Cybercrime: „Was es im realen Leben nicht gibt, gibt es auch im Internet nicht“

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Martina Ebner Tips Redaktion Martina Ebner, 17.01.2022 16:30 Uhr

BEZIRK VÖCKLABRUCK. Während Einbrüche rückläufig sind, nehmen die Online-Betrügereien zu. Tips sprach mit Hans-Jürgen Hofinger vom Kriminalreferat der Bezirkspolizei über die besorgniserregende Entwicklung.

Tips:Was hat sich bei den Einbruchsdelikten verändert?

Hans-Jürgen Hofinger: Die Zahl der Wohnhauseinbrüche ist seit dem Lockdown massiv zurückgegangen. Gründe sind der Lockdown, die Grenzschließungen bzw. -kontrollen. Und die Leute haben zu Hause natürlich auch für Prävention gesorgt. Hingegen steigt der Cybercrime-Sektor: Hier spielt sich viel mehr ab – und zwar in den beiden Kategorien Betrug und Erpressung.

Tips: Welche Maschen haben die Betrüger?

Hofinger: Etwa Bestellbetrügereien auf Plattformen: Jemand verkauft etwas, das er nach der Zahlung nicht schickt. Oder jemand fällt auf ein Schnäppchen herein, das es gar nicht gibt. Oder es handelt sich um Anrufe von Support-Mitarbeitern, aber niemand von Firmen wie Microsoft oder einer Bank ruft persönlich an oder schickt eine SMS. Und den eigenen Bankberater kennt man ja ohnehin. Auch das Versprechen von Super-Zinssätzen bei Aktien oder Kryptowährungen muss misstrauisch machen. Bitte immer daran denken: Was es im realen Leben nicht gibt, gibt es auch im Internet nicht! Die Leute müssen einfach vorsichtiger werden, auch bei kleinen Beträgen.

Tips: Wie sollte man sich hier verhalten?

Hofinger: Die Telefonnummer aufschreiben und im Internet danach suchen. Da erfährt man meist schon sehr viel. Oder man ruft seine eigene Bank an und fragt, ob man wirklich angerufen wurde. Von Microsoft oder ähnlichen Firmen ruft niemand an, da kann man gleich auflegen. Bei Online-Angeboten: Im Internet die Preise vergleichen, bei den Plattformen selbst nachfragen oder den Verkäufernamen bzw. seine Telefonnummer googlen. Oft kommen da schon Warnmeldungen. Bei Käufen im Internet ist etwa die Zahlweise mit Paypal ein guter Zwischenschritt, ähnlich einer Sicherheitsstufe. Hier kriegt man teilweise das Geld zurück, wenn etwas nicht stimmt. Innerhalb weniger Stunden kann man auch versuchen, bei einer Bank eine Überweisung zurückholen zu lassen.

Erpressung nach sexuellen Handlungen

Tips: Auf welche Betrügereien fallen Menschen noch herein?

Hofinger: Ein wichtiger Punkt ist auch die sogenannte „Sextortion“, eine sexuelle Erpressung. Allein in diesem Monat gab es vier Fälle im Bezirk Vöcklabruck. Hier lernt man jemanden über das Internet kennen, bei Live-Chats oder über Videos kommt es dann zu intimen Handlungen an sich selbst. Wenig später kommt die Aufforderung, eine bestimmte Summe zu zahlen, sonst wird dieses Filmchen veröffentlicht.

Tips: Da versteht man natürlich, dass viele Personen sich schämen, zur Polizei zu gehen.

Hofinger: Wir unterliegen dem Datenschutz, von uns wird alles vertraulich und seriös behandelt. Ich kann nur jedem raten, in jedem Fall sofort zur Polizei zu gehen und kein Geld zu überweisen. Es gibt ja keine Garantie, dass man nicht wieder erpresst wird.

Tips: Viele fallen auch auf Heiratsschwindler im Internet hinein?

Hofinger: Auch das läuft in etwa immer gleich ab: Man lernt auf einer Plattform jemanden kennen, chattet ein paar Tage. Betrüger wissen genau, wie sie jemanden einwickeln können. Irgendwann kommt dann – aus verschiedensten Gründen, wie das Festsitzen im Ausland oder ein angeblicher Todesfall in der Familie oder was auch immer – die Frage nach Geld. So geht es los und wir haben Fälle, die steigern sich bis 100.000 oder 200.000 Euro. Und die Leute glauben immer noch, dass diese Beziehung echt ist. Opfer sind meist zu unvorsichtig und zeitweise auch naiv.

Tips: Was raten Sie in solchen Fällen?

Hofinger: Bitte immer daran denken: Könnte mir das in der wirklichen Welt auch passieren? Verliebt sich eine wunderhübsche Frau oder ein außerordentlich fescher Mann in mich? Warum sollte sie? Würde ich diesem Menschen, ohne dass ich ihn persönlich getroffen habe, Geld leihen? Bitte Hausverstand einschalten, denn in diese Falle tappen Mann und Frau gleichermaßen. Ein guter Rat ist auch, mit Familie und Freunden darüber zu sprechen und zu fragen, ob das möglich ist. Man kann auch bei der Bank – gerade vor einer größeren Überweisung – um Rat fragen.

Tips: Es gibt aber auch noch einen anderen Bereich von Cybercrime, der sehr aktuell ist.

Hofinger: Gerade in der Corona-Zeit werden oft Drohungen, Nötigungen, Beschimpfungen oder Beleidigungen in Internetforen oder in Chatgruppen verschickt. Auch das unterliegt dem Strafgesetz. Den Leuten muss klar sein, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und sie nicht beeinflussen können, was der Empfänger der Nachrichten damit macht oder an wen er sie weiterleitet. Auch der Weiterleiter macht sich übrigens strafbar. Das Internet, Foren und Chats sind kein straffreier Raum.

Tips: Wie stellt sich die Polizei auf diese Veränderungen ein?

Hofinger: Im Bezirk Vöcklabruck haben wir bereits eine Cybercrime-Gruppe gebildet, auf jeder Polizeiinspektion gibt es ein bis zwei Leute, die speziell ausgebildet werden. Wir haben auch schon zwei Datenforensiker im Bezirk, treffen uns regelmäßig zu Schulungen, lernen neue Zugänge, vernetzen uns mit anderen Dienststellen und Ländern.  Je zeitnaher angezeigt wird, desto eher werden wir den Täter erwischen. Gerade im Bereich Cybercrime könnte man mit Aufklärung und Prävention viel verhindern.

 

 

Wohnhaus- und Wohnungseinbrüche im Bezirk Vöcklabruck:

Von Sept bis Jänner 19/20: 43

Von Sept bis Jänner 20/21: 16

Von Sept bis Jänner 21/22: 12

Strafbare Handlungen mit Cybercrimebezug:  

Seit 1. Oktober 2021: 44 Betrugshandlungen und neun Erpressungen

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