Große Hilfe mit Herz aus Altenberg für arme Straßenkinder in Bolivien
ALTENBERG. Für ihr Engagement wurde die in Altenberg lebende Honorarkonsulin Cecilia Baldivieso de Witzany mit der Goldenen Verdienstmedaille des Landes OÖ geehrt. Seit 30 Jahren macht sich ihre Initiative „Alalay Austria“ für arme Straßenkinder in Bolivien stark. Im Tips-Interview verrät die 66-Jährige, was dieser Verein überhaupt macht und warum sie diese Organisation mit Sitz in Oberbairing gegründet hat.
Gemeinsam mit ihrem Mann Walter gründete Baldivieso de Witzany vor 30 Jahren die Organisation Alalay Austria, die Straßenkindern in Bolivien Hilfe und Perspektiven bietet. „Ihr Wirken verbindet zwei Kontinente, zwei Kulturen – und zeigt, dass Hilfe nicht an Grenzen endet“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer kürzlich bei der Übergabe der Verdienstmedaille des Landes OÖ an die Altenbergerin. Die gebürtige Bolivianerin lebt seit 1984 in Österreich und wurde 1989 zur Honorarkonsulin ihres Heimatlandes bestellt. Seit 2013 ist sie zudem Doyenne des Konsularischen Corps in Oberösterreich.
Vom Mühlviertel aus ermöglichte Chancen, die das Leben von Straßenkindern verändern
Als Cecilia Baldivieso de Witzany und ihr Gatte Walter 1995 ihren Heimatbesuch in Bolivien antraten, wussten sie noch nicht, dass ihre Initiative das Leben von mehr als 6.000 Kindern auf den Straßen Boliviens verändern würde. Etwa 100.000 Kinder leben laut Unicef hier auf der Straße. Mit dem Bau zweier Kinderdörfer wurde zumindest für einen Teil der Kinder ein Zuhause geschaffen, wo alte Wunden heilen und neue Träume entstehen können.
Über den Verein Alalay Austria - für auf der Straße lebende Kinder in Bolivien
„In Österreich zählt der Verein heute 20 aktive Mitglieder sowie 200 Pateneltern und rund 300 Unterstützer aus den Bereichen Kultur, Religion, Wirtschaft und Politik“, hält Cecilia Baldivieso de Witzany fest.
Tips: Seit wann sind Sie in Österreich zu Hause - und wie kam es dazu?
Witzany: Seit 1984. Nach meinem Tourismusstudium in Madrid reiste ich nach Paris, wo ich Doris Sturm aus Gallneukirchen kennenlernte. Die Freundschaft zu ihr und ihrer Familie, die ich heute auch als meine eigene betrachte sowie der Wunsch, das Land der Musik kennenzulernen, waren der Grund, warum ich in dieses schöne Land gekommen bin. Von Beruf bin ich Honorarkonsulin des Plurinationalen Staates Bolivien in Oberösterreich. Meine Familie besteht aus meinem Ehemann Walter, unserer Tochter Isabella und in Zukunft einer Enkeltochter. Zu meinen Hobbys zähle ich das Laufen, weil es mir hilft, klar zu denken; Fußball zu sehen erinnert mich an meinen Vater; Lesen öffnet den Geist, und Tanzen schenkt Freude.
Tips: Was genau kann man sich unter Ihrem Verein Alalay Österreich vorstellen?
Witzany: „Alalay Austria wurde 1995 von meinem Ehemann Walter und mir gegründet und ist eine private Non-Profit-Organisation, die Kindern, Jugendlichen und Familien in Hochrisikosituationen durch Prävention und Schutz eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglicht. Da sich unser Zuhause in Oberbairing befindet, wurde es zugleich auch zum Zuhause unseres Vereins Alalay.“
Tips: Im Einsatz dafür seit 30 Jahren – wie kam es zur Gründung?
Witzany: „Alles begann in Grünau im Almtal, als mein Ehemann Walter ein durch Schlechtwetter schlecht besuchtes Konzert moderierte. Georg Danter übergab ihm dabei am Ende der Veranstaltung 7.000 Schilling mit den Worten: „Tu etwas Gutes.“ Auf meiner Reise nach Bolivien übergab ich das Geld Claudia Gonzales – die nunmehr für 30 Jahre Liebe, Solidarität und etwas Gutes für die Welt steht.
Heute, nach 30 Jahren, blicke ich voller Dankbarkeit auf unsere gemeinsame Reise zurück, die ich zusammen mit Walter begonnen habe. Als wir damals gestartet sind, war es nur ein Traum, ein Wunsch, etwas zu verändern. Jetzt sehe ich das Ergebnis: unzählige Leben, die berührt, Chancen, die geschaffen, und Hoffnung, die gesät wurden.
Die Herausforderungen sind groß, es gibt noch immer so viele Kinder, die auf der Straße leben. Das bedeutet eine große Verantwortung für die Zukunft.“
Tips: Wer hilft hier mit und wie sieht denn die Unterstützung aus?
