„Wir haben uns entschlossen, gerade in diesen Zeiten zu investieren“
Wels. An Corona führt in diesem besonderen Jahr kein Thema bei einem Gespräch vorbei. So hat Tips Wels den FP-Bürgermeister Andreas Rabl der Stadt nicht nur mit diesem Thema konfrontiert.

Tips: Das beherrschende Thema ist und bleibt Corona. Wie hart trifft die Krise die Stadt?
Rabl: Wels ist von Corona in mehrfacher Hinsicht schwer getroffen worden. Zu Beginn lag mein Fokus auf dem Schutz der Gesundheit für unsere Bevölkerung, jetzt geht es um das Abwenden der wirtschaftlichen Folgen. Sowohl die Wirtschaft als auch der Arbeitsmarkt sind von der Corona-Krise extrem schwer betroffen. Die Arbeitslosigkeit in Wels steht auf einem Rekordniveau. Gerade kleinere Kaufleute, aber auch die Gastronomie und Hotellerie kämpfen ums Überleben. In der Stadtkasse fehlen für das Jahr 2020 rund 15 bis 20 Millionen Euro. Wir haben aber in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und jetzt ausreichende Reserven zur Verfügung. Es galt der Leitspruch „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“. Der Stadt kommt jetzt auch die Topuniversität zugute.
Tips: Welche Maßnahmen muss oder kann die Stadt setzen für die Bevölkerung, aber auch Vereine und Institutionen?
Rabl: Wir haben gleich zu Beginn der Corona-Krise den Solidaritätsfonds ins Leben gerufen. Damit haben wir rasch und unbürokratisch Familien und Alleinerzieherinnen geholfen, die von der Corona-Krise durch Arbeitslosigkeit oder sonstige Schicksalsschläge betroffen waren. Gleichzeitig haben wir für die älteren Menschen einen Lieferservice für die Versorgung – mit Essen, Medikamenten oder Zeitungen und Büchern - eingerichtet. So mussten gerade die älteren gefährdeten Personen in der Zeit des Shutdowns ihre Wohnungen nicht verlassen. Die Gastronomie und den Handel haben wir durch eigene Kampagnen unterstützt, die Gebühr für die Gastgärten wurde erlassen und in den stadteigenen Mietgegenständen wurde auch die Miete reduziert. Als Stadt ist es wichtig, in diesen schwierigen Zeiten zu unserer Bevölkerung und unseren Vereinen und Unternehmen zu stehen und sie zu unterstützen.
Tips: Sind Zukunftsprojekte wie Umbau KJ jetzt gefährdet?
Rabl: Nein, wir haben uns entschlossen, gerade in diesen Zeiten zu investieren. Daher hat der Gemeinderat im September den Umbau des Kaiser-Josef-Platzes beschlossen, womit ab März begonnen wird. Das Konzept hat alle aufgrund der vorgesehenen Grünräume und der vielen Brunnen überzeugt. Mit dem Kaiser-Josef-Platz wird der letzte große Platz in der Innenstadt - nach dem Stadtplatz 2018, der Fußgängerzone 2014 und 2015 und der Ringstraße 2018 - saniert. Damit wird auch die besondere Bedeutung der Innenstadt für die Stadt Wels unterstrichen. Aufgrund der Investitionen und der Arbeit des Wirtschaftsservice hat Wels im österreichweiten Vergleich einen der niedrigsten Leerstände mit unter vier Prozent. Wels ist nach einer Analyse vom Frühjahr auch attraktivster Bezirk in Oberösterreich.
Tips: Wie will sich die Stadt in Zukunft positionieren. Das Thema Messe wird schwierig?
Rabl: Wir haben schon im Jahr 2015 einen Positionierungsprozess gestartet und die Stadt als lebendigen, pulsierenden Wirtschaftsstandort und als heimatverbundene qualitätsvolle Wohnstadt positioniert. Die Welser Messe trägt zu dieser Positionierung bei und ist dafür ein wichtiger Botschafter. Mit dem Versuch, die Technikuniversität in unsere Stadt zu holen, soll Wels auch Studentenstadt werden.
Tips: Welche Themen brennen dem Bürgermeister unter den Fingernägeln für die Stadt?
Rabl: Wir haben nach wie vor Probleme im Bereich der Integration. Das betrifft nicht nur die Sprachkenntnisse der Schüler, sondern auch die Einhaltung der allgemeinen Regeln des Zusammenlebens. Hier sind von Bundesseite schärfere Regeln erforderlich. Insbesondere bei Integrationsverweigerung sollte man die Kürzung von Sozialleistungen andenken. Wichtig für die Stadt Wels ist auch die Entwicklung hin zu einer „smart city“. Wir müssen uns der Digitalisierung in allen Bereichen stellen. Das betrifft nicht nur den Bereich E-Government, sondern auch die Vernetzung der Bürger mit der Wirtschaft und der Verwaltung. Diese großen Herausforderungen werden wir die nächsten sechs Jahre bewältigen.
Tips:Welche sozialen Probleme sehen Sie auf die Stadt zukommen?
Rabl: Corona hat auch in Wels zu einer Rekordarbeitslosigkeit geführt, in der Wirtschaft sind in Aussicht gestellte Förderungen zum Teil nicht angekommen. Die Arbeitslosigkeit wird daher auch die Stadt in den nächsten Monaten beschäftigen. Es wird an uns liegen, die Folgen dieser Arbeitslosigkeit so gut es geht abzufedern. Jedes gefährdete Unternehmen und jeder Arbeitslose tun mir in der Seele weh, weil damit immer auch soziale Probleme verbunden sind. Ziel wird es daher weiterhin sein, Unternehmen zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen.


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