"Hier muss ich mich nicht verstellen"
VÖCKLABRUCK. Nach einer langen Planungs- und Konzeptionsphase hat der psychosoziale Treffpunkt von pro mente in der Industriestraße eine neue Bleibe gefunden. Das niederschwellige Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen präsentierte sich bei einem Tag der offenen Tür.

Viele Jahre gab es in der Gmunder Straße das so genannte „Clubhaus“ von pro mente. Das in die Jahre gekommene Gebäude war für einen offenen Treffpunkt ungeeignet geworden, weshalb ein neuer Standort gesucht und in den ehemaligen Räumlichkeiten der Volkshilfe gefunden wurde. „Es war ein langer Weg, aber wir freuen uns, dass wir im Frühsommer gut starten konnten. Ein besonderes Schmankerl für alle ist die gemütliche Sonnenterasse“, freut sich Valentin Schweitzer, pro mente Regionalleiter Traunviertel-Salzkammergut.
Niederschwelliges Angebot
Der psychosoziale Treffpunkt ist eine niederschwelliges Angebot, das die Besucher - also die Menschen mit psychischen Erkrankungen - frei zugänglich nutzen können. Von Montag bis Donnerstag ist ab acht Uhr qualifiziertes Personal vor Ort; die Besucher können bis 16 Uhr (Donnerstag bis 14 Uhr) jederzeit kommen. „Die Menschen werden bei uns so angenommen wie sie sind. Es wird nichts von ihnen erwartet. Wir sind da, wenn wir gebraucht werden, aber wir fordern nichts ein“, erklärt Thomas Fehringer, Teamleiter des psychosozialen Treffpunkts.
Kostengünstiges Mittagessen
Im psychosozialen Treffpunkt gibt es einen Begegnungsraum, in dem kostengünstig zu Mittag gegessen werden kann. Etwa 15 bis 20 Personen nutzen täglich das Essensangebot; insgesamt gibt es etwa 30 bis 40 Besucher, die mehr oder weniger regelmäßig im Treffpunkt vorbeikommen. Die Mitarbeiter von pro mente stehen als Ansprechpersonen zur Verfügung und vermitteln an andere Stellen, wenn weitere Hilfe benötigt wird.
Antrieb oft stark eingeschränkt
Für viele Menschen mit psychischen Krankheiten ist die Aussicht auf ein warmes Essen überhaupt der Grund, aufzustehen und zum Treffpunkt zu kommen. „Der Antrieb, aktiv zu sein und etwas zu erledigen, kann oft stark eingeschränkt sein. Der Mut und die Kraft, Hürden zu überwinden, fehlt mitunter. Sich aktiv um Hilfe zu bemühen und für das eigene Leben zu sorgen - dafür ist oft zu wenig Energie und innere Struktur vorhanden. Die Folgen sind Einsamkeit, Notsituationen oder Mängel in der Alltagsversorgung“, schildert Fehringer.
Wirkungsvoll gegen Einsamkeit
Die unterschiedlichen Begegnungen im Treffpunkt wirken sich positiv auf die psychische Gesundheit der Besucher aus. Sie sind ein wirkungsvolles Mittel gegen Einsamkeit, unter der besonders psychisch erkrankte Menschen oft stark leiden. „Man braucht sich im Treffpunkt nicht zu verstellen oder zu verstecken. Man kann so sein wie man ist, das ist ein schönes Miteinander“, erzählt Besucherin Verena Tomek.
Ehrenamtliche gesucht
Beim Tag der offenen Tür präsentierte Besucher Walter Müller einige Gedichte aus seinem Buch „Gedankensplitter“. Für den 69-Jährigen ist das Schreiben seine Art der Problembewältigung, die ihn psychisch stabil hält. Zahlreiche Gäste kamen vorbei, um die neuen Räumlichkeiten kennenzulernen.
Das Team des psychosozialen Treffpunkts sucht dringend Ehrenamtliche, um die Öffnungszeiten erweitern zu können. Interessierte können sich bei Regionalleiter Valentin Schweitzer unter 0664 8224994 oder unter schweitzerv@promenteooe.at melden.


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