Bezirk: Insolenzstatistik erstes Halbjahr 2015
BEZIRK. Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die Zahlen der Insolvenzentwicklung für das erste Halbjahr 2015 erhoben. Im Bezirk Waidhofen stiegen die Firmeninsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr um 33,3 Prozent, die Privatinsolvenzen haben sich hingegen halbiert (- 50 Prozent).

Insgesamt wurden im Bezirk im ersten Halbjahr vier Unternehmen insolvent, ein Plus von eins. Die Zahlen bei den Privatinsolvenzen sind weniger aussagekräftig: Diese sanken um 50 Prozent auf eine.
Österreich: 21 Firmeninsolvenzen pro Werktag
Die endgültigen Zahlen der Creditreform Firmeninsolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2015 zeigen einen weiteren Rückgang bei der Zahl der Firmeninsolvenzen um minus 11,1% auf 2.610 Verfahren. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist dabei um 8,4 Prozent auf 1.528 Fälle, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen um 14,6 Prozent auf 1.082 gesunken. Bei allen Insolvenzverfahren waren in Summe rund 8.000 Arbeitsplätze betroffen, die Insolvenzverbindlichkeiten betrugen ca. 860 Mrd. Euro. Bemerkenswert ist der überdurchschnittliche Rückgang bei den Sanierungsverfahren, denn nur noch 14 Prozent aller Insolvenzverfahren werden als Sanierungsverfahren eröffnet. Das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung (durch den Schuldner) mit einer Mindestquote von 30 Prozent droht das Schicksal mit dem alten Ausgleichsverfahren zu teilen und zum toten Recht zu werden.
Den größten Rückgang verzeichneten die Bundesländer Vorarlberg (-36,8%), Tirol (-35,0%) und Oberösterreich (-21,8%), den geringsten Wien (-3,6%), die Steiermark (-5,6%) und Niederösterreich (-5,7%).
Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit zehn Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit wurden im Durchschnitt sieben Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.
„Die Ursachen für diese aktuelle Entwicklung sind vielschichtig. Die Banken haben billiges Geld zu Verfügung und investieren viel in die Kreditrestrukturierung ihrer Klientel. Dem Vernehmen nach soll es mehr als viermal so viele außergerichtliche Restrukturierungs- und Sanierungsverfahren als Insolvenzen geben. Öffentliche Gläubiger verhalten sich zudem zurückhaltender bei der Stellung von Insolvenzanträgen. Dazu kommt ein schwaches Unternehmensgründungsgeschehen: weniger neue Unternehmen bedeuten auch weniger Auslese durch Insolvenzen. Österreichs Unternehmen verfügen zudem über einen im europäischen Vergleich überdurchschnittlichen Kapitalpolster. Man agiert einfach vorsichtiger und hat weniger und geringere offene Forderungen beim Lieferanten bzw. kürzere Außenstandszeiten. Sie haben im Großen und Ganzen ihr Risikomanagement den volatilen Zeiten angepasst,“ informiert Gerhard M. Weinhofer vom Gläubigerschutzverbands Creditreform.
41 Privatinsolvenzen pro Werktag
Die endgültigen Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2015 zeigen weiter, dass sich der im 1. Quartal eingesetzte Trend weiter verstärkt. Die Insolvenzen von Privatpersonen steigen nach Jahren des Rückganges in Summe wieder kräftig an: Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist in Österreich um fast 5 Prozent auf 4.432 Verfahren gestiegen. Die Durchschnittsverschuldung in Privatinsolvenzen betrug über 70.000 Euro. Hauptgläubiger sind Banken, Versicherungen, Mobilfunkbetreiber und Leasingunternehmen.
Dazu Creditreform-Geschäftsführer Rainer Kubicki: „Die steigende Arbeitslosigkeit und die maue Konjunktur machen sich in der Insolvenzstatistik bemerkbar. Vor allem gescheiterte Unternehmer, welche ein knappes Drittel der Insolvenzen ausmachen, tragen zum Zuwachs bei.“
Ein Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt ein unterschiedliches Bild. Während Niederösterreich (+13,1%), Wien (+12,3%) und Salzburg (+7,2%) große Zuwächse verzeichnen, gehen in der Steiermark (-16,3%), im Burgenland (-15,8%) und in Tirol (-7,0%) die Insolvenzen stark zurück.
Mit fast 16 von 10.000 erwachsenen Personen sind die Wiener doppelt so stark von einer Insolvenz betroffen als der österreichische Durchschnitt mit rund acht von 10.000 zahlungsunfähigen Erwachsenen.
„Als Interessensvertreter der Gläubiger fordert Creditreform schon seit Jahren mehr finanzielle Allgemeinbildung, da diese zu mündigen, selbstverantwortlichen Bürgern führt und Überschuldungskarrieren und rasches Scheitern als Selbstständige verhindern kann. Daher schließt sich Creditreform der Forderung der Schuldnerberatungen nach einem Pflichtschulfach vollinhaltlich an. Information und Bildung sind die besten Präventionsmaßnahmen,“ sagt Gerhard M. Weinhofer.


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