Wenn aus einem Rotkreuz-Besuchsdienst Freundschaft wird
FISCHLHAM. Anlässlich des Internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli macht das Rote Kreuz auf ein Thema aufmerksam, das viele Menschen betrifft, aber oft verborgen bleibt: Einsamkeit. Für viele ältere Menschen bleibt die Wohnungstür oft tagelang geschlossen. Gespräche und Begegnungen werden seltener. Der Besuchsdienst vom Roten Kreuz kann hier ein wenig Abhilfe schaffen und lässt mitunter sogar Freundschaften entstehen, wie im Fall einer ehrenamtlichen Fischlhamerin.

Mehr als 240.000 Menschen leben in Oberösterreich allein. Besonders ältere Menschen laufen Gefahr, soziale Kontakte zu verlieren und sich zunehmend zurückzuziehen. Eine, die sich über regelmäßigen Besuch freuen darf, ist Elisabeth Ruzinger. Jeden Freitag wartet die ältere Dame auf das Klingeln an ihrer Wohnungstür. Wenn Kerstin Kohlberger aus Fischlham dann eintritt, begrüßt die Pensionistin sie mit einer herzlichen Umarmung. Gemeinsam trinken sie Kaffee, erledigen Besorgungen und sprechen über das, was sie gerade bewegt. Was vor einigen Monaten als Besuchsdienst des OÖ. Roten Kreuzes begonnen hat, ist inzwischen zu einer echten Freundschaft geworden. „Zu erleben, wie aus Besuch Vertrauen und Freundschaft entsteht, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Kohlberger.
Oft reicht ein gutes Gespräch
Für Ruzinger sind die wöchentlichen Besuche deshalb weit mehr als eine Unterstützung im Alltag. Die blinde Pensionistin freut sich jedes Mal auf die gemeinsamen Stunden. Manchmal geht es zum Einkaufen oder zur Apotheke. Oft reichen aber schon eine Tasse Kaffee und ein gutes Gespräch.
„Diese Dankbarkeit und Freude hab ich nicht gekannt“
Die 36-jährige Fischlhamerin engagiert sich seit Februar 2025 freiwillig im Besuchsdienst. Die Idee dazu reifte über Jahre bei Besuchen von Angehörigen in einem Altenheim. „Dort habe ich erlebt, wie viele Menschen kaum noch soziale Kontakte haben. Die Dankbarkeit und Freude, die mir Menschen entgegengebracht haben, die ich zuvor nicht kannte, haben mich nicht mehr losgelassen“, erzählt die Mutter eines fünfjährigen Sohnes.
Wenn Zuhören den Unterschied macht
Der Besuchsdienst des OÖ. Roten Kreuzes richtet sich an Menschen, die sich mehr soziale Kontakte wünschen oder aufgrund von Alter, Krankheit oder eingeschränkter Mobilität Gefahr laufen, sozial isoliert zu werden. Freiwillige schenken Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr – oft entstehen daraus Beziehungen, die weit über die eigentliche Unterstützung hinausgehen.
„Freundschaft beginnt oft mit etwas ganz Einfachem: Jemand nimmt sich Zeit. Unsere Freiwilligen schenken genau diese Zeit und zeigen Menschen, dass sie nicht vergessen sind. Für viele Betroffene bedeutet das Lebensqualität, Zugehörigkeit und neue Zuversicht“, sagt OÖ. Rotkreuz-Präsident Gottfried Hirz.
Mehr als 1.000 Ehrenamtliche leisten 68.000 Stunden
Der Bedarf steigt kontinuierlich. In den vergangenen fünf Jahren erhöhte sich die Zahl der betreuten Menschen im Besuchsdienst von 1.198 auf 1.606 – ein Plus von 34 Prozent. Mehr als 1.000 freiwillige Mitarbeitende leisten dafür jährlich rund 68.000 Stunden.
Zeit, die verbindet
Studien zeigen, dass Einsamkeit nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch gesundheitliche Folgen haben kann. Umso wichtiger sind Begegnungen, Gespräche und soziale Kontakte. Für Kerstin Kohlberger und Elisabeth Ruzinger sind das keine abstrakten Zahlen. Sie zeigen Woche für Woche, was entstehen kann, wenn sich jemand Zeit nimmt: Vertrauen, Verbundenheit – und manchmal sogar Freundschaft.
Was mit einem Besuchsdienst begonnen hat, ist heute ein fester Termin im Kalender beider Frauen. Und ein Beispiel dafür, wie aus einer Stunde geschenkter Zeit etwas entstehen kann, das für beide unbezahlbar geworden ist.


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