Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

TRAUNKIRCHEN. Der vom Traunkirchner Wolfgang Neumann ins Leben gerufene „Energy Globe Award“ zeichnet jährlich die besten Nachhaltigkeits-Projekte der Welt aus. Tips sprach mit Neumann über seinen Bauernhof, den Klimawandel und seine Beziehung zu Kofi Annan.

Wolfgang Neumann ist Initiator des „Energy Globe Award“.
Wolfgang Neumann ist Initiator des „Energy Globe Award“.

Tips: Landwirt und Energy Globe-Initiator: Das ist für manche vielleicht eine ungewöhnliche Kombination. Wie kam es dazu?

Wolfgang Neumann: Ich wollte schon als als Bub immer in der Natur sein und entweder Straßenkehrer oder Landwirt werden. Vor 25 Jahren habe ich mir diesen Wunsch erfüllt und das Geschäft mit allem kennen gelernt – inklusive Kälber ziehen – und es macht mir viel Freude. Und worum geht es bei Energy Globe? Es geht um die Umwelt. Niemand erkennt mehr, dass etwas nicht stimmt, als ein Landwirt, der ja mit dem Wetter, mit der Natur leben muss. Ich erlebe live mit, was sich tut, und werde daher noch mehr darin beflügelt, dass ich sage: Tun wir was!

Tips: Seit Bestehen des Energy Globe wurden unzählige Projekte eingereicht – gibt es eines, das Sie besonders beeindruckt hat?

Neumann: Heuer gab es ein Projekt, das mich sehr beeindruckt hat: In jedem Haushalt wird Medizin verwendet, in der Landwirtschaft gibt“s Chemie, in der Industrie auch. Das kommt alles in die Kläranlage. Aus der kommt ja auch wieder unser Trinkwasser – und da gab es heuer ein Projekt für eine vierte Klärstufe, wo die Chemie rausgefiltert wird. Ich finde, das ist ein extrem gescheites Projekt. Große Wasserversorger haben gleich gesagt: Hochinteressant.

Das ist ja eigentlich der Sinn: Projekte vorzustellen, wo dann andere sagen: Klass, da mache ich auch mit! Beeindruckend auch ein anderes Projekt zum Thema Wasser, das schon vor Jahren eingereicht wurde: Wenn man eine Plastikflasche mit verseuchtem Wasser in die Sonne stellt, wird das Wasser entkeimt. Wir haben das in Seibersdorf prüfen lassen – ja das stimmt. Da sieht man auch den Selbstheilungsprozess der Natur: Die UV-Strahlen entkeimen das Wasser. Die Projekte kommen aber aus den verschiedensten Bereichen. Besonders arme Menschen setzen sich hier oft sehr ein – wahrscheinlich, weil sie mehr mit der Natur leben müssen als wir.

Tips: Viele bestreiten ja den Klimawandel...

Neumann: Der Klimawandel ist einfach da. Wir kämpfen heute mit dem, was wir vor 20 Jahren freigesetzt haben und die Wissenschaftler, zum Beispiel Nobelpreisträger Munasinghe, den wir bei uns im Energy Globe-Board haben, sagen: In den nächsten vier bis fünf Jahrzenten haben wir den Ökokollaps.

Uns muss klar sein: Circa 20 Prozent der Bevölkerung brauchen 80 Prozent der Energie. Das heißt: diese 20 Prozent sind die Hauptemmitenten. Gut 25 Prozent haben gar keinen Zugang zu Energie – 600 Millionen in Indien, 700 Millionen in Afrika. Es ist etwas lächerlich, wenn die 20 Prozent der Reichen wollen, dass die anderen sparen. Das ist das Problem bei den Klimakonferenzen. Das Schlimmste für den Klimawandel ist Methan. Wir haben in den letzten Jahren eine Verfünffachung des Methanausstoßes gehabt – durch das Auftauen der Permafrostböden.

Wir sind in einer Spirale, die sich immer schneller dreht. Die aktuellen Veränderungen sind nicht mehr zu leugnen. Das heißt: In die Hände spucken und etwas tun – damit sind wir beim Energy Globe.

Tips: Woher kommt diese starke Motivation?

Neumann: Dadurch, dass ich viel in dem Bereich zu tun habe, habe ich das Wissen, zu sagen: Es schaut katastrophal aus. Man weiß nicht, ist es fünf vor zwölf – oder ist es schon ganz aus. Eine liebe Freundin von mir ist Maneka Ghandi, eine absolute Umwelt-Aktivistin, die eigentlich schon fast aufgibt und sagt: Der Öko-Kollaps ist sicher. Man kann jetzt den Kopf runterstecken und sagen, genießen wir bis dahin das Leben. Das bin aber nicht ich.

Im Rahmen von Energy Globe gibt es 20.000 Projekte, die die Lösungen zeigen: Für jedes Problem haben wir heute schon die Lösung. Meine Zukunftsvision ist es, diese Projekte bekannt zu machen, die Menschen auszuzeichnen, aber auch Firmen zu motivieren. Nachhaltigkeit ist ein Geschäftsmodell: mit tollen Projekten, die die Umwelt schonen.

Das zweite ist: Man muss jeden einzelnen ansprechen, ihm zeigen, was er tun kann – und wo er persönliche Vorteile hat. Zum Beispiel mit einem Tool, wo man seine eigene Situation einspielen kann und dann testen: Was wäre, wenn ich dieses oder jenes tun würde? Es ist einfach wichtig, dass hier alle zusammenarbeiten. Versuchen wir, eine Community zu machen und die Welt für die nächste Generation zu bewahren.

Der große Kofi Annan hat mir kurz vor seinem Tod in einem Schreiben ein Sprichwort aus Kenia an Herz gelegt: „Die Welt gehört nicht uns, sie ist ein Kleinod, welches wir auch für zukünftige Generationen bewahren müssen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden