„Traut Euch, in die Technik zu gehen. Es funktioniert!"
BUCHKIRCHEN. Sophia Keller startete ihre schulische Karriere am Schauergymnasium im musischen Zweig. Doch neben der Musik war die Technik die große Leidenschaft der mittlerweile 25-Jährigen. Nach der Matura absolvierte sie den Masterstudiengang „Leichtbau und Composite-Werkstoffe“ an der Fachhochschule Wels und ist mittlerweile für ihre Doktorarbeit in der Forschung tätig.

Buchkirchen/Wels. Die Musik begleitet Keller weiter in ihrem Leben. Zum Ausgleich setzt sie sich immer wieder ans Schlagzeug. An der alten Schule, aber auch im örtlichen Musikverein ist sie bei Auftritten dabei. Sofern es die Zeit erlaubt, denn die große Leidenschaft, die Technik, nimmt klarerweise im Berufsleben viel Raum ein. Der Umweg über die Musik an die technische Fakultät der FH Wels ist für sie kein Widerspruch. Sie will jungen Mädchen Mut machen, den Weg in ihren Traumberuf zu gehen: „Die Musik hat mir immer Spaß gemacht. Aber auch etwas anderes. Es hat dann schon Stimmen gegeben, willst du das nach der Matura wirklich machen. Aber ich kann nur jedem Mädchen raten: Traut Euch, in die Technik zu gehen. Es funktioniert. Ihr könnt das schaffen, wenn ihr nur wollt“, erklärt die Doktorandin.
Die Buchkirchnerin hat schon erlebt, dass speziell Frauen eher von Selbstzweifeln geplagt sind, wenn es um den Bereich Technik geht. Aber für sie ist klar: „Wenn Dich das interessiert, dann mach das.“ Es geht um das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Faszination Leichtbau
Gerade in der Industrie ist es wichtig, dass Bauteile mehr aushalten, aber gleichzeitig leichter werden. „Wenn etwas weniger wiegt, dann verbraucht es beispielsweise in der Luftfahrt weniger Treibstoff und Energie.“ Das Thema Nachhaltigkeit ist für Keller ebenso wichtig wie Künstliche Intelligenz (KI). „Ich befasse mich mit der Prozesssimulation, im Speziellen mit der FE (Finite Elemente)-Drapiersimulation von Glasfasergewebe für die Herstellung von Preforms für Luftfahrtbauteile. Preforms sind eine Art ,Vorformling‘, das heißt endkonturnahe, trockene Verstärkungsstruktur, aus der dann das Bauteil hergestellt wird. Mit dem Drapiersimulationsmodell werden dann durch Parametervariation Trainingsdaten erstellt, die zum Training eines KI-Ersatzmodells verwendet werden. Da die FE-Berechnung speziell für die Drapierung trockener Gewebe sehr lange dauern kann, ist dieser KI-Ansatz vielversprechend, um zeiteffizienter eine Vorhersage von Drapierergebnissen treffen zu können.“
Intensiv verfolgt sie ihre Arbeit und ausgezeichnet ist die 25-Jährige ebenso. Im Zuge ihrer Masterarbeit entwickelte sie für die Fachhochschule Oberösterreich ein Programm, welches einen Vergleich von lokalen Faserorientierungen eines Simulationsergebnisses und eines hergestellten faserverstärkten Bauteils ermöglicht. Dafür gewann sie 2022 in der Kategorie Technik (Maschinenbau und Werkstofftechnik) den Innovation Award 2022.


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