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Kinderbetreuung "Apfelbäumchen": Zeitgemäß, selbstbestimmt, achtsam
ZWETTL. Kommenden September startet in Zwettl eine neue Kinderbetreuungseinrichtung – „Apfelbäumchen“. Tips hat sich mit den beiden Initiatorinnen Antonia Kastner und Sandra Bussecker über das neuartige Konzept unterhalten.

Tips:Was war die Motivation, diese Initiative auf die Füße zu stellen?Bussecker: Die Motivation war, für Kinder etwas zu schaffen, wo sie sehr selbstbestimmt sein können und dabei respektvoll und achtsam begleitet werden. Der zweite Punkt war, dass es in Zwettl für unter Dreijährige keine Tagesbetreuungseinrichtung in dieser Form gibt. Es wird zunehmend schwieriger, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen, dem wollen wir mit flexiblen Öffnungszeiten und Betreuungsangeboten entgegenkommen. Tips:Die gesellschaftlichen Veränderungen sind mittlerweile auch im ländlichen Bereich angekommen.Kastner: Ja, die Familienstrukturen haben sich einfach verändert. Ich glaube auch nicht, dass der Wiedereinstieg in den Beruf die einzige Begründung für eine auswärtige Kinderbetreuung ist. Es ist notwendig, einen Imagewandel herbeizuführen: Frauen dürfen auch andere Gründe haben, ihr Kind anderwärtig betreuen zu lassen, natürlich wissend, dass es gut aufgehoben ist. Wir wollen uns distanzieren, von einer Form der Betreuung wo Kinder „aufbewahrt“ werden, im Fokus steht die herzenswarme Beziehung zum Kind und die Wohlfühlatmosphäre für alle Beteiligten. Tips:Im „Apfelbäumchen“ werden reformpädagogische Konzepte angewendet werden, warum wird Bedarf für diese gesehen?Bussecker: Man merkt an den bestehenden Systemen sehr viel Unzufriedenheit, vielerorts hört man von Seiten der Eltern, dass manche Kinder nicht „sein“ dürfen und darunter leiden, dass das Individuelle in den herkömmlichen Systemen aufgrund der Rahmenbedingungen schwer Platz findet. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass es da eine Veränderung gibt. Aufgrund meiner Ausbildung als Lebensberater weiß ich, dass gerade die kindlichen Phasen sehr prägend sind und uns ein Leben lang begleiten. Tips:Wie werden diese reformpädagogischen Konzepte in der Kindergruppe nun praktisch zum Einsatz kommen?Bussecker: Wir werden im Haus unterschiedliche Bereiche haben, zum Beispiel einen Montessoribereich für die Älteren, wo die Kinder selbstbestimmt lernen können, wo sie aber auch begleitet werden, wenn sie Unterstützung brauchen. Die Kleinen sollen entscheiden, wann will ich mit Fingerfarben malen, mit welchen Materialien will ich wie lange basteln? Alles darf so genützt werden, wie es ihrem Entwicklungsstand und ihren Bedürfnissen entspricht. Und zwar dann, wenn die Kinder Lust dazu haben – nicht zu einem Zeitpunkt wo wir das für gut befinden. Sicherlich wird es auch so sein, dass Betreuer ihre Stärken einbringen. Es ist aber ganz wichtig, dass sich die Erwachsenen auch zurücknehmen können, um den Kindern die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Potential zu geben. Tips:Wie groß wird „Apfelbäumchen“?Bussecker: Idealerweise hätten wir Platz für 15 Kinder täglich. Angemeldet können jedoch bis zu 25 werden, das ergibt sich aus der Anzahl der gewünschten Betreuungstage. Dann gibt es noch die Waldgruppe zusätzlich, wo im Prinzip die Möglichkeit besteht, sein Kind nur für diese Gruppe anzumelden. Diese ist ja unabhängig von den räumlichen Richtlinien. Derzeit sind wir ein Team aus vier Betreuern, plus eine Native Speakerin. Wir haben eigene Bereiche für die Ein- bis Dreijährigen im Haus und eigene Bereiche für die Drei- bis Sechsjährigen und es gibt Areale, wo sie sich treffen. Der Garten ist zum Beispiel ein Bereich für alle. Wir haben auch nicht vor, einen typischen Kindergartenspielplatz zu machen, sondern bevorzugen einen Naturgarten, wo die Kinder matschen dürfen und das Klettern und Schaukeln wenn möglich an den natürlichen Gegebenheiten stattfinden