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Ein Jahr im Amt: Bürgermeister-Talk mit dem Gallneukirchner Sepp Wall-Strasser (SP)

Mag. Jacky Stitz, 04.11.2022 12:10

GALLNEUKIRCHEN. Etwas mehr als ein Jahr ist nun Sepp Wall-Strasser als erster roter Bürgermeister der Geschichte Gallneukirchens im Einsatz für seine Gemeinde. Tips bat ihn daher zum Interview.

  1 / 2   Sepp Wall-Strasser ist der erste SPÖ-Bürgermeister in der Geschichte von Gallneukirchen. (Foto: Wöss)

Tips: Was sehen Sie persönlich als „Höhepunkte“ bzw. „Siege“ im ersten Bürgermeister-Jahr?

Wall-Strasser: Ich rede nicht von Siegen, aber ich bin echt stolz, was ich in diesem Jahr anstoßen konnten bzw. was wir dadurch, dass es keine absolute ÖVP-FPÖ-Mehrheit mehr im Gemeinderat gibt, in diesem ersten Jahr geschafft haben.

Was (ver)lief als Gallinger Orts-Chef schwieriger als geplant?

Schwierig sind alle Langzeitprojekte, wo wir als Gemeinde keinen direkten Einfluss darauf haben:  die Frage einer Schienenverbindung und eines Radweges nach Linz, oder der Bau eines neuen Hallenbades.

Wo liegen Ihre persönlichen Stärken für Ihre Gemeinde?

Meine Stärke ist, dass ich mit allen rede. Ich habe einen neuen Stil in die Gemeindearbeit gebracht: ich arbeite beteiligungsorientiert, beziehe die Bevölkerung ein, ich informiere alle Fraktionen und beziehe sie in wesentlichen Fragen von vornherein ein.

Was ist typisch für Gallneukirchen bzw. die Bewohner?

Solche Typisierungen mag ich an sich nicht. Die werden nie jemandem gerecht. Was ich aber derzeit erlebe ist, dass viele sehr im Bereich Kultur, Umwelt und Soziales sehr aufgeschlossen sind, offen für neues und mir sagen, dass es sie freut, dass ein neuer frischer Wind in „Galli“ weht. 

Wo liegen die Herausforderungen in der Gemeinde in den nächsten Jahren?

Die Umstellung von Wärme- und Energiegewinnung von fossilen Brennstoffen, vor allem Gas, auf erneuerbare Energie. Deshalb hab ich auch die Planung von Nahwärme sofort angestoßen, und vielleicht gelingt uns das schon in den kommenden zwei Jahren. Dann die Gestaltung des Stadtbildes. Was soll an alten Bauten noch erhalten werden bzw. was soll abgerissen werden. Die Lösung des Verkehrsproblems, Temporeduzierung im Stadtgebiet, und leistbares Wohnen.

Ein „Galli“ der Zukunft - wie könnte dies aussehen?

Gallneukirchen ist keine Industriestadt. Aber es ist eine Stadt, die viel Potential hat. An Kreativität, Kultur und Lebensqualität. Eine innovative Stadt, die Flair hat, wo sich städtische Kultur und Offenheit mit traditionellem Leben trifft.

Ein Jahr im Amt als Bürgermeister - Sepp Wall-Strasser zieht Bilanz

Vor rund einem Jahr ist der SPÖ-Politker zum Bürgermeister der Stadtgemeinde Gallneukirchen gewählt worden. „Wie bist du zufrieden nach den ersten Monaten, dem ersten Jahr, als Bürgermeister?“, wurde Wall-Strasser nun schon des Öfteren gefragt. Seine Antwort darauf lautet: „Eigentlich sehr. Wohl wissend, dass noch viel Arbeit in den kommenden Jahren auf uns zukommt bin ich stolz darauf, was ich bzw. wir als SPÖ in guter Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen und vor allem mit den Mitarbeiteren im Gemeindedienst bewerkstelligen konnten.“

Soziales

„Wir haben den Kautionszuschuss und einen leichteren Zugang zum Aktivpass sofort umgesetzt. Letzteren gemeinsam mit der Gemeinde Engerwitzdorf. Man sieht jetzt, wie dringlich er ist. Er ermöglicht Menschen bei dringendem Umzug einen Zuschuss zur Kaution bis zu einer Höchstgrenze von 750 Euro“, so der Bürgermeister.

Jugend & Kultur

„Sie ist unsere Zukunft. Deshalb war ich dafür, dass wir eine zweite Vollzeitstelle im Jugendzentrum schaffen, und in der Reichenauerstraße 1a – in der früheren Bücherei – wird ein offener Jugendtreff entstehen. Die totale Erneuerung des Skateparks unter Einbeziehung der Nachbarn bezüglich Akzeptanz und Lärmbelästigung bin ich auch sofort angegangen, und er ist wirklich toll geworden. Man sieht also, im Monatstakt realisieren wir Schritt für Schritt unsere Vorhaben“, betont Wall-Strasser.

Kulturstätten statt Leerstände

„Wir haben in Windeseile die Alte Feuerwehr zu einer coolen Veranstaltungs-Location umgebaut, die sich bereits großer Beliebtheit erfreut. Da muss ich unbedingt ein großes Danke an die Mitarbeiter unseres Bauhofs aussprechen, vor allem aber auch unseren überaus aktiven Kulturvereinen, den Gallnsteine, der KurVe und den Klangfolgern, die hier unheimlich viel ehrenamtliche Arbeit geleitet haben. Bezüglich des alten Hallenbades sind wir ebenfalls schon sehr weit. In einem von LEADER geförderten Bürgerbeteiligungsprozess sammelten wir eine Unmenge an Ideen und Vorschlägen für die Adaptierung des nun schon seit über zehn Jahren leer stehenden Gebäudes. Es gibt ein großes Interesse von Theatergruppen, Musikern, Schulen, Filmemachen und so weiter. Wir arbeiten derzeit an einem Etappenplan für die kommenden fünf Jahre und ich hoffe, dass ab kommenden Sommer der Bevölkerung einen Zugang verschaffen können. Das Probelokal für die Stadtkapelle wurde fertiggestellt. Der Kulturkob’l, der ja auch von unseren Pensionistenvereinen, dem Frauen- und Familienzentrum Spectrum und von der Pfarrbibliothek genutzt wird, konnte feierlich eröffnet werden“, ist der Orts-Chef stolz.

Bildung & Kinderbetreuung

Parallel dazu liefen die Verhandlungen mit der Landesregierung bezüglich Schulrenovierung. Hier ist man nun endlich so weit, dass am Schulschlusstag die Bauverhandlung stattgefunden hat.

„Wir haben eine breit angelegte Elternbefragung durchgeführt bezüglich Bedarfs- und Entwicklungskonzept für Krabbelstuben, Kindergärten und Schulen in den kommenden Jahren. Wir haben sofort gehandelt, nötige Umbauten vorgenommen und mit Schulbeginn eine zusätzliche Krabbelstube eröffnet. Ab jetzt bieten wir jedem Kind bereits ab dem 15. (vorher 20.) Monat bis zum 36. Monat einen Krabbelstubenplatz an, wenn eine Berufstätigkeit oder Ausbildung der Eltern nachgewiesen wird. Dazu haben wir die Öffnungszeiten in den Kindergärten ausgeweitet. Dies ist mir wichtig, um eine noch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sicherzustellen. Mit derartigen Maßnahmen haben wir auch heuer wieder die Bestnote im Kinderbetreuungsatlas der Arbeiterkammer erhalten. Allerdings verschweige ich nicht, dass mich da mit vielen Bürgermeistern große Sorgen quälen, denn überall mangelt es an Personal, weil die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden. Es ist dringender Handlungsbedarf bei der Landes- und Bundesregierung gegeben, die sich aber diesbezüglich taub stellt. Ähnliches gilt für die Betreuung der schulpflichtigen Kinder in der Nachmittagsbetreuung im Rahmen der Ganztagesschule oder in der Schulassistenz“, bringt es Wall-Strasser auf den Punkt.

