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TALLINN/WEYER. Moritz Kainz absolviert aktuell ein Auslandssemester in Tallinn, auch die Weihnachtsfeiertage und Silvester hat der 22-Jährige in Estland verbracht. Im Tips-Interview spricht der Weyrer über seine Erlebnisse, kulturelle Unterschiede und das Zusammenwohnen in einer Vier-Nationen-WG.

Moritz Kainz mit dem Maskottchen der Taltech-Universität Foto: Privat
Moritz Kainz mit dem Maskottchen der Taltech-Universität Foto: Privat

Tips:Warum haben Sie sich ausgerechnet Estland für Ihr Auslandssemester ausgesucht?

Moritz Kainz: Ich habe mich für Estland entschieden, weil ich ein Land kennenlernen wollte, das normalerweise bei nicht so vielen auf dem Schirm ist. Auch Finnland und Irland hätten mich interessiert. An Estland finde ich sehr cool, dass viele Dinge so viel besser online verfügbar sind als in Österreich. Hier gibt es eine ID-Card, auf der alles gespeichert ist. Des weiteren sind um die Taltech-Universität schon viele Start-ups wie Skype oder Taxify entstanden.

Tips:Sie sind seit August 2.000 Kilometer fernab der Heimat. Wie haben Sie sich eingelebt?

Moritz Kainz: Tallinn ist eine wunderschöne Stadt, perfekt für Studenten. Die Altstadt erinnert mich ein wenig an Steyr. Die für mich größten kulturellen Unterschiede sind, dass Esten sehr viel leiser sind als der durchschnittliche Österreicher. In den Bussen, die für Studenten gratis sind, ist es zum Beispiel immer extrem still. Esten sind außerdem sehr viel gelassener und stressen sich kaum. Es wirkt sehr viel gemütlicher. Saunieren ist auch sehr viel verbreiteter als bei uns.

Tips:Wo wohnen Sie während Ihres Auslandssemesters?

Moritz Kainz: Ich lebe in einem Studentenheim und teile mir eine kleine Wohnung mit einem Italiener, Deutschen und Ungarn. Wir unterhalten uns nur auf Englisch und es funktioniert extrem gut. Ich habe erst durch Erasmus herausgefunden, wie viele Wörter das Österreichische mit dem Italienischen und Ungarischen teilt. Es ist ab und zu direkt lustig zu sehen, wie ich von irgendeiner österreichischen Speise oder Lebensmitteln rede und der Ungar und/oder Italiener verstehen, was ich meine, und der Deutsche nachfragen muss.

Tips: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit in Tallinn?

Moritz Kainz: Das Nachtleben ist vielfältig, aber teurer als in Österreich. Die Alkoholsteuern sind höher als bei uns. Es betrifft mich aber nicht wirklich, da ich schon in Österreich sehr wenig getrunken habe, jedoch ist das Fortgehen durch die erhöhten Preise noch weniger geworden. Es gibt andere Möglichkeiten, wie Spieleabende oder gemeinsames Kochen. Gemüse und Lebensmittel sind hier viel billiger. Von der Universität wird auch sehr viel angeboten. Kürzlich waren Pflegehunde zum Streicheln da, es gibt auch Kinoabende und Partys. Außerdem hat die Universität ein eigenes Fitnesscenter, das wir benützen können.

Tips:Was vermissen Sie hier?

Moritz Kainz: Am meisten natürlich meine Familie, aber auch einige Lebensmittel. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer man in Estland an guten Speck kommt. Ich vermisse generell ein wenig die österreichische Grantigkeit. Ab und zu ist es schön, pessimistisch zu sein. Nicht zu vergessen ist, dass Estland keine richtigen Berge hat. Der höchste ist gerade einmal 318 Meter hoch und ich bin diesen ziemlich rasch hinauf gesprintet (lacht). Aufgrund der fehlenden Berge ist es hier relativ windig. Ich würde deshalb auch sagen, dass ich die Alpen sehr vermisse.

Tips:Sie studieren Internationales Logistik Management. Wie sind die Eindrücke der Uni hier?

Moritz Kainz: Die Universität ist riesig und bietet viele Möglichkeiten, um sich auch noch nach dem Unterricht zu unterhalten. Zum Beispiel kann man in der angeschlossenen Bücherei gut lernen. Die Vorlesungen sind alle auf Englisch. Ich bin mit vier Studienkollegen nach Estland gekommen. An der Universität sind unzählige Nationen und ich habe das Gefühl, dass Esten fast in der Minderheit sind.

Tips:Ihre beruflichen Ziele?

Moritz Kainz: Nach Abschluss meines Studiums an der Fachhochschule Steyr möchte ich in einem größeren Unternehmen in der Logistik-Branche Erfahrungen sammeln. Später würde ich gerne wieder ins Ausland.<

Zur Person: In seinem Heimatort Weyer hat Moritz Kainz die HLW mit Schwerpunkt Tourismus absolviert. Mittlerweile studiert der 22-Jährige Internationales Logistik Management an der FH Steyr. Sein Auslandssemester in Estlands Hauptstadt Tallinn dauert von 21. August bis 20. Jänner.


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