Präzisionssport: Die Faszination mit Pfeil und Bogen
ZWETTL. Es ist eine der ältesten Jagdformen der Menschheit. Viele kennen ihn, aber relativ wenige üben ihn aus, vor allem am (weiblichen) Nachwuchs mangelt es. Die Rede ist vom Bogensport. In Zwettl gibt es eine eingeschweißte Fangemeinde – die Mitglieder des Waldviertler Bogenzentrums. Und die haben sich ganz dem faszinierenden Präzisionssport verschrieben.

„Wenn du im Geiste nicht klar bist und du nicht auf das Ziel fokussiert bist, dann wirst du auch meist keine guten Ergebnisse erzielen. Bogenschießen unmittelbar nach einem Streit oder Ärgernis hat zum Beispiel bei mir nie gut geklappt“, schmunzelt der Obmann des Waldviertler Bogenzentrums, Georg Fessl. Der 50-Jährige schloss während seines Kanadaaufenthalts nähere Bekanntschaft mit Pfeil und Bogen, dort ist die Bogenjagd gang und gäbe. Zurück in Österreich hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen. Der Schritt, dem angesprochenen Verein beizutreten, war dann ein naheliegender.
Mentaler Aspekt
„Die mentale Komponente ist nicht zu unterschätzen, viele Dinge des täglichen Lebens finden sich auf dem Schießplatz wieder“, ist Fessl überzeugt. So gäbe es beispielsweise immer wieder Leute, die den Pfeil nicht loslassen können, „wahrscheinlich hängen sie sprichwörtlich an irgendetwas.“ Konzentration – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Beim Zen-Bogenschießen wird diesem Aspekt noch viel mehr Bedeutung beigemessen, so meditieren die Schützen eine geraume Zeit, um ihre Konzentration und Gelassenheit zu stärken, und greifen dann erst zum Bogen. Neben der Fokussierung auf die Sache ist auch eine gewisse Ruhe und Ausdauer von Nöten. „Topschützen stehen rund acht Stunden auf dem Platz und schießen bis zu 400 Pfeile am Tag“, so Fessl. Kraft und Technik sind ebenso entscheidend, ob ein Pfeil ins Schwarze trifft oder nicht. Aber: „Letztere ist wichtiger als die Kraft“, meint der Obmann im Tips-Gespräch und räumt zugleich mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf: „Bogensport ist nicht zwingend ein Kraftsport und genauso gut für jede Frau geeignet, leider handelt es sich noch immer um eine eindeutige Männerdomäne.“ Und selbst lange Fingernägel stellen kein Hindernis dar, lacht der 50-Jährige. Und all die angesprochenen Aspekte machen die Faszination des Bogensports aus. Zudem ist er altersunabhängig, vom Kind bis zum Senior, kann ihn jeder betreiben. Letztere waren jüngst beim Zwettler Oldies- und Veteranenturnier 2016 aktiv (siehe Bild). Hier kamen neben dem Verein die ehemaligen (Gründungs-)mitglieder zusammen, um miteinander zu schießen.
Die Zwettler Bogenschützen
75 aktive Mitglieder zählt man in Zwettl – gar nicht so wenig, dies kommt nicht zuletzt daher, dass es den Verein bereits seit 26 Jahren gibt, gut fünf Jahre in den Händen des jetzigen Obmannes. Und auch die Erfolge können sich sehen lassen. Bei der letzten Landesmeisterschaft konnten fünf Medaillen mit nach Hause genommen werden. Eine Handvoll Vereinsmitglieder stellen immer wieder österreichweit bei Turnieren ihr Können unter Beweis. Schlechter ist es allerdings um den Nachwuchs bestellt. „Wir sind relativ viel in den Schulen der Umgebung unterwegs, um ein erstes Schnuppertraining zu absolvieren, leider kommt relativ wenig zurück“, bedauert Georg Fessl. Jeden Freitag, von 17 bis 19 Uhr gibt es die Möglichkeit, am Schießplatz in Oberhof vorbeizuschauen, Bogen braucht man dafür noch keinen im Gepäck. „Wir haben jede Menge Vereinsbögen“ und ist die Faszination einmal erwacht, berät das Vereinsteam gerne beim Kauf eines eigenen Werkzeuges.
Waldviertler Bogenzentrum
- Obmann Georg Fessl
- Schießplatz: Oberhof-Zwettl
- Schnupperstunden: freitags, 17 bis 19 Uhr


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