Feuerwehr, Motorikpark, Umwelt

„Wir konnten das große RLFA 2000 anschaffen und die Totalüberholung des Rüstlöschfahrzeuges in Auftrag geben“, so der Bürgermeister. In puncto Motorikpark soll dieser im Sommer 2023 eröffnet werden und es soll bald auch einen neuen Pumptrack - gemeinsam mit Engerwitzdorf - geben. Und Gallneukirchen soll grüner und umweltfreundlicher werden: „Dazu haben wir einen Grünraumplaner bestellt, der uns in diesen Fragen wie etwa Baumbepflanzungen, Straßen- und Parkraumgestaltung berät“, so der Orts-Chef. Ein Kraftwerk für Nahwärme ist ebenso in Planung.

Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg

„Persönlich setze ich mich immer für eine Kooperation auf allen Gebieten mit den Umlandgemeinden ein. Die Zeit des „Jeder-nur-für-sich“ muss endlich vorbei sein. Deshalb bedaure ich die gescheiterten Gespräche bezüglich einer Gemeindeneugründung unserer beiden Gemeinden Gallneukirchen und Engerwitzdorf sehr. Eines der gemeinsamen Projekte ist der sogenannte Postbus-Shuttle. Ich setzte mich für eine großzügige Unterstützung dieses Micro-ÖV-System ein. Dieses soll für weniger Mobile, Ältere, aber auch für jene, die auf ein Auto verzichten wollen, als Nahverkehrsmittel dienen. Ich betreibe weiterhin die gemeinsamen Initiativen aller Bürgermeister der Region Gusental für ein neues Hallenbad, einen Hauptradweg nach Linz und für die S-Bahn“, so der nimmermüde Gallneukirchner Bürgermeister.

Ein neuer politischer Stil ist im Rathaus eingezogen

„Es war eines meiner deklarierten Ziele, als Bürgermeister eine neue Transparenz und einen neuen Stil der Zusammenarbeit einzuführen. Konkret heißt dies: ich habe begonnen, große Themen in gemeinsamen Klausuren von Stadtrat, allen Ausschussvorsitzenden und Fraktionsvertretern mit externer Moderation und unter Beiziehung von der Thematik betroffenen Experten abzuarbeiten. So begannen wir heuer mit den brennenden Fragen des Wohnens und des Verkehrs in Gallneukirchen. Darin wurden Kriterien erarbeitet, wo und unter welchen Bedingungen künftig in Gallneukirchen gebaut werden soll bzw. wie wir eine Verkehrsberuhigung (30-km/h-Zonen, Parkraumkonzepte, öffentliche Verkehrsmittel, großzügigen Rad- und Fußwege) für unsere Stadt hinbekommen. Ich lade regelmäßig alle Mitglieder des Stadtrates sowie auch die nicht im Stadtrat vertretene FPÖ in Zukunft im Anschluss an die Stadtratssitzungen zu einem intensiven Informationstausch und zur Diskussion zu aktuellen Problemen ein“, betont Wall-Strasser.

Was ihn überhaupt motiviert, Bürgermeister zu sein?

Sepp Wall-Strasser dazu: „Eine meiner Hauptgründe, in die Politik zu gehen, war, dem Gemeinwohl wieder zu mehr Geltung zu verhelfen. Das Private wurde in Zeiten des neoliberalen Wirtschaftens, in dem wir uns befinden, überbetont, die Politik und Politiker wurden bewusst schlecht geredet. Ich arbeite für ein neues Ansehen der Politik. Ich fühle mich ja nicht umsonst der Sozialdemokratie verbunden. Sozial und demokratisch heißt: dem Sozialen und der Demokratie den Vorzug zu geben. Sozial heißt, möglichst allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Demokratisch heißt Mitbestimmung und Transparenz. Ich sehe das Bürgermeisteramt als Bildungsprojekt. Als Gemeinde gemeinsam unterwegs zu sein auf der Suche nach dem besten Zusammenleben. Ob mir das gelingt, werden wir sehen, und das wird sich zeigen. Mein fester Wille ist es jedenfalls.“

Word-Rapp mit dem Bürgermeister Wall-Strasser:
G…gewaltfrei
A…attraktiv
L…lebenswert
L…leistbar
N…naturverbunden
E…ehrlich
U…Unruhe
K…Kultur
I…integrativ
R…ruhig
C…charmant
H…hoch hinaus
E…energiegeladen
N…nah bei den Menschen

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