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SEEWALCHEN/SCHÖRFLING/A. Der Seeparksaal in Kammer platzte förmlich aus allen Nähten, so groß war das Interesse beim Vortrag über den Tourismus „Attersee im Aufschwung“. Es war ein informativer, unterhaltsamer und überaus kurzweiliger Abend - auch dank der Akteure.

v.l.: Alwis Wiener, Evelyn Obermaier, Peter Pohn, Eugen Victor und Liane Löcker (Foto: Verein Klimt am Attersee)

Alwis Wiener kennt den Attersee und seine Geschichten wie kein Zweiter. Der „Geschichtensammler vom Attersee“, wie Obfrau Evelyn Obermaier vom veranstaltenden Verein Klimt am Attersee in nannte, öffnete sein Foto- und Filmarchiv mit richtigen Schätzen, die zum Schmunzeln anregten. Der Ottnanger Historiker und Journalist Peter Pohn hatte Interviews mit Zeitzeugen geführt, die von der Schauspiel-Legende Eugen Victor sehr überzeugend zum besten gegeben wurden. Schließlich ließ die Sängerin und Autorin Liane Löcker den Attersee, beziehungsweise die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs mit Zieharmonika und Gesang auch akustisch hörenswert erklingen.

US-Soldaten ließen am 24. Dezember 1945 das damalige Hotel Attersee am dortigen Landungsplatz abbrennen. Es gab die lapidare Durchsage: „Fire on the third flour, let's go.“ Auch der Dampfer Unterach überlebte den rüden Umgang der GI's nicht. Nach dem Krieg herrschte ein Lechzen nach Erholung. Feriengäste trugen auch am Attersee nicht unerheblich zum Wirtschaftsaufschwung teil. Die Villenbesitzer hatten Gemüse angebaut, die ansässige Bevölkerung vermietet die kleinsten Zimmer, geschlafen wurde am Dachboden, Heuboden und in der Waschküche. Die Frauen betreuten die Gäste, es war ein guter Zuverdienst. Viele Männer waren in der Lenzing AG tätig, der gute Verdienst und zinsenlose Baudarlehen befeuerten die Bautätigkeit. Die Ausstattung von Fremdenzimmern war auf einmal gefragt. Die Tischlereien Aigner in Seewalchen und Hummelbrunner in Seefeld spezialisierten sich auf die Ausstattung von Zimmern. Triebfedern des Aufschwungs waren auch die erflogreichen Schuh-Firmen Kastinger in Seewalchen und Oswald in Straß. Kastinger war übrigens die erste Firma, die einen Container mit 35.000 Paar Schischuhen in die USA verschiffte. In weiterer Folge entstehen am Attersee Campingplätze. Italien bleibt als Reiseziel für viele ein Traum, bei den Deutschen ist der Attersee sehr beliebt. Das Gepäck wird von den Kindern mit Leiterwägen abgeholt. Freundschaften zwischen den Gastfamilien und Urlaubern entstehen, alles ist der familiär. Den Gästen wird immer mehr geboten. In den 60iger Jahren entstehen Komfortzimmer mit WC und Dusche. Auch die Wirtshäuser erleben einen Ansturm und in den Orten entstehen Krämereien, die auch Souvenirs verkaufen. Das Wetter war damals noch anders. 1963 war der Attersee komplett zugefroren, im Sommer regnete es oft anhaltend. Schlechtwetterprogramme wurden entwickelt. Für Erwachsene gab es Tagesausflüge, für Kinder Bastelnachmittage. Die Touristen am Attersee ärgerte der schlechte Empfang des damals aufkommenden Fernsehens. Auf der Eisenau wurde ein Sendemast gebaut, Problem gelöst. Strandbäder entstehen am Attersee. Die Autos werden mehr, Anfang der 60iger Jahre wird die Autobahn fertig gestellt. Der Attersee wird damit natürlich leichter erreichbar. Seewalchen warb sogar mit der längsten Autobahnauffahrt Österreichs. Urlaub am Attersee kann über Reisebüros im Ausland gebucht werden. Die Gäste finden Unterhaltung bei Heimatabenden, Waldfesten und in Diskotheken. 1965 verzeichnet man am Attersee eine Million Nächtigungen. Negative Nebenwirkung: Die Senkgruben gehen über, die Entsorgung in den See hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Kanal-Seeleitung wird in den 70iger Jahren gebaut, die Fäkalien wurden abgeführt - eine Entscheidung mit Weitblick. Anfang der 80iger Jahre gibt es dann immer mehr Konkurrenz durch den aufkommenden Flugtourismus. Dafür entstehen Ferienwohnungen und Zweitwohnungen.

Das Zusammenspiel von alten Foto- und Filmaufnahmen, gelungenen Kommentaren, teils erheiternden Zeitzeugeninterviews und schwungvollen Evergreens machten den Vortragsabend so erlebenswert.


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