Leserbrief: Vom Arbeitsalltag zum Großeinsatz
VÖCKLAMARKT/VÖCKLABRUCK. René Leitner, Kommandant der FF Spielberg und Gastfeuerwehrmann der FF Vöcklabruck, hat der Vöcklabrucker Tips Redaktionen einen Leserbrief zum Thema „Ehrenamt erklärt“ zukommen lassen.

Wie das Feuerwehrwesen bei uns so funktioniert… Am besten schildere ich einfach Montag, den 15. November 2021: Zu Beginn meines Arbeitstages um ca. 6 Uhr mache ich mir einen Tagesplan mit sämtlichen Themen und Meetings. Somit weiß ich den ganzen Tag über, ob ich zu einem eventuellen Einsatz fahren kann, oder eben die Themen in der Firma Priorität haben.
Am Montag war ich gegen 9.30 Uhr am PC, um organisatorische Tätigkeiten zu erledigen, welche nicht „auf die Minute“ fertig sein mussten, als sich mein Pager (Funkmeldeempfänger für Feuerwehreinsätze) bemerkbar machte. Nachdem ich die ersten Stichwörter „Brand Gewerbe/Industrie“ gelesen hatte, startete für mich der Einsatz. In diesem Fall spielen sich folgende Szenen ab: Computer sperren, den Kollegen kurz zurufen, dass ich zur Feuerwehr fahre, im Laufschritt zur Stempeluhr und abstempeln (Ehrenamt ist ja schließlich Freizeit), im Sprint zum Auto (so schnell es eben im nicht-aufgewärmten Zustand möglich ist, ohne eine Zerrung zu bekommen). Nun mit dem Auto zum Feuerwehrhaus fahren - an diesem Punkt hat man Zeit, seine Gedanken zu sortieren und sich auf den Einsatz einzustellen, denn auf dem Weg zum Feuerwehrhaus müssen auch wir uns an die StVO halten (auch wenn es nicht zur Senkung des Adrenalinspiegels beiträgt, wenn der Vordermann die Geschwindigkeitsbegrenzung exakt einhält).
Im Feuerwehrhaus angekommen teilt mich der anwesende Disponent je nach Erfordernis und vorhandener Ausbildung ein (Atemschutzträger, Kraftfahrer etc.). Am Montag war ich auf dem Tanklöschfahrzeug als Atemschutzträger eingeteilt. Die benötigte Ausrüstung wird bereits im Fahrzeug während der Anfahrt angelegt - ca. 25 Kilo. Weiters wurde uns noch im Feuerwehrhaus mitgeteilt, dass es sich um einen bestätigten Kellerbrand handelt.
Am Einsatzort bekamen wir vom Einsatzleiter umgehend unseren Auftrag: hinab ins Kellergeschoss und die bereits anwesenden Kameraden bei der Brandbekämpfung unterstützen. Durch den dichten Rauch betrug die Sichtweite stellenweise unter 1 Meter. So machten wir uns (ein Atemschutztrupp besteht aus drei Kameraden) mit der Wärmebildkamera auf die Suche nach dem Brandherd - was sich auf Grund der Größe und der Anzahl an Regalen im Keller äußerst herausfordern gestaltete.
Nach ca. 20 Minuten ist bei einem derartigen Einsatz die Atemluft verbraucht und die Mannschaft muss wieder aus dem Gebäude, um die Luftflaschen zu tauschen und eine kurze Verschnaufpause einzulegen. In dieser Zeit haben wir dem Einsatzleiter die aktuelle Situation im Keller geschildert, um die nächsten notwendigen Schritte setzen zu können. Nach diesem Schema waren zahlreiche Atemschutztrupps von den beteiligten Feuerwehren eingesetzt.
Durch die perfekte Zusammenarbeit aller beteiligter Kameraden konnte der Brand schließlich bekämpft werden, der Keller belüftet und die Decke gesichert werden. Diese war durch die hohen Temperaturen beschädigt, sodass an einigen Stellen bereits Risse und Abplatzungen festzustellen waren.
Nach 5,5 Stunden war der Einsatz für mich erledigt. Anschließend ging es wieder zurück in die Firma, um noch einige Themen für den nächsten Arbeitstag abzuklären. Einige Kameraden stellten noch eine stundenlange Brandwache.
In etwa so erging es an diesem Tag nicht nur mir, sondern ca. 100 freiwilligen Kameraden der umliegenden Feuerwehren. Weiters sind auch die Kollegen vom Roten Kreuz und der Polizei zur Stelle gewesen.
Das ist Ehrenamt - das ist unbezahlbar. In diesem Sinne grüße ich alle Gleichgesinnte, Förderer und Unterstützer diverser Hilfsorganisationen (und natürlich auch alle anderen)!
Leserbrief von René Leitner, Kommandant der FF Spielberg und Gastfeuerwehrmann der FF Vöcklabruck


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden