"Das ist nicht einmal ein halber Stadtplatzbrunnen“
WELS. Die frühere Bildungsministerin und jetzige SPÖ-Bildungssprecherin Nationalrätin Sonja Hammerschmid will sich einen guten Überblick über die Lage im Land verschaffen und stattete deshalb auch den Genossen in Wels einen Besuch ab.

Vorrangiges Thema dabei waren die Folgen der Bildungsreform für Wels und das Forderungsprogramm der SPÖ für die Welser Pflichtschulen, sprich: ein flächendeckender Ausbau ganztägiger Betreuung in allen Volksschulen und Neuen Mittelschulen (NMS) der Stadt Wels.
Bildungsferne Familien
Aktuell nutzen von 4554 Pflichtschülern in Wels 569 eine ganztägige Schul- und Betreuungsform (GTS) und 628 einen städtischen oder privaten Hort. Das entspricht einer Nachmittags-Betreuungsquote von knapp 27 Prozent. „Zu wenig“, finden Hammerschmid und der Welser Bildungsstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer. Tatsache ist, dass drei bis vier Prozent der Kinder von der GTS ausgeschlossen werden, weil die Eltern die Beiträge nicht zahlen können. „Es trifft vor allem Kinder aus sozial schwächeren, aus bildungsfernen Familien. Das hat nichts mit Migration zu tun“, betont Hammerschmid.
„Diese Kinder verlieren wir“, ist Schwaighofer überzeugt. „NMS-Kinder ohne Ganztagesbetreuung trifft man am Nachmittag am Kaiser-Josef-Platz und dort zahlen wir Ordnungswache“, gibt der SP-Politiker zu bedenken.
Elternbeiträge abschaffen
Wäre die GTS beitragsfrei, würde das der Stadt 250.000 Euro pro Jahr kosten. „Das ist nicht einmal ein halber Stadtplatzbrunnen“, verweist der Stadtrat auf die Prioritäten. Die SPÖ fordert demnach neben der Erweiterung des GTS-Angebotes auch die Abschaffung der Elternbeiträge für die Freizeitbetreuung in GTS, eine bessere soziale Staffelung für die Mittagsverpflegung, eine Anpassung der Öffnungszeiten in GTS vor allem an schulfreien Tagen sowie einen Schulneubau in Wels-West.
Schulneubau im Westen
Aufgrund der sozialen Herausforderungen in den Sprengeln Lichtenegg, Noitzmühle, Gartenstadt-Wimpassing und Vogelweide sowie einer Prognose, die die Bevölkerungszahl dort auf 40.000 wachsen sieht, „ist gerade in Wels-West die Errichtung einer ganztägig geführten Volksschule mit verschränktem Unterricht notwendig“, ist die SPÖ überzeugt. Die mittelfristige Finanzplanung bis 2021 sieht dafür allerdings keine Mittel vor. „Wenn der Bürgermeister dieses Projekt verzögert, erreicht er zwar seine Sparziele, aber nicht das Integrationsziel“, gibt Reindl-Schwaighofer zu bedenken.


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