„Pepi, hast für mi ah nu a paar?“
STEINHAUS. Mit 15 Jahren hat Josef Hebesberger seine ersten Palmbuschen gebunden. 65 Jahre später ist der pensionierte Postler in den Wochen vor dem Palmsonntag noch immer schwer beschäftigt. Bis zu 400 Palmbuschen hat der mittlerweile 80-Jährige in seinen stärksten Zeiten pro Saison schon gebunden.

Die Gestaltung von Palmbuschen ist regional sehr verschieden. Sie sollen allerdings aus einer ungeraden Anzahl von Pflanzen gebunden werden, heißt es in Hebesbergers alter Anleitung. „Zum Befestigen dieser auf einem Haslstückchen (wendet Blitzschlag ab) werden sie mit den Zweigen der Goldweide drei Mal (göttliche Dreieinigkeit) umwickelt.“
Gegen Hexenfluch
Beim Steinhauser kommen Palmkätzchen (schützen Mensch und Tier vor diversen Krankheiten), Haselschüsse (den Trieben mit Würstchen aus dem Vorjahr werden magische Kräfte nachgesagt), Buchs als Symbol für die Unsterblichkeit, Segenbaum als Abwehrkraut gegen Hexenfluch, Immergrün als Zeichen für beständige Liebe und Freundschaft, die uralte Heilpflanze Heidekraut und der Wacholder als Symbol für Schutz und Vertrauen in den Palmbuschen.
Aufwändige Suche
Schon Wochen vorher begeben sich Hebesberger und sein Freund Rudi Dimmler auf Materialsuche. Für die Erika fahren sie extra nach Hinterstoder, die Haselstöcke holen sie in der Au, den Wacholder bekommen sie in Blindenmarkt und den Buchs beim Ries Franz. Danach geht es ans Vorbereiten. Hebesberger richtet sich alle Zweigerl schön handlich her, die Länge schon angepasst. Helfer Dimmler ist auf das Spitzen der Stöcke spezialisiert und spaltet die Goldwedel, das Binden überlässt er seinem Freund. Der versteckt gekonnt den stechenden Wacholder ganz in der Mitte des Büschels und bindet die restlichen Pflanzen säuberlich rundherum: Vor allem bei den Palmkätzchen und Haselnusstrieben achtet er darauf, dass es immer genau drei an der Zahl sind. „Das muss so sein“, stellt Hebesberger klar und achtet auch sonst darauf, dass alles perfekt ist: „Einen Schönheitsfehler mag ich nicht“, so der Pensionist, der dabei die Umwickelung mit Goldwidl wieder löst, weil sich die Rinde abgehoben hat. Damit sich der Widl überhaupt biegen lässt, wird das dünne Ästchen mit einem Spezialwerkzeug halbiert oder gedrittelt und womöglich auch noch extra gehobelt, damit es geschmeidig wird. Weil Draht kommt dem Hebesberger nicht an seine Palmbuschen!
Große Nachfrage
Über 300 Palmbuschen werden es wohl heuer wieder sein, die der Steinhauser auf Bestellung produziert. Sogar aus Wels und Schleißheim kommen die Leute und so mancher Landwirt braucht gar zehn Palmbuschen für seine Äcker. Da ist es auch schon mal vorgekommen, dass der Hebesberger in der Nacht auf Palmsonntag bis zwei Uhr in der Früh gebunden hat, weil immer wieder einer vom benachbarten Hudernwirt kam und bat: „Pepi, hast für mi ah nu a paar?“


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