Die Jungreithmeiers sperren zu: „Fast 54 Jahre sind einfach genug“
WELS. Mit Ende Juni wird es die Goldschmied-Dynastie Jungreithmeier in der Messestadt nicht mehr geben. Der Ausverkauf hat begonnen. Helga und Manfred Jungreithmeier blicken auf bewegte Zeiten zurück.

Es ist naturgemäß viel Wehmut dabei zu schließen, aber „ganz ehrlich. Es geht einfach nicht mehr. Wenn wir jetzt aber wieder von vorne anfangen würden, wir würden nichts anderes machen. Das war immer unser Traum ein Geschäft zu haben“, so die beiden.
Der Traum vom eigenen Geschäft hat mit dem Kennenlernen der beiden begonnen: „In der Schwimmschulgasse hatte ich eine Werkstatt. Ich wollte immer ein eigenes Geschäft haben. In den 1960er Jahren war dies in Wels nicht so einfach. Da war kein Loch frei“, erinnert sich Manfred. Nach vielen Bemühungen haben die beiden aber ein Loch gefunden. „In der Pfarrgasse ging es los. Der Hausbesitzer war so begeistert von unserem Enthusiasmus und ich kann mich noch genau erinnern mit wie viel Stolz ich die erste Auslage dekoriert habe. Das war am 13. November 1964“, erzählt Helga Jungreithmeier.
Ein Erfolgsgeheimnis in der langen Zeit der Zusammenarbeit war die klare Aufgabenteilung. Manfred war der Handwerker und Helga die Designerin: „Es war uns immer wichtig nicht nur traditionellen Schmuck zu machen, sondern auch moderne Sachen. Deswegen haben wir dann auch Ende der 1980er Jahre ein zweites Geschäft am Ring eröffnet“, fasst Helga zusammen. Viele Geschäftsleute aus nah und fern waren Kunden, aber in den letzten Jahren ist das Umfeld immer schwieriger geworden, „Wichtig im Einzelhandel – egal in welcher Branche – ist die Beratung. Auch Schmuck muss zum Typ passen. Mit der Zeit bekommt man sicher ein Gespür dafür. Aber unsere Kunden waren immer zufrieden“, sagt der nunmehr fast 80-Jährige: „Natürlich ist bei der Schließung ein weinendes Auge dabei. Keine Frage. Aber die Entwicklungen in den letzten Jahren machen eine Fortführung unmöglich. Der Goldpreis war immer schon ein Thema. Dazu kommt, dass die Wertigkeit von Schmuck bei vielen gesunken ist. Es geht mehr um Edelstahl und andere Dinge. Das macht keinen Sinn mehr. Auch wenn unser Herzblut in allen Dingen steckt“.


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