Witzany: „Das Projekt basiert auf drei wichtigen Säulen: unser engagiertes Team, die Paten und die Spender. Das Team arbeitet professionell und mit Herz, sammelt Spenden, betreut das Patenschaftsprojekt und informiert in Schulen über die Situation der Kinder in Bolivien. Die Paten unterstützen die Grundbedürfnisse der Kinder, und die Spender helfen bei der Verbesserung der Einrichtungen sowie bei der Finanzierung von Fachpersonal.
Alalay zeichnet sich durch eine sehr persönliche Form von Patenschaften aus, bei denen ein Kontakt mit den Kindern erwünscht ist, Kostenpunkt zurzeit 330 Euro im Jahr. Als Einzelperson oder Firma können Spenden für die allgemeine Versorgung der Alalay zur Verfügung gestellt oder zweckgebunden zum Beispiel als Weihnachts- oder Geburtstagsaktion getätigt werden. Jede Spende kann beim Steuerausgleich geltend gemacht werden, da wir als gemeinnützige Organisation anerkannt sind. Transparenz ist für uns zentral.
Zudem freuen wir uns auch immer über tatkräftige Unterstützung als Teammitglied in Österreich oder vor Ort in Bolivien.
Um eine nachhaltige Verbesserung der Situation von Kindern auf der Straße zu erreichen, arbeitet Alalay sowohl im Kinderschutz als auch im Präventionsbereich. Damit Kinder gar nicht erst auf der Straße landen, werden Familien in extremer Armutssituation begleitet und jenen Kindern, die bereits auf der Straße leben, wird ein sicheres und liebevolles Zuhause in unseren Kinderdörfern geboten.“
Tips: Wie oft sind Sie selbst vor Ort?
Witzany: „Normalerweise reise ich einmal im Jahr nach Bolivien. Diese Besuche verbinden mich mit dem Herzen von Alalay: den Kindern. Eine ihrer kleinen Hände zu halten, berührt mich tief, es ist ein Zeichen ihres Vertrauens und ein Antrieb, weiter für eine hoffnungsvollere Zukunft zu arbeiten.
Dabei sehe ich auch, welche Bedürfnisse dringend sind und wie wir ihre Finanzierung schaffen können. Und natürlich sind die Koffer voller Briefe, Fotos und liebevoller Geschenke der Paten für ihre Kinder.“
Tips: Was brauchen die Menschen in Bolivien am dringendsten?
Witzany: „Kinder benötigen Schutz und ein Umfeld, in dem sie sich körperlich und psychisch gesund entwickeln können, damit sie hoffnungsvoll träumen und selbstbewusst ihre Ziele umsetzen können.
Auf familiärer Ebene brauchen Eltern Unterstützung bei der Arbeitssuche, bei Start-Up-Unternehmen, bei der Bekämpfung von Alkohol- oder Drogensucht, damit sie sich selbst liebevoll um ihre Kinder kümmern können.
Auf globaler Ebene müssen Menschen in Bolivien und auf der ganzen Welt ihre Rechte und Pflichten in der Gesellschaft wahrnehmen können - dies erreichen wir unter anderem über faire Preise von Bodenschätzen und Produkten, die auch wir in Österreich konsumieren. Bolivien braucht Konsens, moderne Wirtschaft, starke Bildung, saubere Institutionen und eine klare Zukunftsvision.“
Tips: Was können die Oberösterreicher von den Bolivianern lernen?
Witzany: „Die menschliche Wärme, die Leichtigkeit, ins Gespräch zu kommen und schnell Verbindungen aufzubauen, bereichert jede Gesellschaft. Ebenso die Lebensfreude, die Fähigkeit, das Alltägliche und die kleinen Momente zu feiern. Dazu kommen Resilienz, also die Fähigkeit, sich anzupassen und selbst in schwierigen Situationen Lösungen zu finden, sowie die Spontanität, die Raum für Flexibilität und Innovation schafft.Schließlich zeigt der starke Familiensinn und Gemeinschaftsgeist, wie wichtig gegenseitige Unterstützung als Grundlage des kollektiven Wohlbefindens ist.“
Tips: Sie sind ja seit 1989 Honorarkonsulin Ihres Heimatlandes - wie sehen hier die Aufgaben?
Witzany: „In einer Welt mit Mauern ist die Aufgabe, Brücken zu bauen, besonders wichtig und genau das ist unsere Arbeit an vorderster Front, eine wunderbare Mission. Dazu gehören auch Aktivitäten zur Unterstützung unserer Landsleute in Österreich sowie die Förderung von Kultur und Wirtschaft.“
Tips: Von Landeshauptmann Thomas Stelzer gab es für Sie als „Brückenbauerin zwischen Bolivien und Altenberg“ kürzlich die Goldene Verdienstmedaille des Landes OÖ.
Witzany: „Die Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille des Landes Oberösterreich ist für mich eine große Ehre und Freude. Gleichzeitig verbinde ich sie mit tiefer Dankbarkeit. Sie ist auch ein Symbol des Vertrauens, das in mich gesetzt wurde. Diese Ehrung gehört nicht nur mir, sondern allen Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben und meine Träume, Herausforderungen und Hoffnungen geteilt haben.“
Tips: Ihr eigenes Lebensmotto?
Witzany: „Dar es un bello privilegio, was heißt: Geben ist ein schönes Privileg.”
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