Auslandssemester: Auf geschichtlicher Spurensuche und der Frust über die Korruption
WELS/CLUJ. Die Studentin Lisa Hackl verbringt ein Auslandssemester in Rumänien. In regelmäßigen Abständen schickt die Studentin der Kommunikationswissenschaften und Geschichte Berichte an die Tips-Redaktion.

Nach einem kalten März ist im April endlich der Frühling eingezogen. Dies nutzen ich und die anderen Erasmus-Studenten, indem wir so viel wie möglich durch das restliche Land reisen. Nach Ausflügen an die ungarische Grenze nach Oradea und in die Karpatenregion in der Nähe von Sibiu (Hermannstadt) und Brasov (Kronstadt) offenbart sich neben den wunderschönen mittelalterlichen Altstädten dieser Städte auch die, besonders um diese Jahreszeit, herrliche Natur. Grüne, sanfte Hügel, durchbrochen von hellen, blühenden Bäumen, machen Rumänien um diese Jahreszeit sehenswert.
In allen Teilen Transsylvaniens bemerke ich, wie sehr die verschiedenen Bevölkerungsgruppen das Land in der Vergangenheit geprägt haben. Spuren der vielen ungarischen und deutschen Siedler finden sich in Inschriften, Ortsbezeichnungen und Baustilen wieder. Um diese sehr vielfältige Geschichte zu verstehen, kann ich mein Geschichtsstudium sehr gut nutzen.
Stolz auf die EU
Bei Spaziergängen durch die Stadt, bei Autofahrten durchs Land oder bei Zugfahrten in die Umgebung fällt mir immer wieder eine Sache auf: Die Rumänienflagge weht auf vielen Häusern und Plätzen im Land. Meistens aber begleitet von einer EU-Flagge.
Für mich sind Flaggen, abgesehen von Nationalfeiertagen und Skirennen ein ungewohnter Anblick, ich habe mich deshalb gefragt, ob die Rumänen ganz besonders stolz sind, nicht nur auf ihr eigenes Land, sondern auch auf die Mitgliedschaft in der EU. Bei Gesprächen mit jungen Leuten wurde mir erklärt, dass das zumindest teilweise stimmt. Die Rumänen sind frustriert von den korrupten Politikern im Land. Bei den Wahlen 2016 lag die Wahlbeteiligung unter 40 Prozent.
Nach der Wende
Fast alle Politiker, von denen ich in den vergangenen Monaten gehört habe, haben in irgendeiner Form mit Korruption zu tun. Für viele, besonders für junge Menschen, ist die EU eine Möglichkeit, endlich gegen das korrupte System anzukämpfen und ein demokratischeres System zu installieren. Ein junger Mann, mit dem ich gesprochen habe, meinte jedoch, Rumänien müsse noch viel aufholen, um sich den EU-Standards anzugleichen, was ebenfalls schwierig wäre. Er verglich Rumänien in der EU mit einem Kind unter Erwachsenen, das sich stetig bemühen muss, aufzuholen. Insgesamt können die Rumänen wohl nicht nur auf die EU stolz sein, sondern auch auf die große Veränderung, die sie in den vergangenen Jahren seit der Wende durchgemacht haben.


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