Bürgermeisterinnen: Vor- und Nachteile von Frauen in der Politik
BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. In Österreich sind von 2100 Bürgermeistern gerade einmal sieben Prozent Frauen. Der Bezirk Urfahr-Umgebung liegt mit vier Bürgermeisterinnen und acht Vizebürgermeisterinnen bei 26 Gemeinden weit über diesem Schnitt. Im Tips-Gespräch erzählen sie von ihren Erfahrungen als Frauen in der Politik, welche Schwierigkeiten es gibt und welche Vorteile sie als Frauen haben.

Gertraud Deim (Kirchschlag), Daniela Durstberger (Lichtenberg), Gisela Gabauer (Gallneukirchen) und Karin Kampelmüller (Reichenthal) sind die vier Bürgermeisterinnen im Bezirk – und ihr Weg begann bei allen ähnlich. Sie wurden von ihren Vorgängern und anderen Gemeinderatsmitgliedern angesprochen und motiviert sich der Wahl zu stellen.
Doppelbelastung
„Ich habe ein Jahr lang überlegt, ob sich das Amt mit der Familie vereinbaren lässt“, schildert Durstberger, Mutter von zwei Töchtern. Sie wurde mit 40 Jahren Bürgermeisterin und liegt damit weit unter dem Eintrittsalter von Bürgermeisterinnen. Im Schnitt sind Frauen im Alter zwischen 50 und 59 Jahre, bei ihrem Amtsantritt als Bürgermeisterinnen. „Zurückzuführen ist das auf die Doppelbelastung von Frauen, die nach wie vor Hauptteil der Betreuungs-und Pflegearbeit übernehmen“, erklärt Landtagsabgeordnete Ulrike Böker. Auch Deim, Gabauer und Kampelmüller haben Kinder und haben sich erst für die Poltik entschieden, als ihre Kinder selbstständiger waren. „Mein Mann Anton und meine drei Kinder unterstützen mich bei vielen Aufgaben in unserem Familienleben“, sagt Gabauer. Sie führt nebenbei auch das Familienunternehmen in Gallneukirchen. „Es bedarf eines strengen Zeitmanagements. Man muss darauf achten, dass die Familie nicht zu kurz kommt. Es geht nur gemeinsam und die Familie muss hinter einem stehen.“ Dass man flexibel sein muss, weiß auch Durstberger: „Auch wenn man verspricht früher nach Hause zu kommen, kann spontan etwas dazwischen kommen. Da braucht es viel Verständnis von der Familie.“ Keine fixen Dienstzeiten, Abendtermine und Wochenend-Veranstaltungen machen den Job nicht gerade familienfreundlich. Dennoch sind die vier Frauen mit Freude im Amt. „Mitgestalten können, Leuten helfen und in der eigenen Gemeinde etwas bewirken“, so beschreibt Kampelmüller ihre Arbeit. Sie ist seit einem Jahr hauptberuflich Bürgermeisterin, ihre Familie führt zuhause die Landwirtschaft. Ihr Amt als Bezirksbäuerin will sie niederlegen, um sich voll und ganz auf das Bürgermeister-Amt zu konzentrieren. „Noch vor fünf Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal Bürgermeisterin bin“, sagt Kampelmüller. Deim hat ihre Stunden als Ärztin bei Amtsantritt im Jahr 2007 reduziert und führt nun eine geteilte Gruppenpraxis. „Mir hat bei der Wahl bestimmt geholfen, dass mich die meisten Gemeindebürger als Gemeindeärztin bereits gut kannten.“
Vorteile als Frau
Eine Frau in der Politik zu sein, hat auch Vorteile. „Frauen können gut zuhören, was bei dieser Arbeit sehr wichtig ist“, sagt Durstberger. „Auch in politischen Fragen wie der Kinderbetreuung hat man als Frau eventuell einen besseren Zugang.“ Die Gallneukirchner Bürgermeisterin Gabauer sagt: „Ich finde es ist als Frau in der Politik kaum schwieriger als für Männer. Frauen haben oft einen anderen Zugang, werden durch ihre Persönlichkeit viel spürbarer und glaubwürdiger in ihren Argumenten.“ Kampelmüller hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen in der Politik oft respektvoller behandelt werden als Männer. „Ich fühle mich in der Gemeinde und auch im Gemeinderat als Bürgermeisterin akzeptiert“, sagt Deim.
„Frauen stehen ihren Mann“
Wie man mehr Frauen in die Poltik bewegen kann? Auch hierfür haben die Bürgermeisterinnen Vorschläge. „Frauen müssen mehr ermutigt werden. Sie können das und auch das Interesse ist vorhanden. Aber sie trauen es sich oft nicht zu“, erklärt die Bürgermeisterin von Lichtenberg. Weniger Selbstbewusstsein ist laut Deim ein Grund für weniger Frauen in der Politik: „Frauen sind meistens überall engagiert im Hintergund mit dabei, als Ehrenamtliche oder bringen einen Kuchen mit, aber sich repäsentieren, trauen sie sich dann oft nicht.“ Gabauer sagt: „In vielen Köpfen besteht die Meinung, dass Politik Männersache sei. Ich bin da anderer Meinung. Frauen stelhen in der Politik ihren „Mann“. Gerade im familiären Bereich liegenden Aufgaben einer Frau, hier steht die Kindererziehung an erster Stelle, verhinder oft ein Engagement in der Politik.“


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