Neuer Wanderweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs erzählt von Trennung, Flucht und Versöhnung
VORDERWEISSENBACH. Wie die Zeit des Eisernen Vorhanges auf beiden Seiten des Grenzzauns erlebt wurde und wie sich das Zusammenleben seit der Öffnung im Jahr 1989 entwickelte, macht ein neuer Wanderweg in Guglwald erfahrbar. Am 19. Juli wird der DenkWeg eröffnet.

Fünf Kilometer weit führt der DenkWeg die Wanderer auf der österreichischen Seite entlang der tschechischen Grenze zu Schauplätzen am ehemaligen Eisernen Vorhang. Dieser trennte von den Nachkriegsjahren bis 1989 die einst eng verbundenen Südböhmen von den Mühlviertlern. Aus Freunden wurden mit der Zeit Fremde, die politischen Mühlen trieben Keile in die Menschen, Vorurteile halten sich teilweise bis heute.
Der Verein DenkStein Eiserner Vorhang hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Verbindende wieder vor das Trennende zu stellen und die Geschichte hüben wie drüben aufzuarbeiten. Nachdem der Verein 2024 schon das DenkBuch herausgegeben hat, ist der neue Rundweg ein weiterer Meilenstein in diesen Bemühungen. Zehn Schautafeln entlang des Weges erzählen vom Leben am „Ende der Welt“, von Kontrollen und moralischen Nöten der Grenzsoldaten, von Fluchterlebnissen und vom neuen Kontaktaufbau nach der Grenzöffnung.
Schulen ins Boot holen
„Mithilfe von QR-Codes und einer begleitenden App können die Besucher unter anderem Zeitzeugenberichte abrufen oder Spiele am Handy spielen, die sich mit dem Thema befassen. Wir möchten mit dem DenkWeg nämlich auch Schulklassen für eine zum Unterricht passende Exkursion gewinnen. Teilnehmenden Schulen wird vom Verein das Zertifikat 'Diese Schule denkt Europa' verliehen“, erklärt Bernhard Winkler, Obmann des Vereins DenkStein. Dieser verknüpft mit dem Wanderweg eigene Kindheitserinnerungen: „Wenn wir ihn zum ersten Mal alle gemeinsam gehen werden, wird das ein emotionales Erlebnis für mich sein, weil ich den Weg schon als Kind gegangen bin. Für mich ist er ein Zeichen der Hoffnung, dass sich Zeiten, in denen Barrieren da sind, auch wieder zum Guten wenden können.“
Projektpartner auf tschechischer Seite ist der Verein „Post Bellum“. Dessen Geschäftsführer Tomas Trantina betont: „Ein ehrliches Interesse, wie unsere Nachbarn die Geschichte wahrgenommen haben, ist wichtig. Persönliche Geschichten helfen, die großen Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Menschen in der Grenzregion besser zu verstehen. Einige historische Fragen bleiben bis heute schmerzhaft. Umso wichtiger ist der Dialog.“
Was Freiheit heißt
Von der Bedeutung des Weges ist auch Bürgermeister Pavel Gabris aus Predni Vyton (Heuraffl) überzeugt. Um seine persönliche Freiheit zu finden, wanderte Gabris einst nach Deutschland aus und kehrte erst nach der Wende wieder in sein Heimatland zurück. „Der DenkWeg zeigt eindrucksvoll, dass Grenzen in Europa überwunden werden können, wenn Menschen miteinander sprechen, zusammenarbeiten und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Genau darin liegt für mich die besondere Bedeutung dieses Projekts.“ Ebenfalls mit im Boot sind die Gemeinde Vorderweißenbach, der Tourismusverband Mühlviertel, Euregio und das Regionalmanagement OÖ.
Der DenkWeg wird am Sonntag, 19. Juli, um 11 Uhr beim Mahnmal DenkStätte in Guglwald von Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) eröffnet, wo sich auch Start- und Zielpunkt befinden.


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