Denkmal für die verstorbenen Kinder des Kinderheimes in Utzenaich
UTZENAICH. Zahlreiche Besucher kamen zur Segnung des neu errichteten Denkmals für die verstorbenen Kinder des Kinderheims in der Gemeinde Utzen- aich, das das nationalsozialistische Regime eingerichtet hatte.

Im Jahre 1944 hat das nationalsozialistische Regime in der Ortschaft Wilhelming in einem bestehenden Hofgebäude ein „Fremdvölkisches Kinderheim“ eingerichtet. Dies geschah zwangsweise unter großer Geheimhaltung, auch entgegen der Bauordnung und gegen den Willen der damaligen Besitzer. Wie in anderen Gemeinden war auch dies kein Heim, sondern ein Lager, in dem die meisten Kinder zu Tode kamen. „Innerhalb weniger Monate wurden Kinder von Frauen untergebracht, die als Fremdarbeiterinnen aus den damals von den Nazis besetzten Ländern wie Polen, der Ukraine, Weißrussland und Teilen Russlands im Innviertel zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Die Mütter mussten rasch wieder an die Arbeit. Es herrschten miserable hygienische Bedingungen und mangelnde Pflege. Den Kindern fehlte jede Form von Geborgenheit und Zuwendung“, weiß Vizebürgermeister Günther Lengauer.
Der Tod war gegenwärtig
34 von insgesamt 60 der untergebrachten Kinder starben in der Zeit von Oktober 1944 bis Mai 1945. LAbg. Alfred Frauscher in Vertretung von Landeshauptmann Thomas Stelzer: „Österreich hatte sich lange nicht bekannt und sich nur in der Opferrolle gesehen, aber es gab auch viele Täter. Einer dieser Auswüchse waren sicher die Kinderheime, wie es auch eines in Utzenaich gab. Das nationalsozialistische Regime hat mit diesen Kinderheimen jene getroffen, die sich am wenigsten wehren konnten, nämlich die Zwangsarbeiterinnen mit ihren Kindern.“
„Gegen das Vergessen aufstehen und ankämpfen und dies auch sichtbar machen: Das war unsere Devise. Einen Platz, unabhängig vom Standort des Kinderheims, hat man rund um die Statue der weinenden Frauen gefunden. Damit hat die Statue eine besondere Bedeutung bekommen. Mit der Veröffentlichung der Namen hat man den Kindern das zurückgegeben, das ihnen Zeit ihres Lebens nicht zuteilwurde, nämlich ihre Würde“, untermauert der Koordinator der Initiative aus Landjugend, Pfarre und Gemeinde Günther Lengauer.
Würde zurückgeben
Bischofsvikar Johann Hintermaier untermauerte in seinen Segnungsworten: „Würde ist ein Begriff, der Beziehung ausdrückt – und Würdelosigkeit bedeutet Beziehungslosigkeit. Hier erhalten Kinder wieder ihre Würde, sind damit in die Beziehung der Gemeinschaft aufgenommen. Gedenkveranstaltungen sind Ereignisse, die etwas für andere sichtbar machen, anerkennen und zum Denken und Handeln anregen. Anerkennungskultur ist auch Entwicklungskultur der Menschlichkeit. Wenn jemand anderer in das eigene Leben eingreift, ist das die abscheulichste Form der Würdelosigkeit.“
Die Pfarrgemeinderatsobfrau Christine Binder bedankte sich bei den zahlreichen Gästen, bei allen Initiatoren und handelnden Personen, die das Denkmal ermöglicht haben.
Bürgermeister Karl Ehwallner begrüßte Gäste aus Bayern, von der Gemeinschaft Polnischer Organisationen in Österreich, von Schloss Hartheim, vom Diözesanarchiv Linz und vom Landesarchiv sowie Gottfried Gansinger. Er brachte anlässlich seiner Buchpräsentation „Der Nationalsozialismus im Bezirk Ried“ den Stein ins Rollen. Johann Wendl fertigte die Gedenktafeln an.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden