Gemeinderat: Zweiter Akt im Possenspiel zu Ybbs
Der Gemeinderat lieferte bei der Sitzungswiederholung erneut eine theaterreife Vorstellung. Diesmal waren ein ÖVP-Flugblatt und die Sanierung der Ybbser Stadthalle Stein des Anstoßes.

Die von SPÖ-Räten getragenen Wahlkampf-Shirts für SP-Bürgermeister Alois Schroll führten bei der letzten Gemeinderatssitzung zu einem Auszug der ÖVP- und FPÖ-Mandatare. Da damit keine Beschlussfähigkeit mehr gegeben war, musste die Sitzung vergangenen Montag wiederholt werden. Auf Wahlkampf-Shirts wurde bei der Neuauflage der Sitzung verzichtet, für Ruhe war damit aber nicht gesorgt. Ein von der ÖVP in Umlauf gebrachtes Flugblatt mit dem Titel „Ybbser Stadthalle: Außer Spesen nichts gewesen?“ mit der Frage „Herr Bürgermeister, stimmen die Gerüchte, dass die Sanierung der Stadthalle nicht umgesetzt wird?“, zog eine mehr als einstündige heftige Debatte nach sich. Bürgermeister Schroll nahm zu Beginn der Sitzung sehr ausführlich zu den VP-Vorwürfen am Flugblatt Bezug. Da die ÖVP bei den Planungsbeschlüssen zur Stadthallensanierung immer zugestimmt hatte und nach seiner Ansicht über den Status quo in dieser Sache voll informiert ist, sind die Vorwürfe für ihn unverständlich. „Die Notwendigkeit einer Sanierung steht außer Frage. Was die ÖVP hier macht, ist grober Populismus und hat hier nichts zu suchen“, so Schroll und beauftragte VP-Stadtrat Ewald Becksteiner bis zur nächsten Gemeinderatssitzung ein leistbares Sanierungskonzept auf Basis der bisherigen, gültigen Beschlüsse zu erstellen. Mit zynischem Applaus quittierte Becksteiner den Vortrag Schrolls zunächst. Was folgte war ein zum Teil untergriffiges und äußerst emotionales Wortgefecht zwischen Schroll und Becksteiner. „Ich habe ja auch einen Brotberuf und muss hackeln“ und „was ihr in zwei Jahren nicht geschafft habt, soll ich bis zur nächsten Sitzung schaffen“, erklärte Becksteiner der Beauftragung eine Absage. Er wirft Schroll vor, Informationen vorzuenthalten und kritisiert das Fehlen eines Finanzierungskonzeptes. „Ihr werdet soviel Information bekommen, dass ihr gar nicht mehr wisst, was ihr damit machen sollt“, entgegnet Schroll.
„Gebt mir das Parteibuch“
„Ich bin hier offensichtlich das neue Feindbild. Man darf keine eigene Meinung mehr haben. Am besten gebt ihr mir das Parteibuch und ich unterschreibe“, so Becksteiner verärgert. Bleibt zu hoffen, dass sich die Gemüter bis zur nächsten Sitzung beruhigen. Vielleicht bringen die anstehenden Nationalratswahlen die erhoffte Abkühlung – auch im Ybbser Gemeinderat.


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