Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

WELS. Der Ärztliche Leiter des Klinikums Wels-Grieskirchen, Dr. Thomas Muhr und Dr. Monika Steinmaurer, Oberärztin an der Abteilung für Lungenkrankheiten (Covid-Station), stellte sich den Fragen der Tips Redaktion.

„Nach mehr als 20 Monaten Pandemie kann man sich vorstellen, dass die Belastung enorm ist und die Situation eine schwierige“, sagt der ärztliche Leiter des Klinikums Wels Grieskirchen, Thomas Muhr. (Foto: Klinikum)

Tips: Die Corona-Zahlen steigen und damit auch die Belastung im Klinikum. Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Dr. Muhr: Nach mehr als 20 Monaten Pandemie kann man sich vorstellen, dass die Belastung enorm ist und die Situation eine schwierige. Wir geben unser Bestes, um die Situation zu meistern. Unsere Mitarbeiter sind weiterhin hoch motiviert und sehr flexibel.

Tips: Ist das Welser Klinikum am Limit?

Dr. Muhr: Das Klinikum nicht, der limitierende Bereich sind – wenn die Entwicklung so weitergehen würde – die Intensivbetten. Wir müssen unsere Ressourcen laufend koordinieren, um auch die Versorgung akuter und dringlicher Operationen sicherstellen zu können.

Tips: Es ranken sich ja viele Gerüchte und Meinungen vor allem von Nicht-Medizinern über die Behandlung. Was passiert jetzt genau mit den Patienten im Klinikum von der Betreuung bis hin zur Medikation?

Dr. Muhr: Wir behandeln unsere Patienten nach aktuellem medizinischen Wissensstand mit Berücksichtigung neuester Studien. Gerüchte und Empfehlungen von Nicht-Medizinern sind entbehrlich und möchte ich nicht kommentieren.

Dr. Steinmaurer zur Behandlung: Je nachdem, wie lange die Infektion schon zurückliegt beziehungsweise wie lange schon Symptome bestehen, erhalten die Patienten unterschiedliche Medikamente. In der Frühphase versuchen wir einen schweren Verlauf durch virushemmende Substanzen zu verhindern. Ein wirklich gutes, breit einsetzbares Medikament gibt es da aber leider noch nicht. Meist ist bei unseren stationären Patienten die Krankheit schon weiter fortgeschritten. Es wird dann Kortison und manchmal zusätzlich ein Antibiotikum verabreicht. Viele Patienten benötigen Sauerstoffzufuhr, manchmal in hoher Menge bis zur Notwendigkeit einer Maskenbeatmung oder Intubation. Dazu müssen sie auf die Intensivstation verlegt werden. Daher ist eine engmaschige Kontrolle der wichtigen Werte wie Sauerstoffgehalt im Blut, Blutdruck und Puls auf den Covidstationen wichtig, um den richtigen Zeitpunkt für die Überstellung zu finden oder im besten Fall dies zu verhindern. Andere häufige Symptome sind Übelkeit, Durchfall, Husten, Schmerzen und Fieber. Diese Symptome und auch Verschlechterungen von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herzerkrankungen werden mit bewährten Medikamenten behandelt.

Tips: Wie ist generell der Alltag? Wie viele OP‘s müssen verschoben werden beziehungsweise schafft man noch den Spagat zwischen Versorgung der Patienten generell?

Dr. Muhr: Derzeit werden rund 50 Prozent der planbaren Operationen verschoben. Mit den einzelnen Fachdisziplinen versuchen wir eine Priorisierung der Dringlichkeit einzelner Eingriffe vorzunehmen. Um ein Beispiel zu nennen: Bei einer freien Intensivposition würden wir eine dringliche Herzoperation einem größeren planbaren orthopädischen Eingriff vorziehen – diese Abwägung erfolgt aber immer im Konsens nach medizinischer Einschätzung.

Tips: Jetzt kommt der nächste Lockdown. Welche Maßnahmen muss die Politik jetzt setzen auch im Hinblick auf die kommenden Monate?

Dr. Muhr: Es braucht klare, gut kommunizierte Regelungen, um die Infektionszahlen möglichst rasch zu senken. Weiters ist es unbedingt notwendig, die Impfquote deutlich zu steigern. Mein Appell: Lassen Sie sich bitte impfen!


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden