Schwester Helga Sikora: „Wir waren für die Kinder wie Mütter“
GALLNEUKIRCHEN. Schwester Helga Sikora wurde für ihre 66-jährige Tätigkeit im Diakoniewerk vom Land Oberösterreich ausgezeichnet. Vor allem auf die Arbeit mit den Kindern und den Zusammenhalt blickt sie gerne zurück.

Schon als Kind haben Schwester Helga Sikora biblische Geschichten angesprochen. Ihre Eltern wollten, dass sie in einer Fabrik arbeitet. Mit viel Überredungskunst, Durchhaltevermögen, vielen Gebeten und einem guten Wort von Schwester Mitzi Hubner hat ihr Vater dann doch noch zugestimmt und Schwester Helga konnte ihre Ausbildung als Probeschwester beginnen. Im Jahr 1963 trat sie als eine der letzten Gallneukirchner Schwestern in die Evangelische Christuskirche in Gallneukirchen in das Amt einer Diakonisse ein. In den folgenden Jahren arbeitete sie in verschiedenen Häusern des Diakoniewerkes (Weikersdorf, Martinstift, Zoar, Abendfrieden).
Viele schöne Erinnerungen
Die Arbeit mit Kindern, wie im Säuglingsheim Mühle, war für Schwester Sikora immer etwas ganz Besonderes. „Wir waren für die Kinder wie Mütter“, sagt sie. „Wir haben uns immer sehr gefreut, wenn eine Adoption erfolgreich war. Manchmal bekommen wir Briefe und Fotos von unseren ehemaligen Schützlingen. Es ist schön zu sehen, was aus ihnen geworden ist.“ Sie erinnert sich gerne an die Adventzeit zurück. Am ersten Advent sind die Schwestern, mit Kerzen in der Hand, durch die Häuser gegangen und haben mit den Kindern Adventlieder gesungen. „Ich erinnere mich noch genau an das Strahlen in den Augen der Kinder. Sie haben sich über Kleinigkeiten sehr gefreut.“ Später wurde das Haus Mühle für Kinder mit Behinderung umgebaut. „Die Kinder, die wir damals betreuten, sind jetzt Erwachsene. Manchmal, wenn ich sie auf der Straße treffe, dann kommen sie zu mir und umarmen mich.“
„Man kann nicht immer davonlaufen“
Für Schwester Sikora war die Ausbildungszeit sehr wichtig. Sie hat dabei viel fürs Leben gelernt: „Als Probeschwestern waren wir zu fünft in einem Zimmer, die Betten waren nur durch einen Vorhang getrennt. Da lernt man Rücksicht auf andere zu nehmen. Auch lernt man, dass man manche Eigenheiten ertragen muss, man kann im Leben nicht immer davonlaufen.“ 1988 wurde Schwester Helga Oberin der Diakonissen. Damit steht sie als letzte und auch längst-dienende in einer Reihe von insgesamt sieben Oberinnen seit der Gründung der Schwesternschaft vor 140 Jahren. Vor neun Jahren ist sie als Vorstandsmitglied des Diakoniewerks ausgeschieden und im Ruhestand. Sie wünscht sich, dass jeder schaut, einen inneren festen Halt zu haben: „Man muss mit sich selbst zufrieden sein, sonst kann man den Frieden nicht weitergeben.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden