Tiefenwasser aus dem Attersee soll die Ager an Hitzetagen kühlen
SCHÖRFLING/LENZING. Steigende Wassertemperaturen setzen der Ager zu. Ein bewilligtes Projekt soll künftig an wenigen heißen Tagen gezielt für ökologische Entlastung sorgen.

In der Region wird das Vorhaben bereits intensiv diskutiert, nun liegen konkrete Fakten vor. Der Wasserreinhaltungsverband Lenzing – Lenzing AG hat von den zuständigen Behörden des Landes Oberösterreich die Genehmigung erhalten, ein Ansaug- und Leitungssystem zu errichten, mit dem an besonders heißen Sommertagen kaltes Tiefenwasser aus dem Attersee in die Ager eingemischt werden kann. Ziel ist es, kritische Temperaturspitzen im Fluss zu vermeiden und die ökologische Stabilität langfristig zu sichern.
Kühlung ausschließlichfür den Gewässerschutz
Sobald die Wassertemperatur im Auslauf des Attersees 24 Grad erreicht, wird Wasser aus rund 50 Metern Tiefe entnommen. Dieses etwa fünf Grad kalte Tiefenwasser wird vor der Klauswehr in die Ager geleitet und dort mit dem wärmeren Oberflächenwasser vermischt. So bleibt die Temperatur der Ager unterhalb der Einleitung unter 26 Grad.
Laut Projekt dient diese Maßnahme ausschließlich dazu, die Ager ökologisch zu stabilisieren – nicht zur Kühlung eines Industriestandorts. Die Wassermenge und der natürliche Abfluss des Attersees bleiben unverändert.
Untersuchungen erwarten keine negativen Folgen für die Gewässerökologie. Die Stabilisierung der Temperatur soll vielmehr helfen, einen guten ökologischen Zustand der Ager zu sichern. Das Europaschutzgebiet Mond- und Attersee gilt weiterhin als unbeeinträchtigt. Während der Bauphase sind Schutzmaßnahmen vorgesehen, außerdem bestehen Absprachen mit Fischereiberechtigten über mögliche Einschränkungen.
Klimawandelerhöht Druck auf Flüsse
Aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzressorts des Landes steht das Projekt im Zusammenhang mit steigenden Sommertemperaturen in Fließgewässern. Die Ager erreicht bereits heute Werte, die empfindliche Fischarten belasten und die ökologische Qualität verschlechtern können. Die geplante Einleitung kühlen Tiefenwassers soll dieser Entwicklung an wenigen Tagen im Jahr entgegenwirken, den Fluss ökologisch entlasten und damit auch im öffentlichen Interesse liegen. Gleichzeitig wird darin ein Beitrag zur Standortsicherung der Industrie und zu bestehenden Arbeitsplätzen gesehen. „Die Lenzing AG betreibt in Lenzing ein Werk mit Kühlwasserbedarf.
Gereinigte, erwärmte Wässer gelangen in die Ager, die im Sommer bereits hohe, durch den Klimawandel verstärkte Temperaturen aufweist. Das belastet Fischarten und verschlechtert die ökologische Qualität. Geplant ist daher, an wenigen Tagen kühles Tiefenwasser aus dem Attersee einzuleiten, um den Fluss abzukühlen, ökologisch zu entlasten, die Gewässer zu schützen sowie Standort und Arbeitsplätze zu sichern“, sagt der grüne Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
Infoveranstaltung für Anrainer vor Baustart
Alle erforderlichen Bewilligungen – vom Wasserrecht über den Naturschutz bis hin zum Bundesdenkmalamt – liegen bereits vor. Errichtet werden ein Ansaugbauwerk, eine Ansaugleitung, eine Pumpanlage, eine Ausströmleitung sowie ein Auslaufbauwerk. Die Bauarbeiten dürfen ausschließlich zwischen Oktober und März durchgeführt werden, derzeit ist der Start für Oktober 2026 geplant.
Vor Beginn der Arbeiten ist zudem eine Informationsveranstaltung für Anrainer in Schörfling und Seewalchen vorgesehen.


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