kann.Kastner: Nur ein Beispiel, mein Sohn ist jetzt acht, und hat gestern gesagt, Mama darf ich da auf die Bäume klettern, da möchte ich rauf. Also das natürliche Bedürfnis ist nicht: Darf ich bitte die Plastikrutsche runter rutschen, sondern ich möchte auf die Bäume rauf. Und genau das möchten wir wieder aufgreifen und das innere Kind auch in uns allen wecken.Tips:Sie legen auch Wert auf biologische Mahlzeiten?Kastner: Ja genau, auf saisonale und regionale Kost. Wir haben das Glück, eine Ernährungsberaterin bei uns im Team zu haben und wollen mit den Kindern ein Bewusstsein für unsere Lebensmittel schaffen. Zum Beispiel im Zuge eines Hochbeetes selber etwas anbauen, dabei das Ziehen, Ernten und Verarbeiten kennenlernen. Gerne möchten wir noch generationenübergreifende Projekte starten – gemeinsam mit älteren Generationen Marmelade einkochen, altes Wissen wieder reaktivieren und den Kindern näherbringen. Und für jene, die keine Großeltern haben, ist das natürlich besonders wertvoll. Wir sind grundsätzlich offen für Kooperationen jeglicher Art.Bussecker: Ich finde es auch ganz toll, wenn sich Spezialisten einbringen, von Jäger bis Künstler, auch die Kinder können sich einbringen, wenn sie Lust haben.Tips:Gibt es bereits vergleichbare Initiativen?Bussecker: In dieser speziellen Form nicht. Was bei uns eine Besonderheit ist, ist, dass die Pädagogen alle eine fundierte Ausbildung haben. Kastner: Und langjährige Erfahrung mit Kindern. Wir setzen ebenso auf zwei männliche Betreuer. Männliche Bezugspersonen sind gerade in unserer Gesellschaftsform, wo diese Person oft fehlt, sehr wichtig. Vor allem für Burschen ist die Orientierung am Männlichen wesentlich.Was vielleicht auch noch neu ist, wir wollen eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder anbieten, die ausschließlich im Wald stattfinden wird, eine Outdoor-Gruppe. Wir fahren zu einem Waldplatz, das wird unser Stammplatz werden. Da gibt es einen kleinen ungefährlichen Bach, unterschiedliches Gelände, einen Mischwald usw. Und es wird jemand vor Ort sein, der das Naturerleben für die Kinder und Jugendlichen aufbereitet, sowie zusätzlich ein Native Speaker. Diesbezüglich werden die Eltern natürlich vorab ausreichend informieren, wie wir uns das vorstellen und wie das realistisch durchführbar ist. Aber auch die Kinder in der Kindergruppe dürfen täglich wählen, ob sie in den Wald wollen. Tips: Anmeldung ist ab sofort möglich?Bussecker: Ja genau. Man kann sich grundsätzlich auch unter dem Jahr melden, wenn Platz ist. Der Einstieg ist jederzeit möglich, das ist kein Problem. Tips:Wo ist die Kindergruppe situiert?Bussecker: Direkt am Neuen Markt 17, in Zwettl. Tips: „Apfelbäumchen“ wird ja von Land & Gemeinde unterstützt, wie schaut das mit den Kosten aus?Bussecker: Man kann grundsätzlich schon Richtwerte angeben, wir sind gerade dabei, das noch durchzurechnen. Grundsätzlich ist es uns wichtig, dass die Ganztagsbetreuung - und das ist von 7 bis 18.30 Uhr, also 11,5 Stunden, - nicht wesentlich mehr als 390 Euro kostet. Für diese Menge an Stunden ein guter Preis, wobei es zusätzlich noch sehr gute Fördermöglichkeiten für die Eltern gibt. Kastner: Wir haben uns bemüht, eine Homepage in relativ kurzer Zeit auf die Beine zu stellen, www.apfelbaeumchen.at und dort sind wirklich alle Informationen zu finden, auch was die Förderungen betrifft – es gibt direkt Verlinkungen zu den Onlineformularen. Speziell für Wiedereinsteigerinnen vom AMS gibt es sehr gute Förderungen und Angebote.Tips:Der Trägerverein ist die noch junge Waldviertler Bildungswerkstatt. Die Kindergruppe ist das erste Baby der Bildungswerkstatt?Kastner: Ja genau, wir haben noch weitere Babys vor, wir wollen kein Einzelkind, sondern eine große Familie (lacht), da wird noch einiges passieren.KONTAKT:Sandra BusseckerTel.: 0650/6512528s.bussecker@aon.atwww.apfelbaeumchen.atVoranmeldungen ab sofort möglich


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