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Krieg in der Ukraine: „Das Herz rast richtig, wenn dann neue Nachrichten eintreffen“

Gerald Nowak, 01.03.2022 07:12

WELS. Stefan Haböck saß für die Volkspartei lange Zeit im Gemeinderat. Unter anderem als Vorstand der Ukrainian-Austrian-Association in Kiew und als Paneuropäer hat er starke persönliche Verbindungen zur Ukraine.

Stefan Haböck hält weiter Kontakt in die Ukraine. (Foto: privat)
Stefan Haböck hält weiter Kontakt in die Ukraine. (Foto: privat)

Tips: Ganz ehrlich wie geht es Ihnen, wenn sie die Bilder aus der Ukraine sehen?

Haböck: Es ist ein Alptraum. Der Schock sitzt tief. Freunde und Bekannte sind auf der Flucht oder im Einsatz. Plätze, an denen man schöne Zeiten verbracht hat, stehen unter Raketenbeschuss. Man liest viel über den Krieg in der Welt, viele Österreicher haben Bekannte, die aus den Balkankriegen geflohen sind. Aber man selbst hat es nie erlebt. Und wenn der Krieg plötzlich so nahe in das eigene Leben herantritt, wird man brutal in die Realität geholt.

Tips: Sie waren mehrmals in der Ukraine. Können Sie uns die momentane Situation beschreiben, wie es den Menschen dort geht?

Haböck:Gemischt. Einerseits sind die Menschen natürlich verzweifelt, ihr Leben, ihre Heimat ist bedroht. Frauen mit Kindern übernachten in Bunkern, während die Väter und Söhne kämpfen. Andererseits haben die Menschen in Osteuropa einen unglaublichen Willen zur Freiheit. Ich halte sie gerade für die mutigsten Menschen, die ich jemals getroffen habe und habe tiefsten Respekt für sie.

Tips: Gibt es noch Kontakt zu ihren Kollegen und Freunde?

Haböck:Ja. Man informiert über Entwicklungen, man fragt, ob sie in Sicherheit sind, wie man helfen kann, ob niemand verletzt ist. Das Herz rast dann richtig, wenn neue Nachrichten eintreffen. Das wichtigste: Bisher sind alle gesund und am Leben.  

Tips: Präsident Selenski ruft die Männer auf ihre Heimat zu verteidigen. Viele kommen dem Ruf nach, wie geht es den Freunden?

Haböck: Die Männer zwischen 18 und 60 müssen ja durch die Generalmobilmachung im Land bleiben. Väter bringen ihre Frauen und Kinder an die Grenze in Sicherheit und kehren dann zurück in ihre Stadt, um zu verteidigen. Es ist herzzerreißend. Manche Jüngere fuhren zum Beispiel zu ihren Großeltern, die ihre Heimatgemeinde im hohen Alter nicht verlassen wollen, um diese nicht allein zu lassen in dieser Zeit. So bedrückend die Situation ist, die Menschlichkeit und der Zusammenhalt sind überwältigend.

Tips: Europa ist in einer schweren Krise. Wie findet man den Weg heraus?

Haböck: Die Europäische Union war lange eine Art Wohlfühl-Union, die oft belächelt wurde. Corona war die erste große Krise seit vielen Jahren, die Europas Staaten doch stärker zusammenbrachte. Die Situation nun hat fast über Nacht nochmal alles verändert. Binnen 72 Stunden wurde die EU zu einer Art Sicherheitsunion, die gemeinsam Position bezieht und handelt. Es wird hier eine Zeitenwende in Europa in allen Bereichen geben, die wir vielleicht noch gar nicht so im ganzen Ausmaß realisieren. Eines ist klar: Europa muss geeint sein, nur so können wir auch unser System von Demokratie und Rechtsstaat daheim verteidigen.

Tips: Was können Österreicher tun, um zu helfen?

Haböck: Einerseits ist Solidarität ganz wichtig. Man lächelt oft über Symbole, aber die Menschen in der Ukraine sind unheimlich dankbar, wenn sie sehen, wie viele Millionen Menschen sich für ihr Land interessieren und ein Zeichen setzen wollen. Das gibt Mut und Kraft. Andererseits mit aktiver Unterstützung in Form von Geld- und Sachspenden. Tausende Ehrenamtliche sammeln Medikamente, Wundartikel, Hygieneartikel, Decken, Lebensmittel und so weiter, die täglich an die Grenzen gebracht werden. Neben den unzähligen Initiativen im ganzen Land, ist zum Beispiel die Gesellschaft der Ukrainischen Jugend (TUMA) zentrale Anlaufstelle für viele Hilfsinitiativen. 


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