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Kräuterpädagogin Lena Jankovic-Preslmayer: „In der Natur steige ich aus dem Alltagskarussell aus“

Nora Heindl, 25.08.2026 17:00

STEYREGG. Kinder, Job, Haushalt, Beziehung – Frauen hetzen von einem zum anderen. Naturmentorin und Kräuterpädagogin Lena Jankovic-Preslmayer von „Barfuß im Wald“ findet ihre Auszeit in der Natur.

Lena Jankovic-Preslmayer ist Kräuterpädagogin und Naturmentorin (Foto: Privat)
Lena Jankovic-Preslmayer ist Kräuterpädagogin und Naturmentorin (Foto: Privat)

In Steyregg aufgewachsen, zog es die 35-Jährige schon immer in die Natur. Als ihr Sohn ein Jahr alt war, begann sie die Ausbildung zur Kräuterpädagogin – eine Entscheidung, die ihr Leben verändert hat. „Es hat mich in den Bann gezogen“, lacht Jankovic-Preslmayer. Die Begeisterung ist nach sechs Jahren ungebrochen: „Wenn ich heute eine Runde gehe, sehe ich alles Mögliche, das ich früher nicht wahrgenommen habe. Es hat mir eine neue Welt eröffnet.“ Seither lerne sie täglich dazu. „Immer wieder begegnet mir ein Kraut, das ich noch nicht kenne.“

Wildkräuter sind mittlerweile ein fester Bestandteil im Alltag ihrer vierköpfigen Familie. „Mein Sohn kann sicher zehn Wildkräuter einwandfrei bestimmen. Das schaffen nicht viele Erwachsene“, sagt die Kräuterpädagogin stolz.

Superfood vor der Haustür

Ein Wildkraut, das wohl die meisten kennen dürften, ist die Brennnessel. Gerade ihre Samen stecken laut der Kräuterpädagogin voller Power. „Einfach die Samen abstreifen und gleich verwerten oder für den Winter trocknen.“ Als Zutat in Müsli, Brot oder Aufstrichen bereichern sie Speisen mit Nährstoffen. „Quasi ein Superfood, das direkt vor unserer Haustür wächst.“

Ähnlich lässt sich auch der Spitzwegerich verwenden. Auch hier sind es aktuell die Samen, die voller Kraft stecken. „Das ist ein bisschen wie unser heimischer Flohsamen. Aber während Flohsamen aus Indien kommen, wächst Spitzwegerich bei uns überall.“

Regeln beim Sammeln

So einfach es erscheint, einfach loszusammeln, so wichtig sind der 35-Jährigen dabei Regeln. Gesammelt werden sollte nur, was eindeutig bestimmt werden kann und tatsächlich benötigt wird. Von Pflanzen an Straßenrändern oder entlang stark frequentierter Hundewege rät sie ab.

Über allem steht die Rücksicht auf die Natur. So gilt in Österreich die Handstraußregel: Außerhalb des eigenen Gartens darf nur eine begrenzte Menge gesammelt werden. Auch verweist die Steyreggerin auf die Ein-Drittel-Regel: Ein Drittel darf geerntet werden, ein weiteres Drittel bleibt für andere Sammlerinnen und Sammler, und das letzte Drittel bleibt der Pflanze zur Regeneration. „Der beste Sammler ist der, nach dem man nicht erkennt, dass er gesammelt hat“, betont Jankovic-Preslmayer.

Auszeit in der Natur

Für die 35-Jährige sind Wildkräuter eine optimale Begleitung im Alltag, um der Gesundheit etwas Gutes zu tun – auch psychisch. „Sie verbinden mich mit der Natur. Wenn ich sammeln gehe, steige ich aus dem Karussell des alltäglichen Wahnsinns aus.“ Das achtsame Gehen durch die Natur entschleunige, rege die Sinne an und helfe, ganz im Moment zu sein.

Umso mehr freut sie sich, ihre Leidenschaft ab September hauptberuflich ausüben zu können. Bisher war sie zusätzlich als Kindergartenpädagogin tätig.

Sie bietet unter anderem Kräuterwanderungen und das sogenannte Waldbaden an: „Es ist ein sehr reduziertes Sein im Wald, ein Erleben der Natur mit allen Sinnen – etwa ein Stück barfuß zu gehen, ein Wildkraut zu kosten oder mit geschlossenen Augen einen Baum abzutasten.“ Besonders berührend ist für sie das Feedback der Teilnehmer. „Viele bedanken sich danach, weil sie so etwas schon ewig nicht mehr gemacht haben. Sie sagen, es sei so schön gewesen, einfach nur die Vögel zu hören.“ Das zeige, wie selten sich Menschen heute die Zeit nähmen, alles andere bewusst auszublenden.

Austausch unter Frauen

Ihr Herzensprojekt nennt sie die „Waldfrauen“. Einmal im Monat trifft sich eine Gruppe von Frauen online. Dabei stehen Atem- und Wahrnehmungsübungen sowie ein wertschätzender, ehrlicher Austausch im Mittelpunkt. „Es hilft zu wissen, mit bestimmten Themen nicht allein zu sein – und zu hören, wie andere Frauen damit umgehen“, sagt Jankovic-Preslmayer. Natürlich bleibt auch die Natur dabei präsent: Bei jedem Treffen werden ein Wildkraut und die Jahreskreisfeste vorgestellt.

Online-Frauenkreis Waldfrauen:Termine: 29. September, 20. Oktober, 24. November, 15. Dezember, 26. Jänner, jeweils 18-20 UhrInfos/Anmeldung: barfussimwald.at


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