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BAD TRAUNSTEIN. Sobald Martina Fuchs anfängt, von ihren Kräutlein zu sprechen, gerät sie ins Schwärmen. Vor allem die Wildkräuter haben es ihr angetan. Wie diese als ganz natürlicher Sonnenschutz fungieren und warum ein Löwenzahnstängel der beste Kaugummi ist, die Bad Traunsteiner Kräutertante gab Tips einen überaus interessanten Einblick in ihr umfangreiches Wissen.

Martina Fuchs – fest verwurzelt in und mit der Natur. Fotos: Fuchs
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„Die Frühlingskräuter haben im Grunde eine wesentliche Aufgabe: Dass sie nach dem langen Winter unseren Stoffwechsel wieder ankurbeln“, schildert Martina Fuchs begeistert. Im Winter sind es die lichtspendenden Knospen, die man naschen kann. Wenn die Sonne dann an Kraft gewinnt, schießt das erste Grün aus der Erde. Und dieses reinigt und stärkt unseren Organismus. „Ein toller und natürlicher Sonnenschutz bei einem achtsamen Sonnenbad ist die Wildkräuternahrung, indem ich diese einfach in meinen Speiseplan integriere, damit räuchere oder Kosmetik daraus gewinne.Ich probiere diese wilden Wundergewächse auf allen möglichen Ebenen miteinzubeziehen, so wie einen guten Freund“, verrät Martina Fuchs. Denn gerade die grünen Pflanzen sind reich an Chlorophyll, speichern die vermehrte Sonnenstrahlung und somit erlangt man wiederum einen natürlichen Sonnenschutz.

„Die Natur deckt den Tisch für uns, so wie wir ihn gerade brauchen. Es wächst vor unserer Haustür und wir können es uns ganz einfach holen – ohne großartig Geld auszugeben.“ Martina Fuchs, Heilkräutercoach

Hühnerdarm des Waldviertels

Ein solch kraftvoller „Wunderwuzzi“ ist die Vogelmiere, im Waldviertel auch liebevoll Hühnerdarm genannt. Stets gerne im Gemüsebeet anzutreffen, wäre diese Pflanze eigentlich der kongeniale Partner für das angebaute Allerlei. Auf der einen Seite dienlich als Schneckenschutz und auf der anderen Seite ebenso reichhaltig an Vitamin C wie so mancher Salat, mit dem Unterschied, dass das wildwachsende Gewächs das doppelte Calcium enthält. Zudem kommen noch ganz viel Eisen, Magnesium, Vitamin A und C. Die Vogelmiere als kleiner Tausendsassa findet beispielsweise bei Husten, Asthma, Lungenleiden oder Gelenksbeschwerden Anwendung. „Ich hole mir den zarten, erbsigen Geschmack der Vogelmiere auf mein Käse- oder Butterbrot, nasche sie bei der Gartenarbeit, gebe sie in den Salat oder mariniere sie mit Tomaten – wichtig ist die frische Verwendung“, erläutert die 38-Jährige.

Natürlicher Kaugummi

„Man muss mal mit dem Gerücht aufräumen, dass der Löwenzahn giftig ist“, betont die Kräutertante. Denn die „Saubleami“ oder „Pisseblume“ (regt die Harnsäureausscheidung an), wie dieser im Volksmund auch genannt wird, ist von der Wurzel, über den Stängel, bis hin zum Blatt und zur Blüte das Leberelixier. „Und das brauchen wir im Frühling, um unser Entgiftungsorgan wieder auf Touren zu bringen– dann funktionieren wir auch gut. Die natürliche Schönheit kommt zum Vorschein, einfach so, ohne dass wir Makeup auflegen“. In der Wurzel speichern sich viele Minerale und Salze und genau diese wären essentiell, um unseren Stoffwechsel anzukurbeln und den Entgiftungsprozess voranzutreiben. Das junge, grüne Blättchen des Löwenzahns wird in der Steiermark beispielsweise für den traditionellen Röhrlsalat verwendet – einfach frisch unter den Kartoffelsalat gemischt. Ja und für den Stängel gibt es ebenso ideale Verwendungsmöglichkeiten. Schon die kräuterkundige Maria Treben hat eine „Kaukur“ über ein paar Wochen empfohlen – das sei das Entgiftungsmittel schlechthin. „Am Anfang sicher ein wenig gewöhnungsbedürftig, durch den bitteren Beigeschmack, aber genau das ist ja in unserer Ernährung verloren gegangen und wirkt sich stärkend auf unseren Magen-Darmtrakt aus“, schwärmt Martina. Einfach in der frühlingshaften Wiese liegen, die gelben Blütenköpfe abzwicken und gleich ab in den Mund damit. Jeder kennt die gelben Finger, die man davon bekommt, aber genau das, der Blütenstaub, ist das Wertvolle. Einen Tipp hat die verwurzelte Waldviertlerin noch in petto: den Löwenzahnblütenzucker, (siehe Rezept am Ende) für die süßen und pikanten Momente im Leben.

Stark verwurzelt

In Großhummelberg bei Bad Traunstein mitten im Wald aufgewachsen, hat sie die Natur seit jeher umgeben und geprägt. Zwischenzeitlich aus den Augen verloren, ist die Leidenschaft vor etwa zehn Jahren wieder entfacht und hat sie dann nicht mehr losgelassen. Seitdem ist es ein stetiges Ausprobieren, ein lebenslanges Lernen, wie man die Schätze der Natur am besten einsetzen kann. Wichtig ist es ihrer Meinung nach, dem inneren Gefühl zu folgen. „Je mehr einem selbst bewusst ist, dass man Teil der Natur ist, umso mehr stehen uns die Kräfte zur Verfügung und man kann sie für sich und seine Gesundheit nutzen.“ In früheren Zeiten, wo weit und breit kein Arzt zur Verfügung stand, haben die Menschen ihren inneren Arzt mithilfe der Pflanzen gestärkt. Unkraut im herkömmlichen Sinne gibt es für sie nicht. „Schon meine Oma hat gesagt: Vertraue keinem Fleckerl Erde, wo kein „Unkraut“ wächst.“ Und auch wenn Martina Fuchs derzeit eigentlich in Wien weilt – ist sie in Bad Traunstein regelmäßig anzutreffen. Schließlich ist sie eine der Kräutertanten und darf dort organisatorisch sowie als Referentin mitwirken. So werden im Jahres­kreis stetig Streifzüge, Wanderungen oder Seminare angeboten, die einem mit den Kostbarkeiten vertraut machen. Zurück nach Wien: Und selbst dort, im dritten Bezirk, gibt es für Martina viel zu naschen, sei es am Lindenbaum oder sei es der Löwenzahn im Park, und nicht zu vergessen, ihr „wilder“ Balkon zuhause.

Zubereitung von Löwenzahnblütenzucker

Zucker mit 30 abgezupften Löwenzahnblüten (nur die Strahlblüten) vermischen, sieben Tage durchziehen lassen. Auf einen Teller geben und trocknen lassen. Schließlich fein mörsern.Den gelblichen Zucker kann man für pikante und süße Momente sowie als Deko verwenden.

Kontakt Bad Traunsteiner Kräutertanten:


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