Diözese: Pfarrgemeinderäte stellten sich den Wahlen
BEZIRK VÖCKLABRUCK. Oberösterreichs Katholiken wählten ihre Vertreter in die Pfarrgemeinderäte (PGR). Die gewählten Frauen und Männer aller Altersgruppen gestalten das Leben und die Entwicklung ihrer Pfarrgemeinde in den kommenden fünf Jahren wesentlich mit.

Rund 7.000 Menschen stellten sich der Wahl zum Pfarrgemeinderat. Bei einem Auszählungsgrad von 86 Prozent gibt es ein vorläufiges Endergebnis: Fast 100.000 Wahlberechtigte haben in den bisher ausgezählten Pfarren ihre Stimme bei der Pfarrgemeinderatswahl in Oberösterreich abgegeben und knapp 4.800 Pfarrgemeinderäte gewählt. Die prozentuelle Wahlbeteiligung liegt damit bei rund 16 Prozent. Etwa jeder sechste Katholik beteiligte sich an der Wahl. Die Diözese Linz liegt damit im Österreich-Ranking hinter den Diözesen Eisenstadt (20 Prozent) und St. Pölten (18 Prozent) auf Platz 3. „Dieses Ergebnis ist eine gute Rückendeckung für die neuen PfarrgemeinderätInnen. Wir können mit dieser Pfarrgemeinderatswahl zufrieden sein“, sagt Beate Schlager-Stemmer, Referentin für Pfarrgemeinderäte in der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität.
Pfarrgemeinderäte erhöhten die Mitgliederzahl
Auch nach zwei Corona-Jahren und einer von der Pandemie geprägten Wahlvorbereitung konnten die Pfarrgemeinderäte ihre Mitgliederzahl erhöhen. „Es wurde damit gerechnet, dass wir von 2022 bis 27 kleinere Pfarrgemeinderäte in Oberösterreich haben werden. Dem ist nicht so. Wir haben bei einem Auszählungsgrad von 86 Prozent schon mehr Gewählte als bei der Wahl 2017 nach der vollständigen Auszählung, nämlich rund 4.800 Frauen und Männer“, freut sich Schlager-Stemmer.
Höherer Frauenanteil sowie mehr Neugewählte
Die Frauen in den Pfarrgemeinderäten sind weiter auf dem Vormarsch. Lag der Frauenanteil bei den gewählten Pfarrgemeinderäten im Jahr 2017 bei 57 Prozent, so sind 2022 insgesamt 64 Prozent Frauen. Auch der Erneuerungsgrad ist 2022 höher als 2017: Waren vor fünf Jahren knapp 45 Prozent der Gewählten zum ersten Mal im Pfarrgemeinderat, so sind es 2022 über 47 Prozent. Besonders viele Mitglieder habe unter anderem der Pfarrgemeinderat Timelkam (21 Gewählte von insgesamt 27 Mitgliedern).
Pfarrgemeinderäte gestalten Veränderungen aktiv mit
Bischof Manfred Scheuer bedankte sich bei all jenen, die sich mit ihrer Stimme bei der Pfarrgemeinderatswahl für eine lebendige Kirche am Ort eingesetzt sowie bei jenen, die die Wahl vorbereitet und durchgeführt hatten. Weiter sagte er: „Mein besonderer Dank gilt jenen Engagierten, die bei der Pfarrgemeinderatswahl kandidiert haben. Pfarrgemeinderatsmitglieder geben der Kirche am Ort ein konkretes Gesicht und verleihen dem Evangelium Mund, Hand und Herz. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass die Kirche am Ort nah bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft ist. Auch in den neuen Pfarrstrukturen bleiben sie von großer Bedeutung – sie treffen Richtungsentscheidungen und gestalten Veränderungen aktiv mit. Für die nächsten fünf Jahre und die anstehenden Aufgaben wünsche ich viel Freude, Zuversicht und Gottes Segen.“
Die Wahl in Zeiten der Pandemie
Schlager-Stemmer erzählt: „Die vergangenen zwei Jahre im Zeichen von Corona haben die Wahl und vor allem die Kandidatenfindung, die in die Zeit des Lockdowns fiel, stark beeinflusst. Es war nicht immer möglich, mit Menschen in herkömmlicher Form in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig entstanden während der Corona-Pandemie neue Formen kirchlichen Lebens und gemeinschaftlicher Kommunikation am Ort. Es ist dem großen Engagement der 3.000 Frauen und Männer in den PGR-Wahlvorbereitungsgremien zu verdanken, dass die Wahlbeteiligung zufriedenstellend ist.“ Gewählt zur werden bedeute für die PGR-Kandidaten Wertschätzung und Unterstützung. Monika Heilmann, Leiterin der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität, ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Pfarrgemeinderäte werden das pfarrliche Leben gestalten und prägen. Sie übernehmen für fünf Jahre Aufgaben in der Koordination der verschiedenen gemeinschaftsstiftenden Aktivitäten, treffen notwendige Entscheidungen im Bereich der Seelsorge sowie bezüglich der Verwaltung und pfarrlicher Bauprojekte. Im Pfarrgemeinderat wirken die gewählten, ehrenamtlichen Frauen und Männer gemeinsam mit den hauptamtlichen Seelsorgern und Priestern für eine lebendige Kirche am Ort.“ Die Umsetzung der Pfarrstrukturreform, die bereits in vollem Gang sei, erfordere die aktive Beteiligung der Pfarrgemeinderäte, so Heilmann: „Konkret bedeutet das, dass Seelsorgeteams aufgebaut werden und in der neuen, größeren Pfarre ein gutes Zusammenspiel aller pastoralen Orte entwickelt wird.“ „Die Pfarrgemeinderatswahl ist ein starkes Zeichen, dass Menschen die Kirche am Ort mittragen“, betont Slawomir Dadas, Generaldechant, Pfarrer in Wels-Hl. Familie und Pfarrprovisor in Gunskirchen. Er sei stolz auf jene Frauen und Männer, die in gesellschaftlich und kirchlich bewegten Zeiten bereit seien, „als Zeugen der Botschaft vom liebenden, barmherzigen Gott aufzutreten und gemeinschaftsstiftend zu arbeiten“. Durch die Corona-Pandemie seien Menschen aus ihrer bisherigen Verankerung in den Gemeinschaften herausgefallen, die Kluft zwischen gesellschaftlichen Gruppen habe sich verstärkt. Innerkirchliche Krisen und Missstände hätten vielfach das Vertrauen in die Institution Kirche beschädigt. Umso erfreulicher sei, dass Frauen und Männer aller Altersgruppen dennoch bereit seien, sich ehrenamtlich in den Pfarren zu engagieren. Dadas erzählt: „Es gibt genug Menschen, die sagen: ‚Weil die Zeit so herausfordernd ist, möchte ich dabei sein, um beim Aufbau der Gemeinschaft mitzuhelfen‘. ‚Weil die Gemeinschaften bedroht sind, möchte ich dabei sein, um zu zeigen, dass wir als Kirche am Ort darum bemüht sind, die Botschaft Jesu zu leben und nicht zu verdunkeln.‘ ‚Weil die Menschen gegeneinander aufgehetzt wurden, möchte ich dabei sein, um an einem neuen Stil des gemeinsamen Lebens zu arbeiten, um zum Frieden, zu mehr Verantwortung füreinander beizutragen.‘“
Über Pfarrgemeinderatswahlen
Die Pfarrgemeinderäte sind ein Ergebnis des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Die Linzer Diözesansynode (1970-1972) verfasste ein Statut, eine Geschäftsordnung und eine Wahlordnung, die mit Überarbeitungen bis heute Gültigkeit haben. Als erster Wahltermin in der Diözese Linz gilt der 8. April 1973. Seit 1987 wird österreichweit alle fünf Jahre zu einem gemeinsamen Termin gewählt. 2022 war die elfte Pfarrgemeinderatswahl der Diözese Linz.


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