen können. Kleine Streitigkeiten waren schnell gelöst“, erzählt Prähofer. „Wir waren viel in der Natur, an der frischen Luft, bei jedem Wetter. Wir mussten Weidezäune aufbauen und haben da immer sehr weit zum Arbeitsplatz gehen müssen. Ich möchte gerne wieder rauf fahren. Es ist nicht so stressig und man ist für sich und in der Natur“, meint Martin.

Riesenerfolg

Prähofer resümiert: „Das Projekt war ein Riesenerfolg. Man hat jeden Tag Fortschritte gesehen. Jeder hat an sich selbst gearbeitet. Es gab keine Diskussion, was gemacht werden muss, es wurde einfach gemacht. Ich glaube auch das Selbstbewusstsein jedes Einzelnen ist gesteigert worden, weil ihnen einfach so viel zugetraut wurde. Ich bin mir sicher, dass keiner das Projekt schnell vergessen wird, es wird Früchte tragen“, ist sich Prähofer sicher.

Über den Jokerhof:

Joker ist eine Einrichtung des OÖ Zivil-Invalidenverbandes (OÖZIV) nach dem OÖ Chancengleichheitsgesetz. Auftrag des Hofes ist es, Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf in verschiedenen Arbeitsbereichen auf die Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes vorzubereiten und - wenn möglich - dort ein Dienstverhältnis zu erlangen. Parallel dazu erfolgen im Rahmen der Wohnbegleitung die Vermittlung von lebenspraktischen Fertigkeiten, die Vorbereitung auf ein selbstverantwortliches Leben und die Unterstützung bei der Freizeitgestaltung.


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